Neuss Sie war drei, als sie mit ihren Eltern und den Geschwistern aus Anatolien nach Duisburg kam. Seither lebt sie in Deutschland, liebt die Besuche bei Verwandten in der Türkei, ebenso die Rückfahrkarte nach Berlin, wo sie als freie Journalistin arbeitet.
Aufgewachsen zwischen „orientalischer Sofalandschaft mit floralen Mustern und Goldrandgläsern“ ist Hatice Akyün bestens integriert, spricht akzentfrei deutsch und türkisch und hat über ihre Erfahrungen zwischen deutschen und türkischen Lebenswelten - „zwei Paralleluniversen“ - ein amüsantes Buch geschrieben.
Aus „Einmal Hans mit scharfer Soße“ las Hatice Akyün in der Stadtbibliothek, präsentiert von Dorothea Gravemann, Inhaberin des Bücherhauses Ratka, und Annette Landgräber von der Stadtbibliothek.
Dabei warf sie jenseits aller Diskussionen um Integration und Fundamentalismus einfach einen humorvollen Blick auf alltägliche Begebenheiten ihres Lebens, plauderte charmant von ihren Eltern und den fünf Geschwistern, las unterhaltsame Episoden über die sommerlichen Besuche in ihrem kleinen anatolischen Geburtsort, die üppige und von Diätprodukten rundum freie türkische Küche oder die Suche nach einem passenden Ehemann, der nach ihrem Wunsch eben ein „Hans mit scharfer Soße“ sein sollte, das heißt ein Mann mit „deutscher Zuverlässigkeit“ und „türkischem Temperament“.
Fröhlich jongliert Akyün mit deutschen und türkischen Vorurteilen aller Art, beschreibt unterhaltsam den eigenen, fast unmöglichen Versuch, „in zwei Welten gleich gut zurechtzukommen, die sich einfach nicht unter einen Hut bringen lassen“, und rät dazu, das Thema Integration entspannter anzugehen als allgemein üblich.
Denn wichtig, so Akyün, seien nicht die großen Statements in Fernsehdiskussionen, sondern der ganz normale Alltag, in dem vieles weit besser als gedacht funktioniere.
Info Hatice Akyün: Einmal Hans mit scharfer Soße, 320 Seiten, Goldmann, 18 Euro
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