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Rhein-Kreis Neuss: Duales System „unzumutbar“

VON FRANK KIRSCHSTEIN - zuletzt aktualisiert: 16.08.2007 - 21:30

Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Die Kritik am Entsorgungsunternehmen HML wächst sich zur Generalabrechnung mit dem Dualen System Deutschland aus. Im Kreisausschuss wurde der Ruf nach einem Ende für den Grünen Punkt laut.

Gelbe Säcke und Tonnen für den Verpackungsmüll mit dem Grünen Punkt - im Kreisausschuss 
wurde das System heftig kritisiert. Foto: NGZ
Gelbe Säcke und Tonnen für den Verpackungsmüll mit dem Grünen Punkt - im Kreisausschuss wurde das System heftig kritisiert. Foto: NGZ

Rhein-Kreis Neuss Der Ärger macht im Kreisgebiet die Runde. Wann immer die Kontrolleure des Entsorgungsunternehmens HML auftauchen und den Inhalt der gelben Tonnen unter die Lupe nehmen, sind Proteste programmiert.

Findet sich unter den gelben Deckeln Rest- statt Recycling-Müll mit dem Grünen Punkt, bleibt die Abfuhr aus, im Wiederholungsfall wird gar die Tonne eingezogen. Was seit Wochen Hausbesitzer und Mieter im Kreis auf die Palme bringt, war jetzt im Kreisausschuss Anlass für heftige Kritik.

Wolfgang Wappenschmidt (CDU) verwies darauf, dass sich die Bürger-Beschwerden nicht nur im Rhein-Kreis, sondern in der gesamten Region des Abfallwirtschaftsvereins Rhein-Wupper häuften. Angesichts des Dauer-Ärgers mit der gelben Tonne habe der Verein mit seiner Forderung nach einer grundlegenden Novelle der Verpackungsverordnung Unterstützung verdient.

Info
Was ist „Gelber Müll“?
Das Unternehmen HML informiert im Internet unter www.hml-online.de („Service“ - „Sortieranleitung“) über die korrekte Mülltrennung. Die HML-Hotline bei Fragen und Anregungen: 0 18 05 / 373 465 oder 0 18 01 / 373 465.

Das derzeitige System mit dem Grünen Punkt sei den Bürgern kaum zu vermitteln. Um so bedauerlicher sei es, dass sich der Rhein-Kreis mit seinem Vorschlag, Rest- und Recycling-Müll in einer („Zebra-“)Tonne gemeinsam zu sammeln und dann erst in den Sortieranlagen auf den Deponien zu trennen, bislang nicht habe durchsetzen können.

Erhard Demmer (Bündnis 90/Die Grünen) fordert hingegen mehr Aufklärung. Es seien vor allem bestimmte Stadtteile, in denen sich die Menschen bei der Mülltrennung „nicht gesetzeskonform“ verhielten. Darauf müsse jedoch weniger ordnungspolitisch als mit mehr Information reagiert werden.

Jürgen Güsgen (UWG/Die Aktive) kritisierte auch HML. Er habe den Eindruck, mancher Mitarbeiter der Firma sei „nicht ganz fit“. So werde etwa das Problem der Mehrfachverpackung - ein Grüner Punkt auf einer Verpackung, die aus mehreren, aber nicht einzeln mit dem Symbol des Dualen Systems Deutschland (DSD) gekennzeichneten Materialien besteht - nicht richtig erkannt.

„Die Bürger sind wirklich verärgert“, so Güsgen, „und das vor allem dann, wenn im Fall von Mehrfamilienhäusern alle durch das Nicht-Leeren oder das Einziehen der Gelben Tonnen bestraft werden, obwohl sich nur einige wenige nicht an die Sortierregeln halten.“

Rainer Thiel (SPD) forderte, mit dem „Quatsch“ Schluss zu machen. Das DSD sei gescheitert. Aus dem gelben Müll für teures Geld Öl zu pressen oder ihn dann nach der Trennung doch zu verbrennen, mache einfach keinen Sinn: „So etwas gibt es in ganz Europa nicht.“

Für die CDU sprach sich Dr. Christian Will dafür aus, bei der Diskussion HML aus der Schusslinie zu nehmen: „Das Unternehmen kann nichts dafür, es handelt gesetzeskonform.“ Andererseits drängte auch Will auf eine Änderung der Verpackungsverordnung. Die geltende Regelung sei „für den Bürger unzumutbar“.

Eine schnelle Änderung der bundesweit gültigen Gesetzgebung ist, so Umweltdezernent Karsten Mankowsky, allerdings nicht zu erwarten. In der Zwischenzeit bleibe als einzige Möglichkeit, um den Ärger um die gelbe Tonne zu reduzieren, eine intensivere Aufklärungsarbeit: „HML kritisiert ja nicht die fälschlich eingeworfene Quietsche-Ente. Da werden gelbe Tonnen - und das ist mit Fotos dokumentiert - mit Gartenabfällen, Essensresten oder Bauschutt gefüllt.“

Quelle: NGZ


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