„Denken Sie daran, meine Herren: das ist die letzte Versteigerung vor Weihnachten. Jetzt schon an die Geschenke denken“, lächelt Heiko Bechert und hält ein „goldiges“ Armband hoch. „Ein Euro, wer bietet mehr?“ Rekordbesuch bei der Fundsachen-Versteigerung meldete die Stadt: In Lank waren rund 150 Schnäppchenjäger anwesend, als Heiko Bechert (rechts) vom Rad bis zum Ring alles anbot.
Rund 150 froh gestimmte Schnäppchenjäger sind dieses Mal mit von der Partie, als der Bereichsleiter für Sicherheit, Ordnung und Bürgerbüros an der Gonellastraße in Lank gewohnt humorvoll Fundsachen unter den Hammer nimmt: Armbanduhren, ein Ehering, Handys, ein Beutel mit alten Münzen, 27 Fahrräder aller Sorten und sogar ein Korb mit nagelneuen Toilettenbürsten sind diesmal im Angebot.
Die Sachen sind von ehrlichen Findern in den Bürgerbüros abgegeben oder von der Meerbuscher Polizei irgendwo im Stadtgebiet gefunden worden. Ein halbes Jahr lang lagern die Stücke in der Aservatenkammer der Stadt, dann darf der Finder zugreifen. Lehnt er dankend ab, wandert Ring wie Rad in die Versteigerung, die alljährlich im Februar und im September stattfindet. „Wer sich jetzt noch an die Nase fasst oder am Kopf kratzt, kann missverstanden werden“, warnt Bechert das Publikum.
„Das sieht allzu leicht wie ein Gebot aus. So hat schon mancher eine Schrankwand ersteigert.“ Die Bieter sehens gelassen, und beim ersten ganz passablen Alu-Fahrrad geht alles ganz schnell: 20 Euro, 21, 22, 23 - bei 35 Euro saust der Hammer auf den Tisch. „Damit können Sie direkt nach Hause radeln - aber vorher zahlen.“ Wer den Zuschlag hat, bekommt ein Kärtchen, mit dem geht’s zur Kasse. „Langsam, wir kommen bald nicht mehr mit“, ruft Nicole Sander, im Dienstalltag Mitarbeiterin im Bürgerbüro Lank. Am Kassentisch bildet sich eine Schlange, von hinten und von vorn drängeln die Zahlungswilligen.
Die übrige Kundschaft konzentriert sich schon auf die nächsten Drahtesel, sogar einer mit Hilfsmotor ist dabei. Schon eine halbe Stunde vor Versteigerungsbeginn haben sich einige „Profis“ die Nummern ihrer „Favoriten“ notiert. Einige geben nur cool mit Kopfnicken oder Augenzwinkern ihr Gebot ab, andere schnipsen mit den Fingern oder rufen laut „hier“, um vom Auktionator wahrgenommen zu werden. „Kommen Sie, meine Damen und Herren“, ermuntert Bechert, wenn die Gebote zu zähflüssig kommen.
„Das ist hier nicht wie bei Ebay, Versandkosten kommen keine dazu.“ Ein klappriges Herrenrad, das schon bessere Zeiten gesehen hat, findet tatsächlich für einen Euro einen Liebhaber. „So viel ist allein schon die Klingel wert“, ruft Bechert und beglückwünscht den neuen Besitzer. Dann geht ein pechschwarzes BMX-Rad für 62 Euro an einen jungen Mann im Leinenjacket. Kunststücke kann er noch keine, gibt er offen zu.
Aber üben will er fortan täglich. Na denn. Nach knapp einer kurzweiligen Stunde ist die Versteigerung beendet, die Reihen lichten sich. „Gibt’s gar nicht, wieder alles weg“, sagt Mitarbeiter Lothar Leyens und rollt das rot-weiße Absperrband auf. Ein blondes Mädchen, das mit seiner Mutter eigens aus Büderich angereist ist, blickt etwas traurig drein. „Sie hätte so gern ein Hollandrad gehabt“, sagt Mama. Im Februar wollen die beiden wiederkommen.
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