Lokale Wirtschaft (NGZ). Rhein-Kreis Neuss Songül Dündar ist - in persona - für ihren Arbeitgeber der perfekte Werbeträger: Sie ist braun gebrannt, lächelt ansteckend hinter ihrem Tresen, man könnte sagen: Songül Dündar hat ein sonniges Gemüt. Das sind nicht die schlechtesten Eigenschaften für die Empfangsdame von „Sun Selection“. Seit einem Jahr arbeitet Dündar in dem Sonnenstudio an der Friedrichstraße in Neuss.
Der Sonnenstudiobranche im Allgemeinen ist das Strahlen in den vergangenen Jahren allerdings abhanden gekommen. Der Umsatz der Bräunungsbuden in Deutschland brach von 1,358 Milliarden Euro (2002) auf zuletzt eine Milliarde Euro (2006) ein. Doch wer trägt daran Schuld? Es ist ein Mix aus vielen Komponenten. „Unsere Branche hat die gleichen Probleme wie Friseure und Kosmetiker: den Preisverfall“, sagt Dr. Norbert Schmidt-Keiner, Chef des Bundesverbands Solarien und Besonnung „Photomed“. Das kann Hans-Jochen-Schroers, der den „Sun Planet“ in Neuss betreibt, nur bestätigen: „Sinkende Preise, Konkurrenzdruck, Geiz-ist-geil-Mentalität - das alles macht sich bemerkbar.“ Doch die schwächelnde Konjunktur in den vergangenen Jahren trägt kaum Alleinschuld daran, dass es der Branche nicht gut geht.
Zertifizierung
Informationen im Internet:
www.bfs.de
www.solarzert.de
www.s-g-b.info
Auch der Anstieg der Sonnentage im Jahr - Spötter würden sagen: der Klimawandel! - macht den Solarien-Betreibern zu schaffen. Schmidt-Keiner erklärt: „Ich bin zwar Branchenvertreter, aber ich sage Ihnen das ganz offen: Bei Temperaturen von 35 Grad möchte ich nicht auf die Sonnenbank.“ Hinzu kommt, dass in der Bevölkerung ein Umdenken stattgefunden hat. Die Gesundheit wird den Menschen einer älter werdenden Gesellschaft immer wichtiger. Neue Konzepte sind gefragt: „Münz-Mallorcas“ und „Asi-Toaster“ sollen Wellness-Tempeln und Wohlfühl-Oasen weichen.
Eberhard Wüst, Sprecher des Bundesfachverbands Sonnenlicht-Systeme (SLS), liefert dazu die Argumente: „Das UVB-Licht im Sonnenstudio hat biopositive Effekte.“ Es könne Osteoporose und Krebs vorbeugen. Die häufigsten Krebsfälle seien einer Studie zufolge bei Männern festgestellt worden, die im Bergbau arbeiteten. „Hautkrebs!“, betont Wüst.
Das bestätigt der Korschenbroicher Dermatologe Dr. Bernd Kardorff zwar nicht, aber: „Es ist in der Diskussion Bewohnern von Altenheimen, die selten ans Licht kommen, mithilfe von Sonnenbänken zu mehr Lebensqualität zu verhelfen.“ Die älteste Kundin in Mechthild Leichts „Sonnenstudio Mediterrano“ in Grevenbroich ist immerhin 78 Jahre alt. „Sie kommt mit ihrem Rollator und legt sich auf die schwächste Bank“, sagt Leicht.
Auch Songül Dündar sagt, dass sich zunehmend ältere Kunden „zum Beispiel mit Rückenprobleme“ unter die Röhre legen. Um die gesundheitlichen Effekte zu unterstreichen, überzieht eine Zertifizierungswelle die Studien des Landes. Auch der „Sun Planet“ wird derweil zertifiziert. Schroers’ Mitarbeiterinnen lernen Hauttypen zu erkennen, sie lernen, dass Antibiotika die Lichtempfindlichkeit steigern kann. Schroers ist sicher: „Da kommt kein Studiobetreiber drum herum.“ Stärkere Röhren dürfen dann in die Bänke nicht mehr nachträglich eingebaut werden. Doch so viele Hardcore-Bräuner - eine Betreiberin spricht von den „Braunen Bombern“ - gebe es ohnehin nicht mehr.
Dass es sie noch gibt, dafür klebt an der Frontscheibe von „Sun Selection“ wie zum Beleg eine Auflistung einiger heißer Geräte. Sie könnten auch Kampfroboter aus Terminator IV sein. Sie heißen: „Bi-Titan“, „Gigant“ und „Turbo Jumbo“.
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