Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Neuss Wer die Geschichte und die Mandanten der renommierten Neusser Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Dr. Glade, König und Partner auch nur in Ansätzen kennt, mag kaum glauben, was Gründer Dr. Anton Glade am Freitag bei einer Jubiläumsfeier zum 50-jährigen Bestehen der Kanzlei auf Schloss Dyck aus seinem Abiturzeugnis zitierte: „Berufswunsch: Glade will Forstmeister werden.“
Nur der Tatsache, dass die Forstberufe nach Glades Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft im Westen überlaufen waren, haben es seine Mandanten zu verdanken, dass sich der junge Mann, Jahrgang 1925, damals anderen Interessensgebieten zuwandte - und das höchst erfolgreich. Nach nur fünf Semestern hatte er das Staatsexamen als Diplomkaufmann, nebenberuflich wurde promoviert.
Damals kam er mehr zufällig nach Neuss, lernte bei Wirtschaftsprüfer Dr. Boppel und erarbeitete sich mit sehr beachteten Aufsätzen und Gutachten schnell den Ruf des Spezialisten unter anderem für „Verdeckte Gewinnausschüttungen“ und verschiedene steuerliche Bilanzierungsfragen.
Die Ausbildung war offenbar sehr gründlich: Ohne weitere Seminare oder Kurse legte Dr. Anton Glade die Prüfungen zum Steuerberater und Wirtschaftsprüfer ab - der entscheidende Schritt vor der Eröffnung der eigenen Praxis am 1. Juli 1958 an der Kaiser-Friedrich-Straße 10 in Neuss. Aus dem „Sprung ins kalte Wasser“ wurde schnell ein stabiles Unternehmen: „Der Unterhalt der jungen Familie war bald gesichert, weil ich durch Vermittlung des damaligen Oberbürgermeisters Alfons Frings Rendant der Kirchengemeinde St. Quirin wurde und als freiberuflicher Mitarbeiter an größeren Gerichtsgutachten mitarbeiten konnte.“
Seither entwickelte sich die Kanzlei kontinuierlich. Neben der Betreuung zahlreicher Neusser Unternehmen, Freiberufler und Privatpersonen verlagerte sich das Schwergewicht der Praxis auf die Prüfung und Beratung größerer mittelständischer Firmen.
Langeweile und Routine blieben Fremdworte. Sonderberatungen führten nach Süd- und Mittelamerika, in die USA und viele Länder Europas. Die Zahl der Mandanten stieg und mit ihr natürlich auch die der Mitarbeiter. Größere Räume mussten her, Umzüge waren die Folge. Zunächst ging es an die Sebastianusstraße, dann an den Hamtorwall 52.
Glade gestaltete als Vorsitzender des Steuerfachausschusses beim Institut der Wirtschaftsprüfer unter anderem ein neues Umwandlungsrecht und eine neue Abgabenordnung mit, für Fachverlage schrieb er Kommentare zu steuerlichen und bilanziellen Problemen. Entlastung wurde gesucht und gefunden: 1981 gründete Dr. Anton Glade eine Praxisgemeinschaft mit dem Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Helmut König. Glades ältester Sohn, Dr. Hans-Joachim Glade, ebenfalls Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, trat 1990 in die Kanzlei ein.
Mit seiner Tochter, Anna Maria Ohligschläger, folgte 1992 eine weitere Steuerberaterin. „In den eigenen Laden gehören auch eigene Leute, das ist ein alter Familiengrundsatz“, sagte Glade. 1993 erhält die erweiterte Sozietät eine neue Rechtsform: Es entsteht die Dr. Glade, König und Partner GmbH, die in den folgenden Jahren mehrere Kanzleien von Wirtschaftsprüfern übernimmt und fortführt: Jürgen Strehle in Köln, zeitweise auch eine Zweigniederlassung, sowie Wolf Lückerath und Wilhelm Berger in Neuss.
Nachdem dramatische Entwicklungen bei Großunternehmen zu verschärften Prüfungsanforderungen und gesetzlichen Neuregelungen zur Qualitätssicherung führten, ließ sich die Praxis nicht nur selbst als Prüfer für Qualitätskontrolle registrieren, sondern unterwarf sich 2002 auch erfolgreich der entsprechenden Kontrolle durch zugelassene Kollegen. Mit der entsprechenden Bescheinigung ist ihr die Prüfung börsennotierter Aktiengesellschaften erlaubt. Weitere Verstärkung bekommt die inzwischen rund 25 Mitarbeiter zählende Kanzlei 2006 mit dem Eintritt des Wirtschaftsprüfers und Steuerberaters Dr. Carsten Bentlage.
Das Mandantenspektrum ist weit gefächert: eine börsennotierte AG, produzierendes Gewerbe, insbesondere industrielle Produktion, Automobilzulieferer- und Bauindustrie, Metallverarbeitung, aber auch Einzel- und Großhandel, Dienstleistungsbetriebe, insbesondere freie Berufe und Medien, Kommunale Tochtergesellschaften, (Berufs-)Verbände, Vereine und Stiftungen sowie Seniorenheime oder Verbände des Roten Kreuzes gehören dazu.
Viele dieser Mandanten feierten gestern mit, als die Kanzlei erst im Festsaal des Hochschlosses und anschließend auf der Terrasse vor der Orangerie zum Jubiläumsempfang lud, bei der der Neusser CDU-Bundestagsabgeordnete Hermann Gröhe in einem Festvortrag über „Wirtschaft und Ethik“ sprach. Dank und gute Wünsche für Glück und Erfolg, mit denen Dr. Anton Glade seine Gäste bedachte, gaben diese nur zu gern zurück: Ad multos annos!
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