Neuss Mit Jürgen Kursawa kam jetzt erstmals der Essener Domorganist zu einem anspruchsvollen Konzert in das Neusser Münster. Den Orgelsommer bereicherte er mit einer „Hommage à César Franck“. Dieser bedeutendste französische Komponist des 19. Jahrhunderts steht ganz am Anfang der bis heute faszinierenden französischen Orgelkultur. Zu seinen Meisterwerken zählt der „2. Choral h-Moll“, den Jürgen Kursawa an den Anfang seiner Würdigung gestellt hatte.
Den ruhigen Beginn mit dem Thema als ostinatem Bass verdichtete Jürgen Kursawa allmählich zum vielstimmigen Satz, kurze Fantasien wurden abwechslungsreich registriert und erst der wirkungsvolle Schluss erstrahlt im Plenum. Dieser geschmackvolle Aufbau konnte überzeugen, zu oft wird dieser Choral schon zu Beginn mit großem Werk überladen.
Intensiv beschäftigt
Der Organist, der im Jahr 2000 an die Kathedralkirche des Ruhrbistums berufen wurde, schätzt die leisen Töne. Auch der Beginn von Francks „Prélude, Fugue et Variation“ (op. 18) mit einem Andante cantabile war sehr angemessen verhalten registriert. In klaren Linien die Fuge, die allerdings durch das forsch gewählte Tempo im Nachhall der Münsterkirche verwischten. Die Variation nimmt wieder das eingängige Wiegenlied des Prélude auf und begleitet es immer wieder neu.
Dass Jürgen Kursawa sich mit dem umfangreichen Registerwerk der Münsterorgel intensiv beschäftigt hatte und die Stimmen zu ausgesprochen phantasievollen Klangbildern kombinierte, führte zu einer aufregenden Interpretation eines Teiles aus der Pfingstmesse von Olivier Messiaen.
„Communion - Die Vögel und die Quellen“ als meditative Improvisation hört man selten in so reizvoller und geistreicher Registerarchitektur. Das hätte auch Messiaen, der über 400 Vogelstimmen bestimmen konnte und viele in seinen Werken verarbeitete, begeistert.
Perfekte Sicherheit
Zu den großen Meistern in der Nachfolge César Francks gehört auch Maurice Duruflé, dessen „Suite op. 5“ im Münster endlich einmal vollständig zu hören war. Auch hier stellte Kursawa das Thema zunächst getragen und in dunklen Farben vor, schuf durch lange Haltepunkte zusätzliche Spannungsmomente und steigerte es allmählich zu wuchtiger Größe mit fundamentalem Bass.
Der Mittelsatz „Sicilienne“ mit seiner tanzartigen Melodie war vorwiegend lyrisch gehalten, die „Toccata“, wegen ihrer pianistischen Virtuosität oft als einziger Satz der Suite in Konzerten zu hören, gestaltete Jürgen Kursawa dann als rauschendes Finale.
Mit perfekter Sicherheit jagte er die Zweiunddreißigstel in chromatischen Kaskaden über das Manual des Hauptwerkes und begeisterte damit auch als Virtuose.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder, Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.