Von Jens Krüger Deutschlands Probleme sind allgegenwärtig. Außer in Bayern vielleicht. Im Süden ist die Stimmung ja angeblich nicht ganz so düster. Möglicherweise ein Grund, warum die Wirtschaftsjunioren (WJ) NRW am Montag das Alpen-Ambiente der Neusser Skihalle für ihren „Juniorentag NRW“ ausgewählt hatten. Wirtschaftsjuniorentag mit: Georg B. Ficke, Robert Lamers, Stefan Kirschsieper, Andreas Galland, Tobias Fister, Jürgen Steinmetz, Stephan Meiser. NGZ-Foto: H. Jazyk
Allgegenwärtig war auch das Thema „Große Koalition“: Lohnnebenkosten, Kündigungsschutz, Mehrwertsteuer - und daraus resultierend -, Chancen und Risiken wurden diskutiert. Damit hatten die Netzwerker ihr Hauptziel schon erreicht: Kommunikation. Ein Gespräch wird vielleicht zum Kontakt und ein Kontakt möglicherweise zum Geschäft. Das ist das Prinzip. Und warum Neuss? „Die Region Neuss steht im Verband heute an erster Stelle“, lobte Robert Lamers, WJ-Landesvorsitzender und Düsseldorfer Unternehmer.
Rund 70 Mitglieder formieren sich allein unter dem Neusser Verband. Insgesamt 267 Jungunternehmer aus dem Landesverband - bis zu einem Alter von 40 Jahren - hatten sich zur Schneepiste begeben. Eine prima Möglichkeit für den Rhein-Kreis Neuss, sich als Standort ins rechte Licht zu rücken. Selbst wenn das gewählte Motto („Im Westen was Neuss“) etwas sperrig anmutete - „für uns ist das eine Gelegenheit auf unsere Dienstleistungen hinzuweisen“, so Jürgen Steinmetz.
Von einer „interessanten Zielgruppe“ sprach der Kreiswirtschaftsförderer. Neuss sei „sehr präsent“, sekundierte Andreas Galland, Wirtschaftsförderer der Quirinusstadt. Auch die IHK und die Neusser Sparkasse als Sponsor hatten die Wirtschaftsjunioren ins Boot holen können. Klar auch, dass die Besucher nebenbei noch ins 3M-Forschungszentrum und zu Procter & Gamble gelotst werden sollten. Als Anreiz wurde den jungen Unternehmern zudem eine Stunde Pistenspaß versprochen - und dann wurde über Mut, Chancen und Hoffnungen gesprochen.
Da geisterte sie schon wieder durch den Raum, die große Bundespolitik. Das schwarz-rote Bündnis gehe einher mit großen Kompromissen, gestand Lamers ein; und auch sei es falsch mithilfe von Steuererhöhungen die Haushaltslöcher zu stopfen; eine Menge Porzellan sei zerschlagen worden. Lamers: „Das muss gekittet werden.“ Und: Es gelte jetzt, sich darauf zu konzentrieren, „was wir können“. Die über den Verband geknüpften Verbindungen könnten, ja sollen weiterhelfen. 2700 Wirtschaftsjunioren sind es in NRW; 10 000 deutschlandweit; mehr als 100 Verbände verteilen sich gar über den Globus und bilden das Dach der internationalen Organisation „Junior Chamber International“.
Tobias Fister, Vorstandssprecher der Wirtschaftsjunioren bei der IHK in Neuss, versucht den Nutzen der Vereinigung auf den Punkt zu bringen: Als er das erste Mal auf einer Bundeskonferenz gewesen sei, habe er niemanden gekannt - und binnen eines Tages 50 Gleichgesinnte kennen gelernt. Fister: „Zu jüngeren Leuten hat man einen ganz anderen Zugang.“ Mit ihnen sei man direkt auf einer anderen Ebene und schnell per du. „Wie wenn man jemanden in der Kneipe trifft.“
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