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Rhein-Kreis Neuss: Benzin-Banditen sind unterwegs

VON MARC PESCH - zuletzt aktualisiert: 17.07.2008 - 21:40

Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Rhein-Kreis Neuss „Allah ist groß, Allah ist mächtig, bald kostet der Sprit zwei Mark sechzig“ - dieser Autoaufkleber aus den achtziger Jahren kann uns heute längst nicht mehr zum Lachen bringen. Die Preise für „Sprit“ liegen heutzutage deutlich über der besagten Marke, die Zeit der Heiterkeit beim Autofahren ist vorbei. Dafür scheinen die aktuellen Preise an den Tankstellen erhebliche kriminelle Energien freizusetzen: Noch nie wurde an den Tankstellen im Rhein Kreis Neuss und auch auf Baustellen so viel Kraftstoff gestohlen wie heute.

Zapfen ohne zu zahlen: Aufgrund der hohen Spritpreise sind derzeit im Rhein-Kreis Benzin- Diebe am Werk.  Foto: NGZ
Zapfen ohne zu zahlen: Aufgrund der hohen Spritpreise sind derzeit im Rhein-Kreis Benzin- Diebe am Werk. Foto: NGZ

„Wir haben in allen Bereichen Steigerungen“, bestätigt Polizeisprecher Hans-Willi Arnold. So hat im ersten Halbjahr 2008 der Tankbetrug an Tankstellen im gesamten Kreisgebiet um 15 Prozent zugenommen. Weitaus drastischer ist die Zunahme noch beim Benzinklau auf Baustellen: „Hier haben wir eine Steigerung um 82 Prozent.“ Während beim klassischen Tankbetrug Autofahrer ihren Wagen voll tanken und anschließend verschwinden, ohne zu bezahlen, nimmt der Benzinklau auf Baustellen schon gewerbsmäßige Züge an.

„Hier verschwinden manchmal in einer Nacht mehr als 1000 Liter“, sagt Arnold. So geschehen unter anderem im März in Rommerskirchen-Vanikum und zuletzt auch auf einem Gelände in Neuss-Uedesheim. Mehrere Raupen, Traktoren und Lastwagen standen dort plötzlich am nächsten Morgen ohne Sprit da. „Dabei gehen die Diebe in der Regel durchaus professionell vor. Sie haben beispielsweise Geräte dabei, um den Diesel problemlos abpumpen zu können“, so Arnold. Es gäbe aber auch noch Täter, die nach „Altväter Sitte“ den Kraftstoff ansaugen und dann umfüllen würden.

An Tankstellen sei die Palette der Betrüger breit gefächert: „Vom armen Mann bis zum gut situierten Autofahrer ist alles dabei.“ Dabei würden die Täter immer einfallsreicher, sagt ein Tankstellenpächter, der namentlich nicht genannt werden will. „Meine Mineralölgesellschaft sieht derartige Interviews nicht so gerne. Klar ist aber: Tankbetrüger kennen heute viele Tricks, um unsere Überwachungskameras zu überlisten.“

So würden sie mit gestohlenen Kennzeichen vorfahren und „Maskierungen“ tragen. „Das können jetzt im Sommer Kappen und große Sonnenbrillen sein. Teilweise haben sie beim Auffahren auf das Tankstellengelände auch die Nebenlampen eingeschaltet, um die Kameras zu blenden.“ Manchmal seien die Tankbetrüger auch im Pulk unterwegs. „Das bedeutet, sie kommen mit mehreren Fahrzeugen und stehen an der Zapfsäule so dicht hintereinander, dass wir die Kennzeichen nicht ablesen können.“

Erst abends beim Kassensturz merkt das Tankstellenpersonal, wenn es zu Betrugsfällen gekommen ist. „Dann müssen wir die Videobänder auswerten, um der Polizei Hinweise geben zu können. Das dauert oft Stunden“, stöhnt der Tankstellenpächter, „und was kommt anschließend dabei raus? Nichts.“ Seine Wut richtet sich aber nicht gegen die Polizei - zwischen 30 und 50 Prozent der Fälle in der Region können geklärt werden. „Es geht um das weitere Verfahren bei Staatsanwaltschaft und Gericht. Die stellen solche Fälle nämlich gerne wegen Geringfügigkeit ein - und der Täter geht straffrei aus.“

Mehrfach bereits hatte der Tankstellenpächter auch selbst nach einem Betrugsfall die Täter verfolgt. Mittlerweile lässt er es sein. „Zu gefährlich“, meint er, „man weiß nicht, wie die immer skrupelloseren Täter reagieren.“ Auch seine Angestellten dürfen nicht die Verfolgung aufnehmen. „Das haben wir klar geregelt.“ Wütend wird er vor allem dann, wenn die Dreistigkeit der Täter keine Grenzen kennt. „Die winken und grinsen teilweise in die Überwachungskameras. Weil sie genau wissen, dass wir sie nicht kriegen.“

Für die Polizei indes ist klar, dass die hohen Spritpreise wohl der Grund für den Anstieg des Benzinklaus und Tankbetrugs sind. „Sicherlich sind die Preissteigerungen eine Ursache. Jeder weiß: Wenn ich einmal voll tanke, sind schnell 80 Euro weg“, so Polizeisprecher Hans-Willi Arnold. Er rechnet damit, dass in diesem Jahr noch etliche weitere Fälle die Ermittler beschäftigen - laut Statistik ereignet sich fast jeden Tag irgendwo im Kreisgebiet ein neuer Fall von Tankbetrug oder Benzinklau.

Quelle: NGZ


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