Manchmal fällt es wirklich schwer, diesem Unternehmen neutral gegenüberzustehen: Die Einzelteile liegen auf dem Teppichboden verstreut, gleich daneben die - ohnehin längst überflüssig gewordenen - Anleitung. Und dennoch, auch beim nächsten Umzug wird wohl wieder kein Weg an dem Möbelhaus mit den vier Buchstaben vorbeiführen. Ikea feiert Geburtstag und das gleich zweimal. Ikea gestern: Werbung aus den 70-er Jahren. Foto: Ikea
Vor 30 Jahren eröffnete das erste Ikea-Möbelhaus in Deutschland. Nur fünf Jahre später - genauer am 30. August 1979 - erobern die Schweden auch den Kaarster Süden, der Beginn einer beispielhaften Erfolgsstory. Ein Vierteljahrhundert, in dem sich das schwedische Möbelhaus in einigen Neusser Wohnzimmer verewigt haben dürfte. Denn trotz aller Tücken, trotz aller Häme, die sich schon über so manchen Heimwerker ergossen hat, das Kaarster Möbelhaus boomt nach wie vor.
Was aber ist das Geheimnis hinter dem Mega-Konzern, der in 33 Ländern über 180 Einrichtungshäuser sein Eigen nennt und mit 11,3 Milliarden Euro im Jahr 2003 ein neues Umsatzhoch verzeichnen konnte? "Bei uns steht der Mensch im Vordergrund", versucht Georg Gleissner eine Erklärung. Der kaufmännische Leiter des Kaarster Einrichtungshauses könnte sich beruhigt zurücklehnen, die allgemeine Wirtschaftsflaute scheint spurlos am schwedischen Möbelriesen vorbeizugehen.
"Wir sind zufrieden und können wieder ein Plus im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen", meint Gleissner, der die genauen Zahlen dann aber doch lieber für sich behalten will. Doch ein Blick in den Kassenbereich reicht auch vollkommen, um zu erahnen, "dass Kaarst wirklich ein idealer Standort für uns ist", so Gleissner. Rund 300 Mitarbeiter beschäftigt das Kaarster Haus, "hier stimmen Kaufkraft, Infrastruktur und Nachfrage, wir können uns nicht beklagen", zeigt sich Gleissner zufrieden.
Ein echtes Luxusproblem wurde im Jahr 2000 gelöst, als in Düsseldorf ein weiteres Haus sein Pforten öffnete. "Unsere Kapazitäten waren erschöpft, es ging nicht mehr. Durch unser Tochterhaus haben wir die nötige Entlastung geschaffen", erklärt Georg Gleissner. Für ihn ist Ikea in erster Linie ein Produktionsunternehmen, "wir fahren nicht auf irgendwelche Möbelmessen. Unsere Designer haben eine Idee, lassen 100.000 Schränke bauen und beliefern damit unsere Ausstellungen".
Durch Eigenproduktion, innovativem Verkaufskonzept und platzsparender Lagerung "schaffen wir es, ein möglichst breites Sortiment für Jedermann bereitzustellen", macht Gleissner deutlich. Und das Sortiment wird stetig erweitert, Ikea ist schon lange kein reine Möbelhaus mehr. "Von der Bettdecke bis zum Wandbild ist alles aufeinander abgestimmt. Alles passt zusammen, ein stimmiges Konzept, dass dem Kunden dennoch Freiheiten lässt."
Seit rund fünf Jahren gräbt Ikea auch Elektrohändlern und Baumärkten das Wasser ab. "Wir sind zum Beispiel der günstigste Anbieter für Energiespar-Lampen", erklärt das Geschäftsleitungs-Mitglied. Ein Ende der schwedischen Erfolgsgeschichte in Kaarst ist nicht abzusehen, "auch wenn wir sicherlich noch nicht ganz zufrieden sind. Der geplante Umzug steht noch aus, vielleicht bekommen wir das ja auch noch hin", gibt sich Gleissner optimistisch. bött
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