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Rhein-Kreis Neuss: „Es muss Luft zum Atmen bleiben“

VON JENS KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 27.06.2008 - 21:30

Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Rhein-Kreis Neuss Mit 38 Ja-Stimmen, einer Nein-Stimme und sechs Enthaltungen ist Landrat Dieter Patt zum Vorsitzenden des Regionalrates gewählt worden.

 Foto: NGZ
Foto: NGZ

Damit übernimmt Patt das Amt des verstorbenen Düsseldorfer Oberbürgermeister Joachim Erwin. Die NGZ sprach mit Patt über seinen programmatischen Ansatz und seine Einflussmöglichkeiten für den Rhein-Kreis Neuss.

Herzlichen Glückwunsch zur Wahl, Herr Landrat, mal angenommen der Ausbau des Flughafens Mönchengladbach wäre unter Ihrer Führung verhandelt worden. Wäre das Prozedere gleich abgelaufen?

Dieter Patt Ich stehe zu den Entscheidungen des Regionalrates. Als Vorsitzender bin ich in einer besonderen Situation.

Die Stärke des Regionalrates liegt in der Gemeinsamkeit, und unsere Aufgabe ist es, eine breite Basis zu repräsentieren. Ein einiger Regionalrat kann am besten die Interessen der Region gegenüber dem Land und auch auf kommunaler Ebene durchsetzen.

Info

Die großen Vorgänger

(jk) Als Vorsitzender des Regionalrats tritt Landrat Dieter Patt ein schweres Erbe an. Er ist Nachfolger großer Namen aus der rheinischen Politik: 1. Vorsitzender des zunächst als Bezirksplanungsrat bezeichneten Gremiums wurde 1976 der damalige Neusser Oberbürgermeister Herbert Karrenberg. Ihm folgten 1984 Duisburgs OB Josef Krings und 1999 OB Dieter Pützhofen aus Krefeld. Seit 2005 leitete der verstorbene Düsseldorfer OB Joachim Erwin den Regionalrat.

Zu diesem Artikel erscheint in der NGZ vom Freitag ein Bericht.

Wie groß ist denn der Einfluss?

Patt Nicht unerheblich. Der Regierungsbezirk ist immerhin größer als das Saarland und Luxemburg zusammen. Der Regierungsbezirk ist nicht nur der am dichtesten besiedelte Regierungsbezirk in Deutschland, sondern auch einer der wirtschaftlich stärksten Räume.

Unser Rhein-Kreis Neuss ist in dieser Gemeinschaft ein starkes Stück. Es bedeutet mir etwas, unter diesen Vorzeichen auf den Spuren von Herbert Karrenberg zu gehen, dem großen Oberbürgermeister, mit dem ich in Neuss noch zusammengearbeitet habe.

Was sind denn Ihre Aufgaben?

Patt Als Vorsitzender will ich mich in der Frage der Gebietsentwicklung, der Raumordnung und der Förderprogramme um einen Ausgleich der verschiedenen Belange bemühen. Der Umgang mit der Fläche in einer dicht besiedelten Region ist eine besondere Herausforderung.

Es muss Freiräume geben, es muss Luft zum Atmen bleiben, es muss aber auch Entwicklung geben. Das ist oft ein schwieriger Abwägungsprozess. Dem Regionalrat wird das auch zukünftig gelingen. Damit stellt sich die Frage: Dürfen wir so weitermachen wie bisher?

Und, dürfen wir? Welche Flächen im Rhein-Kreis Neuss dürfen denn auf keinen Fall verplant werden?

Patt Es gibt auch im Rhein-Kreis Neuss schützenswerte Landschafts-, Naturschutz- und Wasserschutzgebiete und Freiräume. Auf der anderen Seite gilt es, die Citybereiche neu zu beleben. Das gilt auch für die Häfen zum Beispiel in Verbindung mit Wohnbebauung. Insgesamt gilt es, unsere Region lebenswert und zukunftsfähig zu gestalten. Wir stehen im Wettbewerb und dabei müssen wir uns als Wirtschafts- und Industriestandort behaupten.

Was sind weitere große Themen?

Patt Der demografische Wandel mit seinen Auswirkungen auf unsere Infrastruktur und Wirtschaftspolitik im Sinne von Beschäftigungsförderung - das sind wichtige Themen. Unsere Chancen liegen in der Innovation.

Eine Reform der Mittelinstanz wird wohl eher eine Frage für die nächste Wahlperiode. Dabei darf man sich nicht übernehmen, das ist erheblich mehr, als eine Neuordnung von Grenzen und Zuständigkeiten. Weitere Aufgabenverlagerungen nach unten - das wäre lösbar.

Ein Thema, das auf der Agenda des Regionalrates steht, ist die Kiesgewinnung. Auch Zons stand kurz als Abgrabungsgebiet im Visier.

Patt Es ist gelungen, die beabsichtigte Fläche zwischen Rheinfeld und Zons herauszunehmen. Ansonsten ist der Kiesabbau ein weiteres wichtiges Thema insbesondere für den gesamten Niederrhein. Auch hier geht es darum, unterschiedliche Nutzungsansprüche abzuwägen.

Ein heißes Eisen ist die CO-Pipeline von Dormagen nach Uerdingen. Wie wird denn im betroffenen Kreis Mettmann Ihre Wahl aufgenommen? Immerhin ist Bayer im Rhein-Kreis Neuss ein großer Arbeitgeber.

Patt Die geheime Wahl zum Vorsitzenden ist ja bei nur einer Gegenstimme eindeutig ausgefallen. Richtig ist, dass die Chemie neben der Energie ein für uns bedeutender Wirtschaftszweig ist.

Chemie ist auch für den Kreis Mettmann wichtig. Ohne Chemie ist unsere Welt in allen Bereichen nicht mehr denkbar. Wir müssen dafür sichere Voraussetzungen schaffen.

Kann es bei Ihrer neuen Aufgabe nicht zu Konflikten mit Ihrer Position als Landrat kommen?

Patt Konflikte kann man in solch einem Amt sicher nie ganz ausschließen. Es kommt darauf an, sachlich damit umzugehen. Es gibt gute Argumente und es gibt auch gute Kompromisse.

Ich habe herausgehobene Positionen und Erfahrung in der regionalen Zusammenarbeit: So als Vorsitzender der Regionalkommission Düsseldorf Mittlerer Niederrhein, Vorsitzender Kulturausschuss Landschaftsverband Rheinland, Vorstand Landkreistag NRW, Aufsichtsrat RWE Power. Diese Erfahrung und diese Verbindungen sind sehr hilfreich - auch für unseren Rhein-Kreis Neuss mit seinen Städten und Gemeinden.

Sind Sie auch für die Tagesordnung des Regionalrates verantwortlich?

Patt Ja, die setze ich als Vorsitzender gemeinsam mit dem Regierungspräsidenten Jürgen Büssow und in Abstimmung mit dem Ältestenrat fest.

Quelle: NGZ


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