Neuss Samstag, 19.30 Uhr: Dicht gedrängt stehen sie vor den Türen des Landestheaters: „Gangsta“ mit Goldkettchen, Undergrounder in Schlabberlook und Wollmütze.
Hip-Hop
Das Wort Hip-Hop hat keinerlei Bedeutung, und über die Wortschöpfer besteht
keine Einmütigkeit.
Gleichwohl bezeichnet HipHop eine Subkultur, deren Markenzeichen
die Musik ist, deren Wurzeln in der schwarzen Soul-Musik und im schwarzen Funk
liegen. Der Hip-Hop schuf sich seine eigenen Tanzstile, unter anderem mit Breakdance.
Dazwischen einige verloren wirkende Eltern und Großeltern mit Fotoausrüstungen um den Hals - um fürs Familienalbum festzuhalten, wie der Nachwuchs beim „creative“-Festival auf der Bühne steht.
19.45 Uhr: Die Türen öffnen sich. Die Masse darf bis zur Treppe vorrücken.
„Ey Alder, was geht da eigentlich gleich ab?“, fragt jemand seinen Nebenmann. „Bauchtanz, und dann liest noch einer ’ne Geschichte vor“, antwortet dieser flapsig, erntet Lacher von den Umstehenden. Heute Abend steht Hip-Hop auf dem Programm.
20.05 Uhr: Vor fünf Minuten sollte es eigentlich losgehen, aber erst jetzt geben die Ordner die Treppe frei. Jeder bekommt einen Stempel auf die Hand, dann wird der Theatersaal gestürmt.
20.15 Uhr: Der Saal platzt aus allen Nähten. Helmut van de groote Poort schüttelt mit dem Kopf.
„Getränke raus!“, ruft der Leiter der Theater-Beleuchtungsabteilung und „Fluchtwege freihalten!“
20.25 Uhr: Hamdi Berdid (22) betritt die Bühne. „Wir dürfen nicht anfangen“, sagt der Veranstalter.
„Der Saal ist zu voll, die Treppen müssen frei bleiben.“ Einige Jugendliche setzen sich auf den Schoß ihrer Freunde, andere werden hinter die Bühne quartiert.
Um 20.45 Uhr öffnet sich endlich der Vorhang. Zunächst für eine Videoshow: Bilder aus Kriegs- und Krisengebieten, dazwischen die einstürzenden Twin-Towers vom 11. September.
Als George Bush erscheint, buht das Publikum. Ein Song verkündet das Motto des Abends: „Energie“. Dann stehen dreißig Mädchen im Lichtkegel: „Unique moves“, eine Formation aus Tanzschülerinnen Hamdi Berdids.
Rund ein Jahr haben sie ihre Choreographien auf House- und R’n’B-Beats geprobt - jetzt werden sie, und vor allem ihre Solistin Engracia Costello, zwanzig Minuten lang vom Publikum gefeiert.
Den zweiten Programmteil bestreitet Hamdi Berdids Gruppe „Urban Squard“. Gemeinsam mit Viktor Podstrelnov, Stefanie Suchy und Erwin Musagic legt er akrobatischen Breakdance aufs Parkett.
Das ist schon eher Hip-Hop wie man ihn kennt. Das Publikum nimmt die Aufforderung „Get your hands up!“ wörtlich, klatscht, johlt, jubelt.
21.20 Uhr: Hamdi Berdids Schlussworte gehen in der allgemeinen Aufbruchsstimmung unter.
Während die älteren Zuhörer sich draußen vor dem Rheinischen Landestheater noch die Ohren reiben, beginnen die jüngeren schon die After-Show-Party.
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