Hauptredner beim "Tag der Wirtschaft", den der Bundesverband mittelständische Wirtschaft in der Neusser Stadthalle ausrichtete, war Edgar K. Geffroy. Nach eigener Darstellung verfügt er über eine 20-jährige Unternehmer-Erfahrung, alle Höhen und Tiefen inbegriffen.
"Wer von Ihnen ist reich, wer erfolgreich, wer Millionär?" - auf Geffroys Fragen kamen die Handzeichen immer zaghafter aus dem Publikum. Seine Antwort: "Wir alle sind Milliardäre, Besitzer von 100 Milliarden Gehirnzellen." Der Zuhörer fühlte sich dazu aufgerufen, sie auch entsprechend einzusetzen. Geffroy nimmt die Rezession wahr und erwartet zu deren Überwindung im kommenden Jahrzehnt die Hinwendung der Wirtschaft vom "capital" zum "human capital".
"Eine lange Zeit von bestenfalls moderatem Wachstum liegt vor uns." Jeder müsse sich fragen, was er ändern könne, um eine Evolution zu fördern. Die einfache Herstellung und der Vertrieb von Produkten seien nicht die Erfolgsgarantien der Zukunft. Als Beispiel nannte er General Motors, das sich vom Autohersteller zum Dienstleistungsunternehmen wandeln will, weil mit dem Kerngeschäft kein überragender Erfolg sicherzustellen ist.
Andere Beispiele: "Bei Tchibo bekommen Sie zufällig noch Kaffee; die besten Computer liefert Ihnen Aldi." Selbst Microsoft habe trotz 95-prozentiger Marktbeherrschung Zukunftssorgen. Die Menschen um Bill Gates arbeiteten intensiv an vorausschauenden Entwicklungen, damit ihnen kein anderer den ersten Platz auf dem Sektor der Informationstechnologie streitig mache.
Geffroy glaubt, dass "die Welt nicht mehr in Märkten, sondern in Netzwerken denken wird". Die Partnerschaft werde den zentralen Stellenwert erhalten. Er fürchtet allerdings, dass keiner weiß, wie sie funktioniert. "Partnerschaft ist nicht gleich: Partner schafft!" Neue Strategien? Bei erfolgreichen Unternehmen sei kein Produkt, keine Idee älter als drei Jahre. Das Marketing müsse ersetzt werden durch das Clienting. Das heiße, dass der Kunde nicht mehr als Abnehmer, sondern als Partner verstanden werde.
Der heutige Kunde bringe auch bestens geschulte Verkäufer dadurch in Schwierigkeiten, dass er dank Internet und anderer Informationsquellen viel mehr wisse. Er wäge sorgfältiger ab, ob er das neue Produkt benötige. "Der Kunde ist hyperkritisch, und die klassische Kundenbindung spielt keine Rolle mehr. Der Kunde entscheidet, wann und was er haben will."
Laut Geffroy verändert sich ein Unternehmen nach längerer Erfolglosigkeit erst dann, wenn "der maximale Panikpegelwert" erreicht ist. Unternehmen rät er, gedanklich einen Bilanzzeitraum von 1.000 Tagen einzurichten und nach höchstens 800 Tagen Querdenkern die Chance zu Nachfragen und Anregungen einzuräumen. Der Erfolg sei zeitlich begrenzt, deshalb müsse die Veränderung früh einsetzen. Fazit: "Die Unternehmen, die sicherheitshalber auf der Mitte zwischen Preisangebot und Serviceangebot ausharren, werden keinen Erfolg haben." sk
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