Neuss Die Musicalwochen feiern ihr zehnjähriges Bestehen. Zehn Jahre, in denen sich das Neusser Gemeinschaftsprojekt von Musikschule und Alte Post „ein Renommee erarbeitet hat, dass weit über die Stadtgrenzen hinausreicht“, wie Reinhard Knoll, Leiter der Musikschule nicht ohne Stolz festhält.
Termine:
„Polliccino“ - 2., 3., 9. September um 19.30 Uhr, 10. September um 15 Uhr im Globe-Theater Neuss. Happy End - 23., 27., 29., 30. September, 2. und 7. Oktober (19.30) ebenfalls im Globe-Theater Neuss.
Bis nach Italien ist der gute Ruf des künstlerischen Engagements für Kinder und Jugendliche gedrungen. Am 16. September wird die Kinderoper „Polliccino“ bei dem mit hochdekorierten Künstlern gespickten Festival in Montepulciano aufgeführt.
„Wir sind das einzige Amateurprojekt. Dies ist eine große Ehre für uns uns“, so Regisseur Hans Ennen. Er hat das Werk des in Montepulciano lebenden und wirkenden Komponisten Hans Werner Henze überarbeitet und gemeinsam mit Knoll die Fassung für ein 55-köpfiges Ensemble zwischen elf und 17 Jahren arrangiert. „Das Stück ist immerhin 26 Jahre alt. Es ist immer die Aufgabe eines Regisseurs eine gewisse Transferleistung zu garantieren“, erklärt Ennen.
Und so wurde dem Märchen, dass seine Motive bei Grimm, Collodi und Perrault gewinnt, eine neue, sozialkritische Komponente beigefügt. Aus armen Eltern, die ihre Kinder im Wald aussetzen und Menschenfressern, die im selbigen hausen und ihren Nachwuchs hüten, wurden antipodische Erziehungsmodelle herausgearbeitet. Hier die egoistische Vernachlässigung, dort die übertriebene Zuwendung.
„Dies ist natürlich der Ansatz eines Erwachsenden. Der grundsätzliche Charakter bleibt erhalten“, verspricht Ennen. Schließlich ist bereits die musikalische Umsetzung alles andere als einfach. „Henze macht atmosphärische Musik. Die kann auch schon einmal ein wenig schräg sein. Für Kinderohren ist es sehr schwer, Synkopen zu spielen“, weiß Reinhard Knoll der seinen Schützlingen eigens CDs mitgegeben hat, auf der jedes Ensemblemitglied seinen speziellen Part wiederfindet.
Einen krassen Gegensatz zur Kinderoper bietet „Happy End“, das zweite Stück auf die sich das Neusser Publikum während der Musicalwochen freuen kann. Ein Werk in der Tradition der Brecht’schen „Dreigroschenoper“.
„Die Verfremdungseffekte in der Musik sind atemberaubend“, so der musikalische Leiter Ralf Beckers. Erzählt wird eine Gangstergeschichte im Chicago der 20er Jahre, nicht wirklich eine Komödie, dafür gibt’s zu viele Tote. Finanziert werden beide Stücke aus dem Topf der Sparkassen-Stiftung. 36.500 Euro stehen den Organisatoren zur Verfügung. „Ohne die se kontinuierliche Förderung hätten wir uns nie so entwickeln können“, bedankt sich Reinhard Knoll.
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