Rhein-Kreis Neuss (NGZO). Er war Bundesverkehrsminister, saß im Bundesvorstand der SPD und entschied sich schon Anfang 2008, nicht mehr für den Bundestag zu kandidieren: Kurt Bodewig will künftig auf internationaler Ebene mitmischen.
Rhein-Kreis Neuss Während viele Genossen in Berlin nach dem Wahldebakel der SPD nun notgedrungen ihre Koffer packen müssen, klingt Kurt Bodewig alles andere als wehmütig. Er spricht mit hörbarer Vorfreude von einer "neuen Phase". Schon Anfang 2008 hatte er seinen Verzicht auf eine weitere Bundestagskandidatur öffentlich gemacht. "Mit Beginn des neuen Jahres werde ich Vorstand des Institute for European Affairs", blickt der 54-Jährige voraus. Sein Tätigkeitsschwerpunkt werde dabei vor allem Nordosteuropa umfassen. Die Organisation hat ihren Hauptsitz in Düsseldorf.
Seit 1998 saß der Grevenbroicher für die SPD im Deutschen Bundestag, machte dort schnell Karriere – nun sagt er dem Parlamentsbetrieb adieu. Mit seinem künftigen Engagement auf europäischer Ebene folgt Bodewig einem schon in den zurückliegenden Jahren eingeschlagenen Weg: Er war stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Angelegenheiten der Europäischen Union, Maritimer Botschafter der EU-Kommission und brachte sich im Baltic Sea Forum ein, einer Interessengemeinschaft für den Ostseeraum. "Dieses Ehrenamt behalte ich."
European Affairs
Das Institute for European Affairs, für das Kurt Bodewig künftig tätig sein wird, ist eine seit 1995 bestehende Organisation, die auf verschiedene, weitgehend auch nicht öffentliche Weise zu europäischen Themen agiert. Ausgerichtet werden Konferenzen, Botschafterforen und Gesprächskreise.
Bodewig, der in Neurath aufgewachsen ist, wohnt mit seiner Familie im Norden von Hamburg: "Mein definitiver Lebensmittelpunkt", betont Bodewig, der in der Vergangenheit zwischen Grevenbroich, Berlin und Hamburg hin- und her gependelt war. Seine Frau, mit der er seit zwölf Jahren verheiratet ist, stammt aus Hamburg, die beiden Söhne sind elf und neun Jahre alt. Im Bundestag hatte Bodewig zunächst als Parlamentarischer Staatssekretär, später dann von 2000 bis 2002 als Bundesminister für Verkehr, Bau und Wohnungswesen Verantwortung übernommen. Mit seiner Amtszeit verbindet sich die Lkw-Maut, die damals Gesetzeskraft erhielt. Er habe "viel erreichen können", blickt Bodewig zufrieden zurück. Projekte, die im Rhein-Kreis Neuss Niederschlag gefunden hätten, seien beispielsweise der Ausbau der A 57, die Ortsumgehung Rommerskirchen B 59n, aber auch unter dem Stichwort "Soziale Stadt" getätigte Maßnahmen in Hackenbroich. Neben seinem Mandat nahm Bodewig weitere Aufgaben wahr, unter anderem im Aufsichtsrat der Duisburger Häfen, aus dem er Ende 2007 wieder ausschied, was er damit begründet, dass die Zuständigkeit auf Bundesebene vom Verkehrs- ins Finanzressort verschoben wurde.
Als Mitglied seiner Partei brachte es Kurt Bodewig bis in den Bundesvorstand; auf dem Parteitag in Karlsruhe Ende 2005 scheiterte er allerdings damit, die nötige Mehrheit für eine weitere Amtszeit erneut zu erzielen. Bodewig, der als Minister bei der Bundestagswahl 2002 im Wahlkreis Neuss I das Direktmandat hatte erringen können, musste sich bei der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 seinem Konkurrenten Hermann Gröhe (CDU) geschlagen geben, der auch bei der jüngsten Abstimmung kräftigen Rückenwind erhielt. Seinem hierbei unterlegenen Parteikollegen Hubert Eßer bescheinigt Bodewig, einen "sehr engagierten Wahlkampf" geführt zu haben. Letztlich habe "der allgemeine Trend" aber in eine andere Richtung gewiesen. Froh zeigt er sich darüber, dass es Bernd Scheelen, der im Wahlkreis Krefeld I/Neuss II kandidiert hatte, doch noch gelungen sei, über die Liste in den Bundestag einzuziehen; damit gehe der Rhein-Kreis Neuss für die SPD nicht ganz verloren. An dem desaströsen Abschneiden seiner Partei bei der Bundestagswahl will Bodewig nichts beschönigen. "Die SPD hat an alle Richtungen abgeben müssen", analysiert er. Mit dem Duo Steinmeier und Gabriel lasse sich aber ein Neubeginn wagen.
Der endgültigen Verlagerung seines Lebensmittelpunktes nach Hamburg lässt Bodewig, der Präsident der Deutschen Verkehrswacht ist, auch parteipolitisch Konsequenzen folgen. "Ich werde keine graue Eminenz sein", meint er mit Blick auf eine mögliche künftige Rolle innerhalb der SPD im Rhein-Kreis Neuss, deren Geschicke er in der Vergangenheit auch als Kreisvorsitzender mitbestimmt hatte.
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