Beim Konzert der argentinischen „Vargas Blues Band“ platzte das Okie Dokie an der Hammer Landsstraße aus allen Nähten.
Die nächsten Konzerte:
Das nächste Konzert findet bei der 4. Neusser Lokalrunde am Samstag, 28. Oktober, statt - mit The Okie Dokie Basement Band (Eintritt frei, Beginn 20 Uhr). Einen Tag später, am Sonntag, 29. Oktober, präsentiert Vdelli aus Australien Rock, Blues und Funk (20 Uhr, Eintritt zehn, an der Abendkasse zwölf Euro).
Neuss Auf den ersten Blick scheint es eigentlich reichlich widersprüchlich: Temperamentvolle Frohnaturen aus Südamerika stimmen den Blues an. Der „Vargas Blues Band“ aus Argentinien, die eine Touretappe auf der Bühne des „Okie Dokie“ einlegte, hatte allerdings Carlos Santana höchstpersönlich seinen Segen gegeben: „Javier Vargas ist wie ein Regenbogen. Er enthält alle Farben, er empfindet dieselbe Leidenschaft wie ich“, sagte er einmal über den Gitarristen aus dem Land der Rinderherden und Gauchos.
Entsprechend neugierig strömten mehr als 100 Konzertbesucher ins „Okie“, das im Handumdrehen ausverkauft und zum Bersten gefüllt war. Überraschungsmomente in Sachen südamerikanischer Einflüsse, so viel vorab, gab es allerdings kaum zu bestaunen.
Ohne den etatmäßigen Bassisten Raúl Chevalier, dafür mit Keyboarderin Lucía de Campo, trat das Front-Duo nebst Schlagzeuger Gustavo Segura auf die Bühne. Ein wenig stoisch, den Blick unter der Wollmütze meist eher auf’s Griffbrett als gen Publikum gerichtet, schien der bullige Gitarrist mit der ebenso zierlichen wie uralten Fender im Arm schnell in eigenen Sphären zu schweben.
An die Stelle endloser Solo-Eskapaden setzte Javier Vargas jedoch furios röhrende Slide-Licks, bei denen sich durchaus auch mal der eine oder andere zusätzliche Finger der rechten Hand als Hilfsmittelchen auf das Griffbrett verirren durfte.
Klar artikulierte, einprägsame Melodie-Linien, die sich spätestens nach der ersten Wiederholung ins Ohr fraßen, um dort zu verweilen, verrieten dazu einiges über seine Nähe zum Altmeister der singenden Gitarre, mit dem Vargas auch seinen sahnigen Solo-Ton gemeinsam hat. Dezente Klangteppiche und simulierte Orgel- und Basstöne aus dem Keyboard kompensierten den fehlenden Viersaiter übrigens spielend.
Den Platz im Rampenlicht überließ Vargas lieber seinem extrovertierteren Bandkollegen am Mikrofon, Jorge Fontecha. Tatsächlich machte der Frontmann mit den schwarzen Korkenzieherlocken seinem Berufsstand alle Ehre: Wo sich andere Blues-Sänger krampfhaft an die blasse Rhythmusgitarre klammern, ging Fontecha leidenschaftlich in seinem Metier auf und überließ die Saitenzieherei jemandem, der es auch wirklich kann.
Sicher: Das unsterbliche Organ der Led Zeppelin-Ikone Robert Plant dürfte an dem oft mit geschlossenen Augen singenden Fronter mit seiner vollen Bauchstimme und seinem rauchigem Timbre kaum vorbeigegangen sein - ebenso wenig wie die Vorliebe für ein spezielles „Feuerwasser“.
Aber aller Inbrunst und der stellenweise sehr leidenschaftlichen Show zum Trotz: Eine Prise mehr „Latin“, einmal abgesehen vom „La Cucaracha“-Motiv und einem einzigen Spanisch-sprachigen Stück, hätte der Gruppe sicher gut getan. Dann wären die hüftsteifen Deutschen vielleicht auch weiter aus sich herausgegangen.
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