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Ausstellung im Deutschen Textilmuseum in Krefeld: "Der gut be'tuch'te Klerus"

zuletzt aktualisiert: 22.12.2000 - 22:26

"Der gut be'tuch'te Klerus" heißt eine Ausstellung im Deutschen Textilmuseum in Krefeld vom 10. Dezember bis zum 11. März, die Paramente und liturgisches Gerät aus 40 Krefelder Kirchen zeigt. Anlässlich des Heiligen Jahres 2000 zeigt das Bistum Aachen einen Ausschnitt seiner Geschichte, der fest mit der Region und Stadt Krefeld verbunden ist.

Seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurden in der Stadt kostbare Stoffe produziert, die mit zum bedeutenden Weltruhm Krefelds als Samt- und Seidenstadt beitrugen. Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters der Stadt Krefeld, Dieter Pützhofen, und des Bischofs von Aachen, Dr. Heinrich Mussinghoff, die zur Eröffnung am Sonntag, 10. Dezember um 11 Uhr sprechen. In die Ausstellung führen ein die Direktorin des Deutschen Textilmuseums, Dr. Brigitte Tietzel, und die Kuratorin der Ausstellung, Dr. Karin Thönissen.

Parallel zur Paramenten-Ausstellung besteht auch die Möglichkeit zu einem Besuch (nach Absprache) im neuen Museum zur Geschichte der Seidenweberei in Krefeld in der alten Paramentenweberei Hubert Gotzes an der Luisenstraße 15, das ebenfalls am Sonntag, 10. Dezember, um 15 Uhr durch Josef Stangenberg, den Vorsitzenden des Fördervereins, der das Museum trägt, eröffnet wird. An sieben Handwebstühlen werden im Flügelbau an der Luisenstraße alte Webtechniken erklärte und auf Anfrage vorgeführt.

Der als Kaplan in Krefeld tätige Franz Bock hatte den Anstoß zu einer Ausstellung gegeben, die 1852 unter dem Titel "Ausstellung mittelalterliche Kunstgegenstände" gezeigt wurde. In einer eigenen Abteilung waren, neben Paramenten und Goldschmiedearbeiten aus dem 9. bis 15. Jahrhundert, die "neuen Stoffe im mittelalterlichen Stil" von Krefelder Firmen ausgestellt. Dieser Ausstellung war ein überregionaler Erfolg beschieden, umfangreiche Artikel erschienen und viele, besonders auswärtige Besucher, besuchten sie. Zahlreiche Paramentenfirmen entstanden danach, die einen erheblichen Anteil an der Gesamtproduktion Krefelder Seiden hatten.

Die Stoffe wurden nicht nur in Europa abgesetzt, sondern auch nach Amerika exportiert, und bereits 1864 kamen die ersten französischen Imitationen Krefelder Seide auf den Markt. Vor dem ersten Weltkrieg wurden vierzehn Firmen in Krefeld gezählt, die sich nicht allein mit der Paramentstoffproduktion, sondern teilweise auch mit der Herstellung und dem Vertrieb der Gewänder beschäftigten.

Weltkriege und grundlegende Erneuerungen vor und nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil verursachten den Niedergang des einst blühenden Gewerbezweiges. Im Jahr 1993 wurde das letzte Unternehmen, die Paramentenweberei Hubert Gotzes, geschlossen. Inzwischen hat die Stadt sich auf dieses Erbe besonnen und mit Hilfe der Nordrhein-Westfalen-Stiftung die Weberei gekauft, die von einem Förderverein als Museum zur Geschichte der Seidenweberei getragen wird.

In den vierzig Krefelder Kirchen haben sich trotz der grundlegenden Änderungen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1963 bis 1965) noch erstaunlich viele Gewänder und Accessoires erhalten. Sie sind zum Teil aufwendig restauriert, werden meist sorgfältig gepflegt, aufbewahrt und sind vereinzelt auch noch in Gebrauch. Für die Ausstellung wurden rund 50 textile Exponate und einiges an liturgischem Gerät ausgewählt, unter anderem eine komplett erhaltene Kapelle, die Anfang des 20. Jahrhunderts von Johan Thorn Prikker für die Krefelder Liebfrauenkirche entworfen wurde.

Der zeitliche Bogen der Ausstellung spannt sich von den frühen, sicher datierten Stücken des 17. Jahrhunderts - rote Kapelle aus Krefeld-Uerdingen (1617 bis 1625) - bis hin zu zeitgenössischen Arbeiten (Kasel von Klaus Simon 1998 für die Kirche Pax Christi entworfen). Historische Stoffmuster aus der Sammlung des Deutschen Textilmuseums, die als Vorbild für Paramentenstoffe dienten, werden die Präsentation ergänzen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in Form eines Jahreskalenders (52 Farbtafeln und einführende Texte). Veranstalter sind das Deutsche Textilmuseum Krefeld und die Region Krefeld im Bistum Aachen.

Ausstellungsorte sind das Deutsche Textilmuseum Krefeld, Andreasmarkt 8 in Krefeld-Linn, Telefon 02151/9469451, Fax 02151/9469455. Die Öffnungszeiten ab Sonntag, 10. Dezember, sind: dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr. Das Museum zur Geschichte der Seidenweberei in Krefeld, die Paramentenweberei Gotzes an der Luisenstraße 15, ist nach Absprache geöffnet. Öffentliche Führungen im Deutschen Textilmuseum sind mittwochs und sonntags jeweils um 15 Uhr. Für die Teilnahme an der Führung wird ein Aufschlag von drei Mark auf den Eintritt erhoben.



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