Meerbusch Die Autohersteller ächzen unter der Last der Wirtschaftskrise, der Autohandel nicht weniger. In Meerbusch sitzt die Zentrale der Kroymans Deutschland GmbH, die bundesweit von Ferrari bis Ford im Autohandel aktiv ist. Im Gespräch mit der NGZ erklärt Geschäftsführer Harald Fähr seine Strategien gegen die Krise.
Herr Fähr, Kroymans ist bundesweit aufgestellt - mit welcher Struktur?
Harald Fähr Wir konzentrieren uns auf drei Regionen: Berlin, Nordrhein-Westfalen und den Süden, konkret München und Nürnberg. Das sind 16 Verkaufs- und Servicestandorte mit insgesamt über 850 Beschäftigten, davon etwa 150 Auszubildende. Unser größtes Haus betreiben wir an der Oberlandstraße in Berlin. Mit rund 100 Mitarbeitern haben wir dort 2008 über 3400 Autos verkauft. Das Haus steht auch beispielhaft für unsere Mehr-Marken-Strategie: Ford, Volvo, Nissan, Fiat, Abarth, Alfa Romeo, Lancia, Cadillac, Corvette und Hummer, haben wir dort im Angebot.
Welche weiteren Marken haben Sie derzeit im Portfolio?
Fähr Opel, Jaguar, Land Rover, Ferrari, Maserati, Aston Martin, Saab - natürlich nicht an jedem Standort, sondern dort, wo die entsprechenden Kunden sitzen.
Generell gilt also: Kroymans konzentriert sich auf den großstädtischen Raum?
Fähr Unsere Hauptstrategie folgt zwei Prinzipien: Metro-Area und Multi-Franchise.
Ihr größter Standort in NRW?
Fähr Das ist das Autohaus an Herzogstraße in Essen. Über 2800 verkaufte Autos im vergangenen Jahr, das ist schon eine große Hausnummer. Wie generell im Ruhrgebiet sind wir auch dort mit Ford besonders stark.
Welchen Stellenwert macht Ford für die gesamte Gruppe aus?
Fähr Ford ist in Summe mit fast 60 Prozent Anteil am Umsatz die größte unserer Marken.
Wie gehen Sie mit der Markenvielfalt um? Je mehr desto besser?
Fähr Vielfalt allein ist kein Wert an sich. In der Vergangenheit hatten wir sehr viele Marken, jetzt wollen wir uns stärker konzentrieren. Unsere Kernmarken sind Ford, Volvo, Nissan und Fiat. Darüber hinaus werden wir andere Marken dort weiterbetreuen, wo es strategisch Sinn macht, zum Beispiel Jaguar und Land Rover an der Niederrheinstraße in Düsseldorf-Nord. Auch Marken wie Ferrari und Aston Martin, mit denen wir gute Umsätze machen, werden natürlich bleiben.
Ist die Mehr-Marken-Strategie das Modell der Zukunft im Autohandel?
Fähr Absolut. Das ist das Konzept der Zukunft. Wichtig ist dabei: Es funktioniert nicht, wenn Marken nur gesammelt werden. Es geht darum, mehrere Marken intensiv zu betreuen. Man muss die Marken nicht nur haben, man muss sie auch „können“. Wir haben in der Vergangenheit an der einen oder anderen Stelle zu viele Marken gehabt und rudern deshalb teilweise auch ein Stück zurück.
Was bedeutet „eine Marke können“?
Fähr Sie müssen die Kundschaft verstehen, das Produkt bestens kennen, den entsprechenden Showroom bieten und das passende Marketing vorhalten. Vor allem aber sind die Mitarbeiter ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg. Hinzu kommen Technik und das Know-how im Service. Alles das muss vorhanden sein, wenn eine Marke erfolgreich verkauft werden soll - ein Investment in Menschen und in Hardware.
Wird der klassische Autohändler „um die Ecke“ verschwinden?
