Rhein-Kreis Neuss (NGZ). rhein-kreis neuss Die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) hat für Donnerstag erneute Streiks angekündigt. Die NGZ sprach mit dem gebürtigen Korschenbroicher Rainer Wermes (43), Chef der GDL-Ortsgruppe Neuss/Mönchengladbach, über den Unmut der Lokführer und die möglichen Folgen des Streiks im Güterverkehr für die Fahrgäste.
Herr Wermes, Sie kommen gerade von Ihrer Spätschicht ...
Rainer Wermes ... genau, ich habe von gestern Nachmittag 17.49 bis heute 5.38 Uhr gearbeitet. Diese Spätschichten machen Familien kaputt.
Wie ist die Stimmung unter den Kollegen?
Wermes Wie die Stimmung ist? Das sage ich an dieser Stelle lieber nicht.
Für Donnerstag ist ein Streik beim Güterverkehr angekündigt. Wird der Auswirkungen auf den Personenverkehr haben?
Wermes Der Streik wird auf jeden Fall Auswirkungen auf den Personenverkehr haben. Wenn der Lokführer eines Güterzugs seinen Wagen auf die Seite stellt, dann ist auf diesem Gleis kein Platz mehr zum Überholen. Für S- und Regional-Bahnen wird es an dieser Stelle dann schwierig. Noch größere Probleme gibt’s auf eingleisigen Strecken. Die sind dann wie ein Nadelöhr.
Wann wird denn gestreikt?
Wermes Es gibt Gerüchte, dass am Nachmittag gestreikt werden soll. Ein genauer Termin steht allerdings noch nicht fest. Das werden wir am Donnerstag kurzfristig mitteilen.
Was raten Sie den Bahnkunden?
Wermes Wer längere Strecken zurücklegen muss, dem würde ich schon raten, am Donnerstag auf die Bahnfahrt zu verzichten.
Die GDL ist in zig Ortsgruppen untergliedert - wie organisieren Sie sich untereinander?
Wermes Ich habe eine Liste mit einer ganzen Reihe von Namen von Streikleitern und Helfern. Im Streikfall wird dann eine Telefonkette gebildet. Das ist wie, wenn sich Jugendliche am Wochenende für eine Party verabreden.
Kritiker monieren, dass gerade jetzt, wo die Wirtschaft brummt, häufiger gestreikt wird ...
Wermes Die Bahn hat schon vor Jahren die Weichen für den Streik gestellt, es war klar, dass es irgendwann knallen musste. Das ist wie eine Scheidung nach langen Ehejahren - die wächst auch langsam heran. Wir haben in den vergangenen Jahren einen Reallohn-Verlust von zehn Prozent und zahlreiche Streichungen hinnehmen müssen.
Bahnchef Mehdorn hat angekündigt, dass Beamte, die normalerweise hinter dem Schreibtisch Dienst schieben, ins Führerhaus wechseln sollen.
Wermes Das ist völlig unrealistisch. Wer länger als ein Jahr nicht gefahren ist, hat überhaupt keine Lizenz. Außerdem gibt es viel zu wenig Ausbilder, die jetzt kurzfristig 6000 Beamte zu Lokführern ausbilden könnten.
Gibt es Kontakte mit anderen Gewerkschaften?
Wermes Nein, da gibt es kaum Kontakte, man trifft sich höchstens mal auf einer Weihnachtsfeier.
Sie selbst sind Beamter. Fühlen Sie sich denn wirklich solidarisch mit den angestellten Lokführern?
Wermes Seit 1992 werden Lokführer nicht mehr verbeamtet. Viele Kollegen sind nach der Wende aus Ostdeutschland zur Bahn gestoßen. Die meisten kennen wir seit 1990. Da ist man selbstverständlich solidarisch.
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