Pilotenbrille Marke "Zeit- und geschmacklos", tailliertes Muskelshirt und eine fast schon legendäre Dauerwelle - Atze Schröder ist einfach unverkennbar. Sein Auftritt rangiert irgendwo zwischen Blödelprolet Tom Gerhardt und Ruhrpott-Opi Herbert Knebel. In der Neusser Stadthalle präsentierte sich der Comedian einmal mehr als unverwüstliche "Schnodder-Schnauze", der sich mit seinen Pointen gerne auch mal unter der Gürtellinie bewegt.
Rauch, Laser und eingespielte Hymne - der "Botschafter der Liebe, des Friedens und der großen Fresse" hatte einen martialischen Einmarsch und wurde schon gefeiert, ohne eine einzige Zote vom Stapel gelassen zu haben. Bekannt durch zahlreiche Fernsehauftritte und einer eigenen Serie, muss Atze Schröder eigentlich kaum noch jemanden von seinem Talent überzeugen. Bereits seine Ausführungen zur "Luderproblematik" im deutschen TV brachte die Stadthalle zum Kochen.
Das aktuelle Programm "Meisterwerke" ist nur der Rahmen für einen gewohnt unterhaltsamen und charmant-rustikalen Streifzug durch die Arbeiterklasse der Ruhrgebiets. Mittendrin: Atze Schröder. Zunächst aber litt sein Auftritt unter einer wohl falsch verstandenen Information: Der Comedian verlegte den sozialen Brennpunkt des Kreisgebietes ausgerechnet nach Meerbusch - was eine eher unfreiwillige Komik nach sich zog. Doch dies sollte (fast) der einzige Kritikpunkt des Abends bleiben.
Atze Schröder 2000 im Kaarster Albert-Einstein-Forum und 2002 in der Neusser Stadthalle - ein Unterschied wie Tag und Nacht. War sein Auftritt in Kaarst steif und unbeholfen, am Mittwoch Abend sprühte Atze Schröder nur so vor Selbstbewusstsein. Mühelos zeigte er jetzt den Wortwitz, den man von seiner Fernsehserie kennt. Die "Bundfaltenjeans, wie sie selbst in den Kleidersäcken in Rumänien verboten sind", oder "die ambulante Lackierstraße auf der Damentoilette" - Atze Schröder hat in der "Ü 30-Disko" genau hingeschaut, beschreibt das Verhalten sexuell frustrierter Erdenbürger beim "Tanz ab 30" gewohnt drastisch.
Genau für diese unverfrorene Direktheit lieben ihn seine Fans und verachten ihn seine Gegner. Eine Egal-Haltung wird bei Atze Schröder zur Utopie. Denn auch bauchfreie Tops lösen bei Atze schlagfertige gewöhnliche Komplimente aus: "Oh, Kaiserschnitt - is' schön verheilt." In seiner Rolle als junger Vater ist Schröder da schon mehr gefordert. Doch die Benjamin-Blümchen-Kassette seines Sohnes, Rolf Zuckowsky, und "467 Tage, ohne den Lachs mal wieder gebuttert zu haben" - das ist auch für Atze eindeutig zu viel. Da helfen nur Beobachtungen anderer Mütter, die ihren Nachwuchs zu "jungen Läufern" trainieren, sowie ein Abstecher in die bekannte Disco. Atze Schröder bleibt strittig, doch wer sich auf ihn einlässt, kommt aus dem Lachen kaum mehr raus. Peter Böttner
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