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Lokale Wirtschaft: „Schweinefleisch wird teurer“

VON JENS KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 07.04.2006 - 21:30

Rhein-Kreis Neuss Die nahenden Ostertage stehen unter keinem guten Stern. Seit Monaten schwebt das Damokles-Schwert „Vogelgrippe“ über den Köpfen der Verbraucher und vergällt die Freude am Eierverstecken. Dazu gesellen sich jetzt auch noch unappetitliche Nachrichten über die Schweinepest - mit Folgen.

Info

Bedeutung von Schweinefleisch als Nahrungsmittel

In Europa und Ostasien ist Schweinefleisch die am häufigsten gegessene Fleischsorte. Der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland lag 2004 bei 39,5 Kilogramm (Fleischverzehr insgesamt: 61,3 Kilogramm). In einigen Religionen (Islam oder Judentum) ist der Verzehr von Schweinefleisch dagegen strengstens verboten.

Das Hausschwein ist eines der am längsten domestizierten Haustiere in der menschlichen Zivilisationsgeschichte und wurde ausschließlich zur Fleischerzeugung gehalten. Heutzutage stammt der Großteil des Schweinefleischs aus einer agrarindustriellen Massentierhaltung mit ihren Problemen wie Krankheits- und Seuchenanfälligkeit, Belastung durch Pharmazeutika und Futterzusatzstoffen.

 Am Mittwoch verhängte die Europäische Kommission ein Transport- und Schlachtverbot für in NRW gezüchtete Schweine, das Freitag Morgen in Kraft trat. „Kurz vor Ostern ist das natürlich nicht angenehm“, so Leopold Matzner, Verkaufs-Chef einer Neusser Fleischerei. Der Betrieb habe zwar die Kühlhäuser gefüllt, um Engpässen vorzubeugen, nichtsdestotrotz rechnet Matzner mit Preiserhöhungen für Schweinefleisch.

Davon geht auch Michael Panzer aus. „Schweinefleisch wird teurer“, ist sich der Vorstand der Neusser „Fleischer Ein- und Verkaufsgenossenschaft“ sicher. Um wie viel steht noch nicht fest. Darum werde derzeit noch gepokert. Noch gilt die Maßnahme für nur zehn Tage (für Zuchttiere 14 Tage). Wenn dieser Zeitrahmen erweitert würde, dürften Probleme insbesondere auf die Züchter zukommen. „Wenn die Schweine überreif sind, verlieren sie an Wert“, erklärt Panzer.

Schon 14 Tage reichen aus, dass die Tiere größer, dicker, fetter - und damit eben billiger werden. Dass der Preis derjenigen Tiere sinkt, die zu fett geworden sind, ist zudem nur eine Seite der Medaille. Wenn die Tiere zu schwer würden, könne es zudem zu Platzproblemen in den Ställen kommen.

Etliche Bauern haben wohl vor Eintritt der Regelung schnell noch ihre Tiere zum Schlachter gebracht. Dass es zu Engpässen an der Wursttheke kommt, daran glaubt Panzer indes nicht: „Dann schlachtet der Tünnes aus Rheda-Wiedenbrück statt 20 000 eben 30 000 Schweine und transportiert die toten Tiere nach Nordrhein-Westfalen.“

Aus den angrenzenden Bundesländern und dem benachbarten Ausland könnte das Fleisch jedenfalls problemlos importiert werden. Panzer: „Schweinefleisch wird es immer geben.“ Allerdings dürfen Schweine aus anderen Bundesländern „nur unmittelbar auf festgelegten Korridoren“ zu den Schlachthöfen in NRW gebracht werden.

So teilt es das NRW-Landwirtschaftsministerium auf seiner Homepage mit. Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage verschiebt sich dann allerdings; dementsprechend wird sich das auf die Preise auswirken. Oliver Hilden, der die Schweinemast Bergerhof in der Nähe der Insel Hombroich betreibt, gab sich Freitag gelassen.

„Wir haben diese Woche geliefert“, erklärt er. Das Verbot passt zufälligerweise in den 14-Tage-Rhythmus, in dem der Betrieb seine Schweine verlädt. Bei seinen Kollegen, die im Wochen-Takt ausliefern, ist das schon anders. Zudem stellt sich die Frage: „Ist das Problem in 14 Tagen behoben?“ Wenn nämlich die Sanktionen bestehen blieben, könnte es eng werden.

Hilden rechnet im Moment damit, dass sich die Lage binnen der kommenden 14 Tage lockert und dass es nicht zu weiteren Beeinträchtigungen kommen wird.

Quelle: NGZ


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