Neuss Nicht nur Mozart und Freud hätten in diesem Jahr einen runden Geburtstag gefeiert - auch Samuel Beckett. 100 Jahre alt wäre der Autor des inzwischen beinah sprichwörtlich gewordenen Stücks „Warten auf Godot“ 2006 geworden. Anlass genug für das Rheinische Landestheater, ihm vergangenen Freitag eine „hörBar extra“ zu widmen. Im Fokus des Abends: Das Hörspiel „words and music“, dessen Text Beckett 1961 für die BBC verfasst hat.
Worte („Joe“) und Musik („Bob“) erscheinen in diesem Stück als Diener des alten Herrn „croak“. In einem auditiven Wettstreit treten sie gegeneinander an, provozieren und verneinen einander, fordern sich heraus und heben sich auf. „Vertragt euch!“ mahnt „croak“ die beiden Streithähne wiederholt, doch nur selten kommen sie in Einklang.
Während Hannes Schäfer einen polternden „croak“ gab, der seine dienstbaren Geister resolut zur Ordnung rief, übernahm Kaspar Küppers gestaltungsfreudig den Part der „Worte“. Wie ein sprechendes Lexikon leierte er zunächst träge Sentenzen über Begriffe wie „Trägheit“ und „Liebe“ herunter, die minimalistische, von Mitgliedern der Deutschen Kammerakademie interpretierte Musik Morton Feldmans harsch zum Schweigen verurteilend.
Nur auf die Ermahnungen „croaks“ hin flossen Worte und Musik kurzzeitig fugenlos ineinander: Kaspar Küppers führte einige der musikalischen Sequenzen, die ihm die von Andres Mehne angeleiteten Instrumentalisten darreichten, gesanglich fort - für einige poetische Momente verloren sich Worte im Schweigen, generierte sich Musik aus der Stille. Jedoch nur, um im nächsten Augenblick wieder in einen erbitterten Disput auszubrechen, aus dem schließlich die Musik siegreich hervorgeht.
Nein, leichte Kost war dieses Hörspiel sicher nicht. Vor allem nicht nach dem bereits mehr als einstündigen ersten Teil des Abends, in dem sich Auszüge aus Becketts „Erste Liebe“ und Kevin Volans Streichquartett „White man sleeps“ begegnet waren.
Freilich war das ansprechend von Hannes Schäfer vorgetragene Frühwerk Becketts ein passender Aperitif. Und freilich war es hörenswert, wie Olga Lukovnikova und Salm Sadek (Violine), Petra Wolf (Viola) und Mathis Mayr (Cello) die Lesung mit dem rhythmischen Musikwerk auflockerten, in dem Volans Elemente der schwarzafrikanischen Musik mit westlicher Musik zu einem neuen Ganzen verknüpft hat.
Trotzdem war’s vor dem Hauptwerk des Abends vielleicht etwas zu viel des Guten. Abgesehen davon kann man die erste Kooperation zwischen Landestheater und Kammerakademie, der nach den Worten von RLT-Dramaturg Johannes Blum noch „viele Projekte jenseits der ausgelatschten Trampelfade“ folgen sollen, als gelungen bezeichnen.
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