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Rhein-Kreis Neuss: Betrug in Millionenhöhe

VON MARC PESCH - zuletzt aktualisiert: 07.05.2010 - 19:15

Rhein-Kreis Neuss (NGZO). Zwischen Sommer 2007 und September 2008 soll der ehemalige Meerbuscher FDP-Politiker Constantin K. wertlose Aktien verkauft und so 160 Anleger geschädigt haben. Heute war in Düsseldorf erster Verhandlungstag.

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Ämter

Bis 2007 war Constantin K. für die FDP im Rat der Stadt Meerbusch und gleichzeitig auch im Kreistag. Für die freien Demokraten fungierte er parallel auch als stellvertretender Kreisvorsitzender. Nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe gegen ihn ließ er seine Ämter in der Partei ruhen. Der TuS Bösinghoven enthob ihn im Januar 2009 seines Amtes als Fördervereins-Geschäftsführer.

Als er noch auf freiem Fuß war, liebte er offenbar das Besondere – und auch vor Gericht hatte er nun seinen Auftritt: Als der ehemalige Meerbuscher FDP-Politiker Constantin K. heute als Letzter der insgesamt acht Angeklagten in den größten Verhandlungssaal des Düsseldorfer Landgerichts kam, waren die Kameras der Fotografen und Fernsehteams auf ihn gerichtet. Anleger aus ganz Deutschland soll das frühere Kreistags-Mitglied betrogen haben, der Gesamtschaden beläuft sich auf rund 2,3 Millionen Euro. Alleine die Verlesung der Anklageschrift dauerte heute im Gericht mehrere Stunden.

Anders als früher in seiner Zeit als Rechtsanwalt, Fußball-Funktionär und Auto-Fan kam der 37-Jährige nicht im Anzug in den Verhandlungssaal, sondern leger in Freizeithemd und Kapuzenpulli. Flankiert von seinem Anwalt Albert Kletti hörte sich der Meerbuscher an, was die Staatsanwaltschaft ihm vorwirft. K. soll zwischen Sommer 2007 und September 2008 wertlose Aktien von zwei Schweizer Firmen verkauft und damit 160 Anleger aus ganz Deutschland geschädigt haben. Er soll der Drahtzieher der Betrügereien gewesen sein, die übrigen sieben Angeklagten – darunter auch ein 36-jähriger Neusser – sollen die Kunden-Akquise übernommen haben.

K. selbst will sich vorerst zu den Vorwürfen nicht äußern, nur zwei der übrigen sieben mutmaßlichen Komplizen kündigten ein Geständnis an. Angaben machte der ehemalige stellvertretende FDP-Keisvorsitzende nur zu seiner Wohnanschrift: An der Florastraße sei er zu Hause, erklärte K. – dort, wo bis vor wenigen Jahren unter anderem Friedrich Karl Flick seinen Zweitwohnsitz hatte. Das Gericht hatte auf Geständnisse gehofft. Die Richter hatten K. und seinem Anwalt angeboten, nicht mehr als viereinhalb Jahre Haft zu verhängen, wenn der Hauptangeklagte ein Geständnis ablegen würde. Das lehnten K. und sein Anwalt aber ab. Nun will die Justiz anhand von Zeugen die insgesamt acht Beschuldigten überführen.

Ohne Geständnisse ist allerdings ein schnelles Ende im Prozess nahezu ausgeschlossen. Schon jetzt hat die zuständige Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Verhandlungstermine bis Ende Januar festgelegt. Ob diese Termine ausreichen, erscheint fraglich. Parallel dazu muss sich Constantin K. nach wie vor noch in Gera in Thüringen vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft Gera wirft ihm vor, fast 50 Luxusautos wie Porsche, Ferrari und Mercedes zum Kauf angeboten, den Kaufpreis oder eine Anzahlung auch kassiert, die Fahrzeuge aber nicht ausgeliefert zu haben. Der Schaden: etliche hunderttausend Euro.

"Ein Ende in diesem Verfahren ist nicht in Sicht", hatte Justizsprecher Philipp Redeker aus Gera auf NGZ-Anfrage erklärt. Um sowohl in Thüringen als auch in Düsseldorf gegen den Meerbuscher verhandeln zu können, wird er von Justizwachtmeistern regelmäßig zwischen beiden Prozessen hin und her gefahren. Sollte es zu Verurteilungen kommen, drohen dem ehemaligen Fördervereins-Geschäftsführer des Fußball-Landesligisten TuS Bösinghoven jeweils bis zu zehn Jahre Gefängnis.

Quelle: RP

 
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