Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Venlo Frauen tragen ihre Symbole am Ohr, als Kette oder Ring, Künstler und Musiker lassen sich von ihnen inspirieren, selbst Tätowierer greifen auf sie zurück: die Kelten.
Limburgs Museum, Keulsepoort 5, in Venlo (am großen Kreisverkehr schräg gegenüber dem Bahnhof). Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr, geöffnet auch am Pfingstmontag. Eintritt: Erwachsene 5,50 Euro, Kinder ab vier Jahre 3,50 Euro, Familien 15 Euro. Internet: www.limburgsmuseum.nl, www.diekelten.de.
Vom 5. bis 1. Jahrhundert vor Christus prägte ihre Kultur große Teile Mitteleuropas. Doch auch wenn das Volk der Tapferen oder Edlen - lateinisch: celtae, galli, griechisch: keltoi, galatai - vor mehr als 2000 Jahren seine Blütezeit erlebte: Heute stehen die Kelten nicht nur für Kultur, sondern auch für Kult.
Konzerte mit „keltischer“ Musik - die eigentlich aus dem 17. Jahrhundert in Irland, Schottland und der Bretagne überliefert ist - sind ausverkauft, keltische Kräuter werden in der Alternativ-Medizin erprobt, auf Jahrmärkten gibt es keltisches Bier zu trinken. Die Kelten scheinen quicklebendig wie nie zuvor.
Wer „in“ sein will, feiert Halloween, Touristen stehen fasziniert vor Steinkreisen, Esoteriker unterhalten sich mit Bäumen. Die Kelten, das ist eine Kultur, umweht von Rätseln, deren Echo bis heute nachhallt.
Doch wer waren diese Kelten, wie haben sie gelebt? Gab es sie auch in den Niederlanden, in Belgien und Deutschland? Antworten gibt die Ausstellung „Das Geheimnis der Kelten“ im Limburgs Museum in Venlo. Zum ersten Mal werden dort alle herausragenden archäologischen Fundstücke aus der niederländisch-belgisch-deutschen Grenzregion präsentiert.
Masken, Waffen, Urnen, Schmuck (Foto Mitte), Haushalts- und andere Alltagsgegenstände lüften ein wenig den Schleier des Geheimnisses der Kelten. Neben den regionalen Funden sind auch Exponate aus Hallstatt in Österreich und La Tène in der Schweiz, den herausragenden Zentren der keltischen Kultur, zu sehen.
Obwohl weit vom Kern der berühmten Hallstatt-Kultur entfernt, ist das Gebiet zwischen Rhein und Nordsee in keltischer Zeit nicht isoliert. Es gibt zahlreiche Kontakte mit der reichen Kultur im Süden. Die Stammesfürsten an Rhein und Maas nehmen die Riten der Kelten auf. Sie werden in großen Grabdenkmälern und mit reichen Grabbeigaben beigesetzt.
In Venlo sind zum Beispiel beeindruckende Schwerter und große Eimer aus Bronze zu sehen. In die Eimer kam kein Wasser, auch kein keltisches Bier: Vermutlich wurde aus ihnen während Trinkgelagen Wein getrunken, ein Brauch, den die Kelten von den Griechen übernahmen.
Eine besondere Rolle im Leben der Kelten spielten auch die Pferde. Vor vierrädrige Wagen gespannt, wurden mit ihnen die Fürsten zur letzten Ruhestätte gebracht. Radkappen, Reste von Zaumzeug und Rädern wurden auch in Deutschland und den Niederlanden gefunden.
Internationale Kontakte werden schon in keltischer Zeit zum Handel genutzt: Mühlsteine kommen aus dem Mittelrheingebiet, Tonware aus Nordfrankreich, Feuerstein aus Helgoland. Auch aus der mediterranen Welt werden kostbare Güter geliefert: Wein und Waffen vor allem, aber kostbare Gefäße aus Gold und Silber, damals schon Prunkstücke, mit denen die Führer beeindrucken und ihre Macht demonstrieren wollen.
Die Waffen kamen übrigens nicht nur im Kampf gegen Feinde zum Einsatz, sondern auch bei Riten, die Menschen das Leben kosteten. Quellen, Moore, Seen und Flüsse sind bevorzugte Stätten und Heiligtümer unter freiem Himmel, an denen den Göttern kostbare Güter, aber auch Männer, Frauen und Kinder geopfert wurden.
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