Er lebt zwischen dem Whisky Creek, dem Rum Creek, dem Jenny Creek; er lebt mit seinem Vater dort und sein Name ist Hathaway Jones. Er ist etwa vierzehn und seine Aufgabe ist es, den vielen verstreut wohnenden Goldgräber-Familien ihre Post, Salz, Zucker und Munition zu bringen.
Er lebt zwischen dem Whisky Creek, dem Rum Creek, dem Jenny Creek; er lebt mit seinem Vater dort und sein Name ist Hathaway Jones. Er ist etwa vierzehn und seine Aufgabe ist es, den vielen verstreut wohnenden Goldgräber-Familien ihre Post, Salz, Zucker und Munition zu bringen.
So reitet er jeden Tag auf seinen Maultieren zu George Billings und seiner Familie, zu Scotty McGullen, zu Dutch Henry - und zur Thomas-Farm. Auf der Thomas-Farm wohnt Flora Dell, die von allen Mädchen, die Hathaway Jones gesehen hat, das schönste ist. Er verliebt sich in sie und kann sein Glück nicht fassen, als auch Flora sich in ihn verliebt. Langsam und vorsichtig nähern sie sich einander. Sie genießen die neu entdeckte Zusammengehörigkeit, obwohl sie es nicht immer einfach haben: Der unangenehme Dutch Henry nimmt seiner Ziehtochter aus Eifersucht den Freund, Clarence Burke tötet aus Hilflosigkeit einen Mann, der ihn seit Jahren bestiehlt, und beider Väter geben sich lieber dem Alkohol hin, als sich um ihre Kinder zu kümmern.
Auf diese Weise ist das Leben am Rogue River nie einfach, aber auch nie langweilig. Und solange einer den anderen hat, kann nichts Hathaway Jones und Flora Dell erschüttern. In ihrem Jugendroman "Hathaway Jones" erzählt die in Berlin geborene Autorin Katja Behrens eine wahre Begebenheit: Die Geschichte eines Jungen, der unter Goldgräbern am Rogue River in Oregon aufwächst. Das Thema des Gold-Rush bietet zahlreiche Ansätze, und Katja Behrens hat einen für Jugendliche gut zugänglichen gefunden: die erste Liebe.
Feinfühlig und mit Sinn für Einzelheiten beschreibt sie das Aufkeimen, Wachsen und Blühen des Verliebtseins. Aber auch, wenn es nicht um Hathaway und Flora, sondern um das Leben der Goldsucher, ihre Streitigkeiten und Freundschaften, oder um die Beziehung zwischen Hathaway und seinem Vater geht, beweist die Autorin ihr Geschick für das Beobachten. Auf diese Weise lebt ihr Roman von Bildern und Eindrücken. Jedes einzelne Kapitel erinnert an ein Foto, eine Momentaufnahme, mit deren Farben und Formen der Leser sich seinen eigenen Film im Kopf zusammenschneidert. Der Junge Hathaway ist eine gut konstruierte Persönlichkeit; Katja Behrens stellt seine Eigenschaften und sein Verhalten authentisch und daher nachfühlbar dar: Nach außen hin scheint Hathaway rauh, doch unter dieser Schale verbirgt sich ein empfindsamer Kern.
Ergänzt wird die Echtheit des Romans durch die lebhaften Dialoge, die ebenfalls bedacht erfunden wurden. Zudem versteht es die Autorin, durch Äußerungen und unauffälliges, nebenbei passierendes Verhalten der Personen eine Vorstellung von deren Gefühlsleben zu geben. Hathaway Jones Die ein wenig abgehackt klingende Sprache verstärkt den Eindruck der Momentaufnahme; kurze Sätze und längere mit vielen Reihungen wechseln sich ab und sorgen für ein ordentliches Tempo, das manchmal in Hektik umschlägt. Der Jugendroman bleibt durchweg interessant, doch ab und zu fragt sich der Leser, auf welches Ziel die Autorin hinsteuert; es gibt keinen erkennbaren Höhepunkt und die Handlung plätschert bis zum Ende vor sich hin. Ein lehrreicher Roman, der nicht nervt, und ein schöner Roman, der nicht übertreibt - zum Lesen bestens geeignet. Anna Schnürch
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