Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Rhein-Kreis Neuss Martin Nickel sieht aus, als könne ihn so leicht nichts erschüttern. Er muss Ruhe bewahren, denn dort, wo er arbeitet, steht alles unter Spannung. Der Elektromeister ist immer dann zur Stelle, wenn irgendwo eine Störung im unterirdisch verlaufenden Stromkabelnetz auftritt; bei Bauarbeiten kommt das beispielsweise immer wieder vor.
Seit mehr als zehn Jahren macht Martin Nickel diesen Job schon. Im Ernstfall rückt der Mitarbeiter der RWE Rhein-Ruhr Netzservice GmbH mit seinem Kabelmesswagen aus, um das Problem zu orten, bevor es möglichst schnell behoben wird.
Wie solch ein Einsatz aussieht, demonstriert Nickel auf dem Trainingsgelände hinter dem Umspannwerk an der Memeler Straße im Neusser Hafen. „Wir können punktgenau feststellen, wo die Störung auftritt“, sagt er, drückt in Windeseile auf Knöpfe, dreht hier, öffnet dort eine Schublade und schaut auf einen kleinen Bildschirm, auf dem eine Art Fieberkurve erscheint.
Impulse erzeugen Überschlag
Aus technischen Gründen ist zuvor das betroffene Kabelnetz vom Stromnetz getrennt worden. Um den Fehler zu finden, wurde der Messwagen am örtlichen Verteilerkasten - CE-Station genannt - anschlossen.
RWE Rhein-Ruhr
Die RWE Rhein-Ruhr AG mit Sitz in Essen unterhält acht Regionalzentren: in Wesel, Essen, Neuss, Düren, Siegen, Saffig, Trier und Idar-Oberstein. Das Logistikzentrum befindet sich in Pulheim-Brauweiler. Die RWE Rhein-Ruhr Verteilnetz GmbH als Tochterunternehmen ist in Wesel ansässig und betreut ein Stromnetz von mehr als 90 000 Kilometern Länge und ein Gasnetz von über 6400 Kilometern Länge. Sie plant den Bau und die Instandhaltung der Netze, stellt Wirtschaftlichkeit und Versorgungsqualität sicher und betreut Lieferanten sowie Netzkunden.
Von diesen Verteilerkästen unterhält RWE Rhein-Ruhr im Einzugsbereich des Regionalzentrums Neuss rund 4300. Das Leitungsnetz beläuft sich auf 11 000 Kilometer, wovon mehr als 9400 Kilometer als Kabel verlegt sind. 170 000 Haushalte werden auf diese Weise mit Strom versorgt.
Gerade hat Martin Nickel eine Widerstandsmessung vorgenommen. „So stellen wir noch einmal sicher, dass keine Verbraucher mehr am Netz sind.“ Außerdem lässt die Messung Rückschlüsse auf den Zustand des Kabels zu, was bei weiteren Verfahrensschritten berücksichtigt werden muss. Die Aggregate im Messwagen können elektrische Impulse erzeugen, die an der Fehlerstelle reflektiert werden. Bei einer anderen Methode wird ein gezielter Kurzschluss erzeugt, um Rückschlüsse auf die Störung zu erhalten.
Eine weitere Kurve erscheint auf dem Bildschirm, nachdem Nickel einen Stoß von 3000 Volt durch das Kabel geschickt hat. Dort, wo beide Linien voneinander abweichen, sei die Fehlerquelle, weist der Experte hin.
Der Hochspannungsimpuls bewirkt an der Fehlerstelle einen knallenden Überschlag - der freilich noch nicht zu hören ist. Dafür macht sich Nickel auf den Weg über das Übungsgelände. Mit einem Kopfhörer ausgestattet, lässt er das Bodenschallmikrofon über die Erde gleiten.
Das zunächst nur leichte Pochen, das im Abstand von einigen Sekunden wahrnehmbar ist, wird immer stärker - und führt den Mitarbeiter der Entstörungsstelle zu einer abgedeckten Grube, in der der Kabeldefekt (die Unterbrechung des Stromflusses) simuliert wird.
Würde es sich um eine „richtige“ Störung handeln, bei der das Kabel ausgegraben werden müsste, würden nun Tiefbauer und Kabelmonteure ausrücken, um den Schaden zu beheben. Bei solch einer Entstörung müssten die Anwohner zwar einige Zeit auf die Benutzung elektrischer Geräte verzichten, so Nickel, aber schwerwiegende Probleme tauchten in der Regel nicht auf.
Auch zur Prüfung im Einsatz
Im vergangenen Jahr mussten 218 Kabelfehlerortungen vorgenommen werden. „Wir sind fünf Leute in Bereitschaft rund um die Uhr“, sagt Martin Nickel. Der zwischen 250 000 und 300 000 Euro teure Messwagen, von dem im Bereich RWE Rhein-Ruhrnoch ein zweiter im Einsatz ist, ist allerdings nicht nur dann zur Stelle, wenn es etwas zu reparieren gilt. Auch die Kabelüberprüfung nach der Neuverlegung gehört zu den Aufgaben.
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