Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Rhein-Kreis Neuss Der Sohn des letzten österreichischen Kaisers, Otto von Habsburg, eröffnet am 30. August auf Schloss Rheydt die Ausstellung „Schützen, Glanz und Gloria“. An der Konzeption dieser Präsentation des hiesigen und europäischen Schützenbrauchtums ist Dr. Britta Spies vom Rheinischen Schützenmuseum in Neuss beteiligt.
Frau Dr. Spies, wer hatte die Idee zu dieser Ausstellung?
Dr. Britta Spies Die Idee hatte Horst Thoren. Er ist Mitglied in der Plenarversammlung der Europäischen Gemeinschaft historischer Schützen, deren Parlament Ende August in Korschenbroich tagen wird. Das gab den Ausschlag, in Rheydt einmal nachzufragen, ob man dort bereit sei, eine solche Ausstellung zu machen. Vom Thema her und auch aufgrund guter Zusammenarbeit in der Vergangenheit lag es nahe, das Rheinische Schützenmuseum in das Projekt mit einzubinden.
Und, gab’s bei der Betrachtung des europäischen Schützenwesens für Sie Überraschungen?
Spies Ja, denn es ist gar nicht so einfach, die europäischen Schützen zusammenzubringen. In erstaunlich vielen Ländern gibt es so etwas wie Schützenwesen - in der Schweiz, in Österreich, Polen, Tschechien, Frankreich, Belgien und in den Niederlanden. Mitunter war es gar nicht so einfach, Kontakte aufzubauen, um beispielsweise eine Uniform als Leihgabe zu bekommen. Weil das Schützenwesen so ein lebendiges Phänomen ist, sind solche Uniformen in der Regel auch in Gebrauch. Also mussten wir beispielsweise Schützen finden, die „passiv“ geworden sind, wie man in Neuss sagt, und die noch über eine vollständige Ausrüstung verfügen, diese aber entbehren können.
Profitiert das Rheinische Schützenmuseum von dieser Ausstellung?
Spies Wir wirken jetzt hier seit drei Jahren. Ich denke, durch diese Ausstellung haben sich die Kontakte zu anderen Schützenmuseen verstärkt. Wir erhalten Leihgaben aus dem Geldrischen Schützenmuseum, aus dem Limburgischen Schützenmuseum und stehen in Verbindung mit den belgischen Armbrustschützen. Hinzu kommen Leihgaben aus dem Schwäbischen Schützenmuseum in Illerbeuren, dem Deutschen Schützenmuseum.
Inwiefern ist der Rhein-Kreis in der Ausstellung präsent? Liefern wir nur das Know-how, oder ist nachher auch was zu sehen?
Spies Ja, natürlich. Man muss gar nicht mal nach Europa blicken, um zu sehen, wie unterschiedlich Schützenwesen sein kann. Wenn man sich den Kreis Neuss und die Stadt Mönchengladbach genau anschaut, erkennt man schnell die Unterschiede. Die Ausformungen sind anders. Man erkennt, wie ausgehend von einem Zentrum manche Dinge eine gewisse Eigendynamik entwickelt haben, beispielsweise der Neusser Fackelzug. Wir wollen in der Ausstellung schlaglichtartig die Gepflogenheiten in unterschiedlichen Regionen beleuchten, um zu zeigen, dass sich Traditionen auch sehr regional entwickeln können.
Was zeigen Sie?
Spies Wir haben mehrere große Ausstellungseinheiten: Eine widmet sich der Frage, wie ein Schützenfest überhaupt funktioniert - auch, welche Rolle Frauen dabei spielen. Dann gibt es einen einführenden Teil, wo wir die historische Entwicklung darstellen. Ein großer Schwerpunkt wird der Silberschatz der Bruderschaften im Mönchengladbacher Land sein. Wir orientieren uns am Bezirksverband Mönchengladbach-Rheydt-Korschenbroich. Hinzu kommt eine Abteilung mit den verschiedenen Organisationsformen des Schützenwesens.
Was ist Ihre persönliche Aufgabe im Rahmen dieser Ausstellung?
Spies Ich stürze mich hauptsächlich auf den Silberschatz ...
... und polieren?
Spies (lacht) Da muss man aufpassen! Denn manche Ketten sind fast schon „totpoliert“. Es ist doch schöner, wenn eine Kette auch mal etwas Patina hat. Zum Schützensilber wird im Herbst eine Publikation erscheinen, um einmal zusammenfassend zu zeigen, welches Schützensilber in der Region vorhanden ist. Manche Bruderschaften besitzen noch Silber aus dem 18. Jahrhundert.
Ist das die erste Schau dieser Art?
Spies In den zurückliegenden Jahren ist das Schützenwesen von Historikern wieder verstärkt wahrgenommen worden. Im vergangenen Jahr erst gab es eine sehr große und sehr gute Ausstellung in Lüdenscheid, „Schützenwelten“. Dort wurde sehr intensiv historisch gearbeitet, um die Parallelität von Schützengeschichte und politischer und sozialer Geschichte deutlich zu machen.
Der Fokus lag auf dem Sauerland.
Spies Ja, wobei die Ausstellungsmacher in Lüdenscheid auch über den Tellerrand geschaut haben. Sie haben zum Beispiel die Gründung des Deutschen Schützenbundes 1861 oder die Entstehung der großen Schützengilde-Bildern in den Niederlanden beleuchtet. Das Schützenwesen ist ein Phänomen, das sich über hunderte von Jahren entwickelt hat.
Und es hat sich sehr viel angelagert, es gab immer wieder neue Impulse, die von manchen Vereinen aufgegriffen wurden, von anderen aber auch nicht. Gerade an Uniformen kann man das sehr schön beobachten: In Neuss sind diese im 19. Jahrhundert bereits sehr dominant. In Olpe wiederum tragen nur Offiziere eine Uniform, Schützen nur Kappe und Anzug. Hier kann sich das niemand vorstellen!
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