Von Helga Bittner Für ihn ist ein Theaterstück kein „Steinbruch“; lieber analysiert er, welche Absichten der Autor hat(te) und fragt sich dann: „Was interessiert mich daran?“ Ibsen mag er sehr, und so war es für den Regisseur Michael Blumenthal auch kein Thema, dass er den Auftrag, dessen Stück „Hedda Gabler“ am RLT zu inszenieren, annehmen möchte. In der Inszenierung von Michael Blumenthal - hier ein Probenfoto - spielt Maja Elsenhans die unglückliche Hedda Gabler und Hannes Schäfer den Richter Brack. Foto: A. Büttner
„Er ist der Richtige“, ist sich auch Chefdramaturg Johannes Blum sicher, denn er kennt den 47-Jährigen aus gemeinsamen Nürnberger Zeiten und weiß, dass Blumenthal „eine sehr eingehende und genaue Lesart psychologischer Stücke“ hat und sie entsprechend mit den Schauspielern erarbeitet. Was bei dem 1890 entstandenen Schauspiel des Norwegers auch nötig ist. Denn Hedda Gabler ist ein komplizierter Charakter.
Ganz bewusst hat sie sich für die bürgerliche Existenz und die Heirat mit dem eher langweiligen Historiker Tesman entschieden, aber als die Zeit nicht bringt, was sie sich für ihren Lebensplan verspricht, gar der soziale Abstieg droht, entwickelt sie eine ungeheure zerstörerische Kraft. „Man ahnt von Beginn an, dass es kein gutes Ende nehmen wird“, sagt Blum, der das Stück auch als „Geschichte der verpassten Gelegenheiten“ bezeichnet.
„Die Rolle der Hausfrau und Gattin interessiert sie nicht, aber sie findet auch keine andere Aufgabe für ihr Leben“, ergänzt Blumenthal, der in Hedda nicht nur das Opfer der sozialen Umstände in einer engherzigen Gesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts sieht, sondern auch eine Täterin: „Sie selbst strickt mit an dem eigenen Verhalten.“
Dabei erhebt der Regisseur, der für seine Inszenierung von Lessings „Minna von Barnhelm“ in Hof 2002 mit dem Bayrischen Theaterpreis ausgezeichnet wurde, nicht den Anspruch, den komplizierten Charakter der Hedda Gabler komplet erklären zu können: „Andere Figuren von Ibsen lassen sich rekonstruieren“, sagt er, „aber bei Hedda bleibt immer etwas irrationales.“ Gleichwohl möchte er für den Zuschauer das Bild eines Menschen entwerfen, der nur so und nicht anders handeln kann.
Die Frage, woher die traumatische Angst der jungen Frau vor einem gesellschaftlichen Abstieg kommt, werde von Ibsen zwar nicht thematisiert, aber sei eine Grundlage für die Annäherung an den Charakter gewesen. Dass das Stück eine Frauensituation beschreibt, die heute nicht mehr unbedingt typisch ist, hat Blumenthal dabei berücksichtigt. „Das Stück lässt nicht in die Jetztzeit holen“, findet er und siedelt es in seiner Inszenierung lieber ganz allgemein gehalten „in der Vergangenheit“ an.
Ein Mittelweg, den dann auch Bühnenbilder Thomas Mogendorf zu beschreiten hat, der dafür, wie er sagt. einen „zeitlosen Raum und reduzierte Kostüme aus vergangenen Tagen“ schuf. „Die Menschen auf der Bühne stehen unter der Lupe“, erklärt Mogendorf, und er habe versucht, „diese Atmosphäre des Stücks in einen Raum zu fassen“. Es spielen Maja Elsenhans (Hedda Gabler), Raik Singer (Jørgen Tesman), Hermann Große-Berg (Løvborg) Carmen Betker (Frau Elvsted) und Hannes Schäfer (Brack).
Info Oberstraße 17, Freitag, 23. September, 20 Uhr, Premiere. Weitere Vorstellungen: 24. und 28. September, Kartentelefon 02131/269933
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