Rhein-Kreis Neuss (NGZO). Das Straßenbild wird sich ändern, wenn die Neusser Innenstadt 2010 zur Umweltzone wird. Klassiker, wie die Ente von Andreas Bonk, müssten für viel Geld umgerüstet werden – sind sie eine vom Aussterben bedrohte Art?
Rhein-Kreis Neuss "Charly" ist 23 Jahre alt, mauerblümchengrau und sein Lack ist schon etwas ab. Dennoch gerät Andreas Bonk (45) ins Schwärmen, wenn er von seiner "Charleston" spricht, einer Ente, die er 1999 für schlappe 400 Mark gekauft hat. Der Vorster, gelernter Karosseriebauer, schweißte damals für 1000 Mark einen neuen Rahmen unter das Auto und wähnt sich seitdem als Besitzer eines "Stücks Autogeschichte". Doch ab dem 15. Februar 2010, wenn in der Neusser Innenstadt die Umweltzone abgesteckt wird, brechen düstere Zeiten für Andreas Bonk und seinen "Citroën 2CV" an.
"Erst wurde Köln zugemacht, dann das Ruhrgebiet – und als in Düsseldorf die Umweltzone eingeführt wurde, da habe ich mich schon erschrocken", sagt Andreas Bonk. Benziner ohne Katalysator und Autos, die nur über einen G-Kat aus Einbauten von 1985 bis etwa 1992 verfügen, müssen nachgerüstet werden. Betroffen sind auch alle Diesel mit der Schadstoff-Stufe Euro1 und schlechter. Die Umrüstung mit einem Partikelfilter wird vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle immerhin noch bis Ende des Jahres mit 330 Euro bezuschusst. Das Fahrzeug muss nur bis einschließlich 31. Dezember 2006 erstmals zugelassen worden sein.
Betroffene Fahrzeuge
Mit der "Verordnung zur Kennzeichnung der Kraftfahrzeuge mit geringem Beitrag zur Schadstoffbelastung" werden alle Kraftfahrzeuge (Benzin, Diesel, Gas) bestimmten Schadstoffgruppen zugeordnet. Eine Übersicht, welches Auto welcher Klasse zugeordnet wird, gibt es im Internet unter: www.brd.nrw.de/BezRegDdorf/hierarchie/aufgaben/Abteilung_5/Dezernat_53/Luftreinhalteplanung/Umweltzone_-_betroffene_Fahrzeuge.php
Andreas Bonk, der beim "Auto Terminal Neuss" im Hafen arbeitet, rechnet dagegen mit 1500 bis 1600 Euro, die er für einen Umbau berappen müsste. Originalteile von Citroën gebe es zudem gar nicht mehr.
Besonders betroffen von den Umweltzonen, die in ganz Deutschland stetig wachsen, sind die so genannten "Youngtimer", Autos, die älter als 20 und jünger als 30 Jahre alt sind. Albrecht Trautzburg, Sprecher beim Automobilclub von Deutschland (AvD) spricht von deutschlandweit über 800 000 betroffenen Fahrzeugen. Das seien eben Enten, der R4 – "und auch ein alter Golf hat Sammlerwert", findet Trautzburg. Autos mit H-Kennzeichen, die über 30 Jahre alt sind, dürfen dagegen weiterhin durch die Zonen düsen.
Autoklubs wie der AvD oder auch der ADAC fordern längst eine Prüfung der Erfolge der Umweltzonen. Unter der Überschrift "Wirkungslose Effekthascherei" schreibt der ADAC: "Die Einführung von Umweltzonen in deutschen Städten hat (...) zu keiner nennenswerten Verbesserung der Luftqualität geführt. Dabei wurden die Schadstoffbelastungen vor und nach der Einführung der Fahrverbotszonen untersucht."
Die Ente gerät arg ins Schwanken, als Andreas Bonk auf den Fahrersitz steigt. Er dreht den Zündschlüssel um, und "Charly" beginnt zu röcheln, als leide er seit Jahren an einem fürchterlichen Raucherhusten. Mit seinen 28 PS schafft er bergauf schlappe 60 Stundenkilometer, auf gerader Strecke sind es immerhin gut 100 – und dennoch (oder vielleicht gerade deswegen): "Charly" hat Charme.
Dass die Ente für Andreas Bonk nicht nur ein Fahrzeug ist, sondern fast schon den Stellenwert eines Haustieres hat, wird klar, wenn er von der "Population der Ente" auf den Straßen spricht, die zu verschwinden drohe. Der Vorster fährt schon jetzt mit seiner Piaggio 200 nach Düsseldorf rein. "Die Vespa", sagt er, "ist im Grunde genommen eine viel größere Dreckschleuder."
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