Hombroich (frä) Morgens Einzelunterricht, nachmittags Üben, abends lockeres Spiel im Ensemble - so sah in der vergangenen Woche der Tagesablauf von Johannes Wik aus. Gemeinsam mit sechs Musikerinnen aus verschiedenen europäischen Ländern hat der junge Norweger auf der Raketenstation bei Hombroich einen Meisterkursus im Fach Harfe absolviert.
„Es hat wirklich sehr viel Spaß gemacht“, resümiert er. „Die Stadt Neuss und unsere Unterbringung haben mir sehr gefallen. Und natürlich der Unterricht - unsere Lehrerin war großartig.“
Zum ersten Mal hatte die renommierte australische Harfenistin Alice Giles, die schon mehrmals auf der Insel Hombroich zu Gast war, einen solchen Meisterkursus angeboten.
Die Erträge der zehntägigen Arbeit mit ihren Studenten präsentierte sie bei einem Konzert in der gut gefüllten Veranstaltungshalle der Raketenstation. Zunächst nahm Giles selbst an ihrem Instrument Platz, eröffnete die Matinee mit einem schwebenden Adagio und zwei ungestümen Allegro-Sätzen einer G-Dur Sonate Carl Philipp Emanuel Bachs.
Anschließend brachte Giles Nathan Wilsons 2004 für einen Kompositionswettbewerb in Sydney geschriebenes „The Banister for a Mockingbird’s Sky“ zur deutschen Erstaufführung - im wahrsten Sinne des Wortes mit viel Fingerspitzengefühl. Spanisches Temperament bewies sie hingegen später in einer virtuosen Konzertfantasie über Augustin Laras Klassiker „Granada“.
Auch die Soloauftritte der Studenten konnten sich hören lassen: Johannes Wik überzeugte mit einer sicheren und ausladenden Interpretation eines Impromptu Gabriel Faurés, in dem strahlend perlende Arpeggio-Akkorde mal unstet dahinjagen, mal zögernd verweilen.
Saara Rautino widmete sich den minimalistischen Klangtupfern der „Sequenza II“ von Luciano Berio, die sich assoziativ, frei und an der Grenze zum Geräusch bewegt. Marieke Burdinsky schließlich gefiel mit einem kurzen, chansonesken Walzer des französischen Komponisten Pierick Houdy.
Im zweiten Konzertteil musizierten die Studenten im Ensemble. Dass sie das noch nicht so lange tun, wurde unter anderem an der mangelnden Transparenz und Stütze von Bachs Choralbearbeitung „Jesu bleibet meine Freude“ deutlich.
Trotzdem gelangen den jungen Musikern auch im von Giles dirigierten Zusammenspiel einige eindrucksvolle Klangbilder, etwa das träumerisch wiegende „Song in the Night“ von Carlos Salezedo, Alfredo Rolando Ortiz’ heiter-synkopischer Walzer „Venezolana“ oder das temperamentvolle Finale von Ernesto Lecquonas „Malaguena“. In den minutenlangen Schlussapplaus fielen die jungen Musiker mit ein, um sich bei ihrer Meisterin zu bedanken.
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