Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Rhein-Kreis Neuss Vor 20 Jahren gegründet, miteinander gekämpft, gelitten, gehofft, gebangt - und dann doch gewonnen: So sieht die Bürgerinitiative „Airpeace“ ihr Engagement für mehr Ruhe am Himmel, so blickte sie am Mittwochabend im Forum der Realschule Kleinenbroich zurück.
Der Anlass, der über 100 Mitstreiter aus dem eigenen Verein, aus Politik und Verwaltung, aber auch aus Nachbarkommunen wie Neuss und Willich mehr als einen Applaus und ein fröhliches Anstoßen wert war:
Nach mehreren Anläufen ist die Flughafengesellschaft Mönchengladbach mit ihrem Anliegen, den Verkehrslandeplatz an der Grenze zu Korschenbroich mit einer längeren Landebahn zu einem Flughafen aus für große Linien- und Touristikflieger auszubauen gescheitert.
Aus Sicht der Bürgerinitiativen mit weit über 2000 Mitgliedern und vielen Sympathisanten in der Region ist das Thema „durch“. Am 8. April hatte die Bezirksregierung Düsseldorf verkündet, dass die beiden Antragsverfahren der Flughafengesellschaft auf Planfeststellung für eine 1800- oder eine 2400-Meter-Start- und Landebahn als Ersatz für die alte 1200-Meter-Piste beendet seien (die NGZ berichtete).
Letztlich, so Airpeace-Vorsitzender Martin Rothe, bei der verspäteten „Siegesfeier“ im Realschulforum, sei es Mönchengladbach nicht gelungen, einen wirklichen Bedarf für einen Ausbau des Flughafens nachzuweisen.
Selbst der Airport Düsseldorf International als Hauptanteilseigner war zuletzt zurückgerudert. Für Airpeace war das ein Riesen-Erfolg und auch der Lohn für ein zeit- und arbeitsintensives Engagement, dessen Höhepunkt sicher der Erörterungstermin zur Planfeststellung Mai und Juni 2005 war.
30 000 Einwendungen gingen damals bei der Bezirksregierung ein und im direkten Aufeinandertreffen der Kontrahenten im dafür eigens hergerichteten Borussia-Stadion ließen die Bürgerinitiativen die Flughafengesellschaft alt aussehen.
Dabei - und das hoben am Mittwochabend sowohl Wolfgang Houben, Airpeace, als auch der Korschenbroicher CDU-Partei- und Fraktionschef Ansgar Heveling hervor, stets in einer betont sachlichen und fairen Weise, die letztlich auch zum Erfolg des „Unternehmens Airpeace“ beigetragen habe.
„Auf der Einladung zu Ihrer Feier zitieren Sie Marie von Ebner-Eschenbach: ,Siege, aber triumphiere nicht.’ Das hat mich sehr beeindruckt und das trifft den Kern Ihrer Arbeit“, sagte Heveling.
Die Mitstreiter von Airpeace, so Landtagsvizepräsident Oliver Keymis, Bündnis 90/Die Grünen, der in Kleinenbroich ebenfalls ein Grußwort sprach, hätten im Kampf gegen den Ausbau des „Kleinstflughafens“ etwas einmaliges erreicht.
„Angesichts der steigenden Kerosinpreise und der damit verbundenen Probleme für viele Fluggesellschaften, haben Sie vielleicht auch manchem Luftverkehrsanbieter die Pleite erspart“, so Keymis mit Verweis auf die Airline Easyjet, die angekündigt habe, in Dortmund ab Herbst die Hälfte ihrer Flugverbindungen zu streichen.
Um so unverständlicher sei ein aktuelles Projekt auch Niedersachsen. Dort plane das Land mit 150 Millionen Euro den kleinen Flugplatz Kassel-Calden auszubauen, ob wohl auf NRW-Seite der Airport Paderborn/Lippstadt in der Nähe liege:
„Das verstehe, wer will. So schaufelt sich die Luftfahrt ihr eigenes Grab“, so Keymis. Vor luftverkehrspolitischem Unsinn sei offenbar noch immer niemand sicher.
Für Airpeace bedeutet das: Auch wenn am Mittwochabend in Kleinenbroich gefeiert wurde und Martin Rothe seine Vorstandsmitglieder und andere Mitstreiter - etwa Herbert Gorecki, Neuss-Grefrather Bürger gegen Fluglärm - mit Urkunden für ihren Einsatz ehrte, gibt es für den Verein keinen Grund, seine Arbeit komplett einzustellen.
Zwar wäre für einen weiteren Anlauf zum Ausbau des Flugplatzes Mönchengladbach ein mit viel Aufwand verbundenes, neues Antragsverfahren nötig, dem vor allem eine stichhaltige Begründung für den Bedarf von mehr Flugkapazität in „MGL“ zugrunde liegen müsste, komplett auszuschließen ist ein solches Szenario jedoch nicht.
CDU-Chef Ansgar Heveling unterstützte deshalb Rothes Appell, entsprechenden Begehren aus Mönchengladbach wie in der Vergangenheit mit großer Geschlossenheit und in parteiübergreifendem Konsens entgegenzutreten.
Für den Airpeace-Vorsitzenden steht fest: „Wir von Airpeace haben beschlossen, alle Vereine weiterzuführen und sehr wachsam die Lage weiter zu beobachten.“
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