Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Unfallflucht - die kommt im Rhein-Kreis immer häufiger vor. Die Polizei verzeichnete 2006 einen deutlichen Anstieg. Fast jeder zweite Fall wird aufgeklärt. Wer erwischt wird, darf nicht mit milden Richtern rechnen.
(jk)Binnen eines Jahres ist die Zahl der Unfallflüchtigen im Rhein-Kreis Neuss teils deutlich gestiegen:
Grevenbroich, Dormagen, Jüchen, Rommerskirchen:
2005 - 693 Flüchtige
2006 - 802 (+ 15,7 Prozent)
Kaarst,Korschenbroich, Meerbusch:
2005 - 529
2006 - 547 (+ 3,4 Prozent)
Neuss
2005 - 851
2006 - 870 (+ 2,2 Prozent)
In 143 der Fälle sind Menschen zu Schaden gekommen.
Rhein-Kreis Neuss Eigentlich ist jeder Autofahrer versichert - und trotzdem gibt es im Rhein Kreis Neuss laut Polizei immer mehr Unfallflüchtige. Die Zahlen erreichten 2006 den höchsten Stand seit fünf Jahren - die Dreistigkeit der Autofahrer kennt nach Angaben der Ermittler manchmal keine Grenzen.
„Wir hatten alleine 2006 einen Anstieg um rund sieben Prozent bei den Unfallflüchtigen“, sagt der Leiter des Verkehrskommissariats Wolfgang Titze, „in einzelnen Städten und Gemeinden im Kreis gingen die Zahlen sogar explosionsartig in die Höhe.“
Das beste Beispiel ist die Gemeinde Rommerskirchen: Dort kletterten die Verkehrsunfälle mit Unfallflucht um 32 Prozent. In Grevenbroich, Jüchen und Korschenbroich verzeichnete die Polizei ebenfalls einen rasanten Anstieg - hier lagen die Zahlen jeweils um knapp 20 Prozent über denen des Vorjahres.
„Viele Autofahrer handeln nach der Devise: Hier kennt mich sowieso keiner, mich wird schon keiner gesehen haben - ich verschwinde“, so Chefermittler Titze, „meistens handelt es sich um Bagatell- und Blechschäden.“ Die wiederum können für den Geschädigten aber teuer werden.
„Ein paar hundert Euro kommen da schnell zusammen.“ Das Geld sei aber laut Titze auch häufig der Grund dafür, warum Autofahrer lieber das Weite suchten, statt für ihren Fehler gerade zu stehen. „Natürlich ist jeder versichert. Es weiß aber auch jeder, dass die Zahlungen an die Versicherungen steigen, wenn man hier einen Unfall meldet.“
Doch nicht nur das Geld sei ein Hauptgrund für Unfallflüchtige: „Manche sind auch einfach zu eitel, um einen Fehler zuzugeben.“ So komme es immer wieder vor, dass unter den Unfallflüchtigen auch bislang völlig unbescholtene Rentner seien. „Sie wollen sich und ihren Angehörigen oft nicht eingestehen, dass sie als erfahrene Autofahrer im hohen Alter noch einen Fehler gemacht haben.“
Auch Jugendliche würden häufig vom Unfallort verschwinden. „Sie haben nicht den Mut, ihren Eltern gegenüber den Unfall einzuräumen, außerdem fürchten sie, den Führerschein auf Probe zu verlieren.“
Dabei sollten Unfallflüchtige wissen, dass die Polizei fast jeden zweiten Fall aufklärt. Die Aufklärungsquote von 45,3 Prozent konnte im Vergleich zu 2005 noch einmal gesteigert werden. Oft werden Autofahrer dabei beobachtet, wie sie beim Rangieren eine Beule verursachen oder in engen Straßen einen Außenspiegel beschädigen.
Titze: „Wenn sich ein Zeuge auch nur einen Teil des Kennzeichens merken kann, haben wir einen ersten Ansatzpunkt.“ Wenn zum Beispiel nach einem schwarzen VW Golf mit den Kennzeichen-Bestandteilen „NE-XY…“ gesucht würde, habe man gute Chancen, den Unfallflüchtigen zu finden.
„Wir lassen uns in so einem Fall vom Kraftfahrtbundesamt eine Liste mit allen schwarzen Golf mit dieser Kennzeichenkombination geben“, so Titze, „anschließend klappern wir die Besitzer ab.“ Häufig schon habe man in solchen Fällen Autos mit Unfallspuren oder frisch reparierten Schäden entdeckt. „Staatsanwaltschaft und Gericht haben für Unfallflüchtige wenig Verständnis“, betont der Polizei-Verkehrsexperte, „hier drohen zumindest saftige Geldstrafe.“
Am häufigsten passieren Unfälle mit Unfallflucht auf den Parkplätzen großer Einkaufszentren oder in dicht bebauten Wohngebieten. Für Unfallverursacher gilt: Es reicht nicht, einen Zettel an die Scheibe des anderen Beteiligten zu heften, man muss warten, bis die Polizei eingetroffen ist. „Wobei wir auch schon den Fall hatten, dass ein Unfallflüchtiger einen Zettel mit Namen und Adresse hinterlassen hat, doch alle Daten waren erfunden.“
Neben den steigenden Zahlen bei den Unfallflüchtigen hat die Polizei auch noch einen anderen Trend ausgemacht: Immer häufiger passiert es, dass Unfälle mit Unfallflucht gemeldet werden, obwohl überhaupt niemand geflüchtet ist. In diesen Fällen wollen Autofahrer nicht zugeben, dass sie selbst den Schaden verursacht haben.
Diesen Zeitgenossen kommen die Ermittler schnell auf die Spur. „ Wir erkennen meist schon bei der ersten Besichtigung des Schadens, dass in einem solchen Fall kein anderes Auto eine Rolle gespielt haben kann.“ Wer wegen Vortäuschens einer Straftat belangt wird, muss mitunter tief in die Tasche greifen.
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