Fähr In den Großstädten wird es so kommen, auf dem Land aber sieht es anders aus. Die kleineren Händler dort arbeiten mit einer ganz anderen Kostenstruktur und einer teils sehr ausgeprägten Bindung zu ihren Kunden, von denen sie sehr viele persönlich kennen.
Nun geht die Wirtschaftskrise, die ja speziell in der Automobilbranche tiefe Spuren hinterlässt, auch an Kroymans Deutschland nicht vorbei. Wie reagieren Sie?
Fähr Wir fahren einen Restrukturierungskurs und passen unsere Organisation der aktuellen Marktsituation, aber auch der Philosophie unseres Unternehmens - Stichwort Metro-Area und Konzentration auf die Bereiche Berlin, NRW, München/Nürnberg - an.
Mit welchen Konsequenzen für die Standorte?
Fähr Wir haben seit Dezember vergangenen Jahres einige kleinere Betriebe an unrentablen Standorten geschlossen: Hamburg, Stuttgart, Neuss, Bottrop und Haag bei München. Die meisten Mitarbeiter wurden jedoch nicht entlassen, sondern an anderen Standorten übernommen. Neuss ist dafür ein gutes Beispiel. Letztlich war das Haus an der Moselstraße für unser Konzept einfach zu klein: Fünf Mitarbeiter von dort betreuen jetzt unsere Alfa Romeo- und Saab-Kunden an der Automeile in Düsseldorf.
Weitere Veränderungen sind nicht geplant?
Fähr Wir werden keinen unserer großen Standorte schließen, sondern wir werden dort unsere strategische Allianz mit den Herstellern weiter pflegen.
Was bringt die Abwrackprämie?
Fähr Für uns sehr viel. Das gilt vor allem für den Volumen-, weniger für den Premiumbereich. Wir verkaufen im Zusammenhang mit der Abwrackprämie vor allem im unteren Preissegment enorm gut. Natürlich bieten wir auch den Service, für den Kunden die komplette Abwicklung zu übernehmen. Das hilft einerseits den Kunden, ist aber auch gut für uns: Wir schaffen eine enge Kundenbindung.
Welche Fahrzeuge und Marken sind derzeit am häufigsten gefragt?
Fähr Sehr stark sind die Kleinwagen: Fiesta, Ka, Corsa, auch die entsprechenden Fiat-und Nissan Modelle laufen durch die Abwrackprämie sehr gut.
Wie steht es mit größeren Modellen?
Fähr Der Premium-Sektor hat sich noch nicht belebt. Ausnahme ist das Luxussegment: Ferrari zum Beispiel läuft immer stabil. Die entsprechenden Kunden sind von der Wirtschaftskrise weniger betroffen.
Welche Bedeutung hat das Luxussegment für die Kroymans-Gruppe?
Fähr Der Luxussportwagenbereich macht zwei Prozent des Umsatzes aus, ist aber trotzdem mit Blick auf den Ertrag und natürlich auch aufs Image sehr bedeutend.
Wie verhalten sich Groß- und Flottenkunden in der aktuellen Krise?
Fähr Sie orientieren sich in der Modellpalette nach unten. Wir stellen immer wieder fest, dass Flottenkunden, die bislang Premiumfahrzeuge wie Audi oder BMW gefahren haben, jetzt auf einen Ford Mondeo kommen - auch ein gutes Auto, aber eben preisgünstiger. Bei Privatkunden gibt es übrigens einen ähnlichen Effekt.
Was unterscheidet Kroymans von anderen großen Autohändlern?
Fähr Der wesentliche Unterschied liegt in der Regionalstruktur. Die meisten anderen Händlergruppen konzentrieren sich auf nur eine Region. Wir schauen mit unseren drei großen Metro-Areas auf das gesamte Bundesgebiet. Das bietet uns auch Vorteile im Großkundengeschäft, denn wir können Autos zum Beispiel gleichermaßen in Berlin wie in München ausliefern und an allen Standorten auch den entsprechenden Service bieten.
Frank Kirschstein führte das Gespräch.
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