München (ki) Mehr in Bildung investieren - dieser Vorsatz treibt den Rhein-Kreis Neuss an, denn Bildungsangebote, vor allem Hochschulen als Transferstelle von Wissenschaft und Forschung auch hinein in die Wirtschaft, sind noch vergleichsweise dünn gesät.
Abgesehen von der Fachhochschule für Oekonomie & Management (FOM) in Neuss spielt sich zwischen der Heinrich-Heine Universität in Düsseldorf auf der einen und der Hochschule Niederrhein mit ihren Standorten in Krefeld und Mönchengladbach auf der anderen Seite nur wenig ab. Mit der „Akademie Schloss Dyck“ soll sich das nun ändern.
Im Februar soll dort in einem Teil der Gebäude des ersten Vorhofes ein Hochschulangebot der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen an den Start gehen.
Auf der „Expo Real“ wurde das Projekt in einem Gespräch von Dr. Georg Conzen, Vorsitzender der Geschäftsführung der RAG Gewerbeimmobilien GmbH mit Sitz in Essen, Kreisdirektor Hans-Jürgen Petrauschke, Bürgermeisterin Margarete Kranz aus Jüchen und Kreiswirtschaftsförderer Jürgen Steinmetz vorgestellt.
Warum die RAG (Ruhrkohle) mit im Boot ist, wird klar, wenn es um die Details des auf ein Jahr angelegten Master-Studiengangs geht, der sich als Zusatzausbildung an Architekten, Geographen, Städte- und Raumplaner, aber auch Betriebswirte richtet.
Im Mittelpunkt des Studiengangs mit dem Namen „Redevelopment/Design and Management“ steht die Umnutzung und Revitalisierung alter Industrieflächen und -Gebäude. Und davon hat die RAG eine Menge.
„Ob Mont Cenis in Herne oder der Landschaftspark Duisburg-Nord - im Ruhrgebiet finden sich viele Beispiele für innovative Nutzungsmöglichkeiten ehemaliger Industriebrachen“, sagt Conzen.
Der Vorteil am Standort Schloss Dyck - direkt am Rande des Braunkohlentagebaus: „Dort können die konkreten Erfahrungen und Herausforderungen der Region für eine wissenschaftliche Herangehensweise im Umgang mit solchen Flächen genutzt werden.“
Angesiedelt wird die „Akademie Schloss Dyck“ im Bereich des Internationalen Institutes für Gartenkunst und Landschaftskultur, für dessen Einrichtung die RWTH Aachen, die Heinrich-Heine-Universität sowie die Stiftungen Schloss Benrath und Schloss Dyck verantwortlich zeichnen.
„In Europa gibt es nichts Vergleichbares, und die enge Zusammenarbeit mit einem bedeutenden Praxisunternehmen macht selbstverständlich den Reiz für die Studierenden aus.
Sie können an konkreten Objekten aus dem Bestand von RAG Immobilien lernen und Ideen entwickeln“, sagt Professor Kunibert Wachten, Inhaber des Lehrstuhls für Städtebau und Landesplanung an der RWTH und Leiter des neuen Studiengangs - übrigens ein Grevenbroicher.
Die Studierenden werden Schwerpunkte setzen: Nach einem Grundstudium entscheiden sie sich zwischen den Fächern „Gestaltung industrieller Folgelandschaften“ oder „Umgang mit Low-Profit-Immobilien“, zu denen auch aufgegebene Industrieanlagen gehören.
Ein in München erstmals gezeigter Prospekt wirbt für den Studiengang, für den im ersten Jahrgang rund 15 Studenten erwartet werden. Später wird jedes Jahr mit rund 30 Studierenden gerechnet, die von 60 bis 70 Dozenten unterrichtet werden sollen.
Damit das „Studieren in den historischen Gebäuden von Schloss Dyck in idyllischer Umgebung“ noch attraktiver wird, setzen die Initiatoren auch auf Pläne für ein Hotel im Schlosskomplex - wohl vor allem als Unterbringungsort für Gastdozenten oder Studierende, die an Blockseminaren teilnehmen.
Schloss Dyck, aus Conzens Sicht selbst ein Beispiel für Low-Profit-Immobilien, könnte davon profitieren - in Form eines weiteren Gewinns an Image, aber auch an Deckungsbeiträgen für die notorisch knappe Stiftungskasse.
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