Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Rhein-Kreis Neuss Irgendwann sind sie vielerorts fast verstummt: Sirenen. Der Heulton vom Dach - viele haben ihn noch im Ohr. Aber das letzte Mal gehört ... Da wird’s schon schwieriger. In den Kommunen gewinnt das Thema derzeit aber wieder an Aktualität. „Die Landesregierung drängt darauf, etwas zu tun“, sagt Hans-Joachim Klein, bei der Kreisverwaltung Leiter des Amts für Sicherheit und Ordnung.
Mit dem Ende des Kalten Krieges hatte der Bund die Verantwortung für die Sirenen an die Kommunen abgegeben. Und die rüsteten aus finanziellen Gründen weiter ab, um die Folgekosten nicht tragen zu müssen. Nun geht der Trend wieder in die umgekehrte Richtung. Nicht zuletzt die gewachsene Terrorgefahr bedingt Überlegungen, wie im Ernstfall die Bevölkerung flächendeckend alarmiert werden kann.
„In allen Kommunen gibt es rudimentär noch Sirenen, die betriebsbereit sind“, sagt Klein. In Kaarst, Meerbusch und Korschenbroich, berichtet er, würde das System derzeit ausgebaut.
Gibt es Alternativen zu Sirenen? Klein verweist auf Lautsprecherwagen und den Rundfunk. „Wir haben die Möglichkeit, uns in redaktionsfreien Zeiten automatisch ins Programm einzuschalten“, sagt er mit Blick auf den Lokalsender NE-WS 89.4. Das Problem dabei: Mobile Durchsagen sind zeit- und personalintensiv, und nicht jeder hört rund um die Uhr Radio oder ist auf einen Sender abonniert.
Sirenenalarm: Die Schweiz macht es vor
Einmal im Jahr heulen im Land der Eidgenossen die Sirenen: Der nächste Probealarm ist am 6. Februar. Dabei wird die Funktionsbereitschaft der Sirenen des „Allgemeinen Alarms“ und des „Wasseralarms“ getestet. Er gilt für gefährdete Gebiete unterhalb von Stauanlagen. Insgesamt werden in der Schweiz 8500 Sirenen getestet. In den Niederlanden wiederum experimentiert man derzeit am so genannten Cell Broadcast, einer Art Massen-SMS.
Zurück zur Sirene: Die ist teuer: „Von 20 000 Euro bis hin zu ...“, deutet Klein an, dass preislich nach oben hin je nach technischer Ausstattung viel Spielraum ist. Pro Jahr kommen zwischen 1500 und 2000 Euro Betriebskosten hinzu.
Im nächsten Ausschuss für Rettungswesen, Feuerschutz und Katastrophenschutz soll ein Spezialist des in Bonn angesiedelten Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe über Sicherheitsaspekte berichten. „Wir wollen hören, was möglich ist“, meint Klein über weitere technische Alternativen, bei denen auch Handys eine Rolle spielen könnten.
„Mir brennt das Thema auf den Nägeln“, sagt Ausschussvorsitzende Ursel Meis (CDU) zum Katastrophenschutz. Auch sie setzt auf die Sirene, denn „nicht jeder hört nachts Radio“. Ob es für die Kommunen finanzielle Hilfen für deren Anschaffung gibt, verneint Meis: „Soweit ich es aus den bisherigen Beratungen weiß, gibt es keine Gelder aus einem übergeordneten Topf.“
Es gebe auch keine Bundes- oder Landesregelung, die einen bestimmten Zeitrahmen vorgebe, um die örtliche Sicherheitstechnik zu optimieren: „Die Beurteilung, ob das Notwendige getan wird, liegt bei den Kommunen.“ Dormagen, sagt Meis, sei in diesem Zusammenhang vorbildlich.
Werner Rieck ist dort Leiter der Freiwilligen Feuerwehr. „Wir haben damals alle Sirenen behalten“, blickt er auf die Vergangenheit. „Die Bevölkerung war damit einverstanden, dass wir die Sirenen weiter nutzen.“ Das bestehende System sei verbessert, um den Chemiepark ein zusätzlicher Sirenengürtel installiert worden.
Im vergangenen Jahr wurde sogar der klassische Feueralarm wieder eingeführt - auch um die eigene Wehr unabhängig von digitaler Alarmierung mobilisieren zu können. Entlang des Rheins ab Bonn flussabwärts bis Düsseldorf sei ebenfalls ein Sirenenwarnsystem in Betrieb, berichtet Rieck. Der jüngste Probealarm war erst im Dezember.
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