Rhein-Kreis Neuss (NGZO). Rhein-Kreis Neuss Die Krise ist bei den Menschen angekommen. Und sie reagieren auf zweierlei Weise: Zum einen sparen sie etwa bei der Betreuung ihrer betagten Angehörigen und pflegen sie öfter selbst. Zum anderen nimmt der Stress bei ihnen immer mehr Überhand.
Beides spüren das Diakonische Werk Neuss und die Diakonie Rhein-Kreis Neuss sehr deutlich. "Der Druck ist so groß geworden, dass psychische Erkrankungen stark zunehmen", sagt Bernd Gellrich, Vorstandssprecher der Kreis-Diakonie. "Die Nachfrage nach psychiatrischer Hilfe und unserer Schuldner- und Insolvenzberatung ist riesig. Wir haben die Kapazitäten ausgebaut, aber sie reichen immer noch nicht aus", ergänzt Stadt-Vorstand Christoph Havers. Gestern legten beide ihre Jahresbilanz vor.
Die Kreis-Diakonie verzeichnete 2008 einen Umsatz von 15 Millionen Euro, ihr Stadt-Pendant 8,5 Millionen. In Neuss beschäftigt der Wohlfahrtsverband 190 hauptamtliche Kräfte, in den anderen Kommunen des Kreises sind es 460 – Tendenz steigend. Der Grund liegt in der Übernahme neuer Aufgaben von den ambulanten Diensten im Pflegebereich bis zur Jugendhilfe.
Bestes Beispiel ist ein Projekt mit dem Neusser Bauverein: Die Diakonie fährt mit einem Bus in die Stadtteile und informiert Mieter bei sozialer Schieflage, in Konfliktsituationen oder bei familiären Problemen. "Hilfsangebote sind oft weit weg, und die Hemmschwelle ist damit hoch. Wenn man aber in den Wohngebieten eine direkte Form der Ansprache findet, wird das alles leichter", hat Havers erkannt.
Ein Höhepunkt im Diakonie-Jahr 2008 war sicher die Umwandlung der evangelischen Markuskirche im Dormagener Ortsteil Horrem in ein Seniorenzentrum. 80 pflegebedürftige Frauen und Männer haben dort eine neue, höchst angenehme Heimat gefunden. Ein anderer Höhepunkt ist der Start für das Mehr-Generationen-Haus "Treff 20" auf der südlichen Neusserfurth gewesen. Unter dem Motto "Bürger zu Nachbarn machen" gibt es dort ein vielfältiges Angebot, das Beratung, Service, häusliche Unterstützung, Freizeitaktivitäten und Kommunikationsmöglichkeiten umfasst.
Die Diakonie ist außerdem stolz auf den ersten Palliativ-Fachpflegedienst im Rhein-Kreis Neuss. Die bereits seit Jahren intensive Versorgung der Palliativ-Pflegekunden sowie die kontinuierliche Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter führten dazu, dass die Pflegestation Dormagen als "Sonderpflegedienst" anerkannt wurde. Damit darf sie auch Leistungen als Palliativ-Fachpflegedienst abrechnen.
Wie bunt die Palette der Hilfen durch die Diakonie ist, zeigt der Überblick vom Stadtteiltreff im Neusser Rheinparkcenter über die psychosoziale Beratung in Dormagen bis zum Seniorenzentrum in Grevenbroich oder Kleinenbroich.
Für zunächst negative Schlagzeilen sorgte 2008 das von der Insolvenz bedrohte Integrationsunternehmen Noah, eine Tochtergesellschaft der Neusser Diakonie, das schließlich an die evangelische Stiftung Hephata verkauft werden konnte. "Wir sind froh, dass die Arbeitsplätze im Wesentlichen gehalten werden konnten, und wir einen Partner gefunden haben, der die Arbeit fortführt", so Havers. "Ein Bündel an Maßnahmen, vor allem aber das vertrauensvolle Zusammenwirken von Kirchengemeinden, Kostenträgern, Verantwortlichen der Stadt und des Kreises, des Neusser Bauvereins, der Vorstandsmitglieder, der Banken und einer Reihe von tatkräftigen Einzelpersonen haben dazu beigetragen, dass die Krise erfolgreich gemeistert werden konnte", heißt es im Vorwort des 68-seitigen Jahresberichts.
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