Der Fachmann spricht, wenn er von der Spanne vom Jobverlust bis zum Finden einer neuen Stelle redet, von friktioneller Arbeitslosigkeit. Das klingt schon so ähnlich wie „frustrierende“ Arbeitslosigkeit. Diese Sucharbeitslosigkeit sei jedenfalls, das hatte der Bundesrechnungshof in einem Prüfbericht resümiert, im Falle der Arbeitsagenturen zu lang.
Die Vermittlungsarbeit weise zum Teil erhebliche Mängel auf, im Schnitt vergingen drei Monate, bis ein Betreuer ein qualifiziertes Erstgespräch führe. Diesen Vorwurf weist Wendeline Gilles, Leiterin der ARGE im Rhein-Kreis Neuss, zurück: Drei bis sechs Wochen vergingen, bis es zu einem solchen Gespräch komme; zwei Wochen später lande der Fall beim Vermittler.
Zudem weist Gilles noch einmal auf die Schwierigkeiten hin, mit denen die ARGE seit ihrer Gründung konfrontiert wurde. Maßgeblich für die Arbeit seien etwa die vom Gesetzgeber vorgesehenen Organisationsstrukturen. Diese seien nicht ausgereift. Neben der schlecht funktionierenden Software „A2LL“ habe die „rasante Steigerung der Zahl der Leistungsempfänger“ die ARGE ausgebremst - so sei etwa die Zahl der Bedarfsgemeinschaften binnen eines Jahres um 19,5 Prozent gestiegen.
Auch den Vorwurf des Bundesrechnungshofes, es würde nicht hinreichend überprüft, ob Antragsteller überhaupt bedürftig seien, will Gilles nicht auf ihrer ARGE sitzen lassen. Von nahezu 100 Prozent der Antragsteller würden die Kontoauszüge der vergangenen drei Monate überprüft. „Das ist Standard“, so die ARGE-Leiterin. Immerhin sei es zudem gelungen, 2700 Arbeitssuchende in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Der Erfolg könne indes nur unter Berücksichtigung der vorgegebenen Rahmenbedingungen beurteilt werden.
Jürgen Steinmetz, Kreiswirtschaftsförderer und Geschäftsführer des Technologiezentrums Glehn (TZG), das für die Vermittlung der über 48-jährigen Arbeitssuchenden verantwortliche zeichnet, empfindet die Vermittlungsquote für seinen Beritt als „durchaus positiv“. Insbesondere die Workshops, die Einzelberatungen und die pädagogische Gruppenarbeit verbucht Steinmetz als Erfolgsfaktoren.
Die Betroffenen erlebten dabei, dass sie ernst genommen werden, so Steinmetz. Insgesamt 150 freie Stellen habe das TZG zudem akquirieren können; 100 Stellen davon seien besetzt. Das scheint, trotz der großen Anzahl an Arbeitssuchenden, immerhin ein Teilerfolg. (jk)
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