Beim Bundesbildungszentrum Neuss-Hammfeld, dem Berufskolleg für Technik und Information, waren am Samstag die Türen weit geöffnet. Nicht ohne Stolz zeigten Schulleiter Hans-Georg Torkel und seine Kollegen, was diese Bildungseinrichtung alles zu bieten hat. Interessierte junge Menschen konnten ihre Fragen los werden und abschecken, ob es dort für sie das passende Angebot gibt. Beim Tag der offenen Tür zeigte das Berufsbildungszentrum Hammfeld seine vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten. NGZ-Foto: A. Woitschützke
Zur Zeit besonders gefragt: Eine Ausbildung im Bereich Informations- und Telekommunikation sowie der Schwerpunkt Mechatronik - dort werden Kenntnisse in Mechanik, Elektrik und Datentechnik vermittelt. Weitere reizvolle Ausbildungsmöglichkeiten sollen folgen. Klaus Kühl ist Mitglied des Neusser Segelsportvereins "Turmsegler". Er hatte am Samstag glänzende Augen. Für die "Bescherung" hatten Christoph Skalnik, 27, aus Nievenheim und René Fegers, 26, aus Rosellerheide gesorgt: Im Rahmen ihrer Technikerausbildung hatten sie eine Software für die Schwerpunktbestimmung von Segelflugzeugen mittels Wägezellen geschrieben.
Theorie und Praxis lagen eng beieinander: Als Blickfang war ein Segelflugzeug vom Typ LS 4 mit einer Spannweite von immerhin 15 Metern ins Foyer gebracht worden. Das Projekt hatte Michael Striegler als Lehrer betreut. Der Vorteil für die Segelflieger: Die wesentlich aufwendigere Vorgehensweise mit Sackwaagen ist jetzt passé. Was ebenfalls zu bestaunen war: Die Systemanalyse und Weiterentwicklung einer vorhandenen Taktstraße zur Herstellung von Klavierbänden, die Analyse und Umgestaltung eines Arbeitszprozesses an einem Arbeitsplatz für die Entsorgung von Aktenordnern bei den Gemeinnützigen Werkstätten Neuss sowie die systematische Entwicklung der Kriterien für ein rechnerunterstütztes Werkzeugverwaltungssystem.
Hans-Georg Torkel, seinem 75-köpfigem Kollegium und seinen rund 2.200 Schülern steht eines der bestausgestatteten Berufskollegs in Nordrhein-Westfalen zur Verfügung. Auch wer keine direkten Vergleichsmöglichkeiten hat, war schon beeindruckt von dem Ausstattungsniveau. Vor diesem soliden Hintergrund ist es nicht sonderlich erstaunlich, das immer neue, aktuelle Angebote hinzu kommen. Ganz neu: Eine kombinierte Ausbildung, bestehend aus Mechanik, Elektrik und Datentechnik - eine Herausforderung für Lehrer und Schüler, ein "Spagat", der ihnen einiges abverlangt.
Der Lohn der Mühen: "Die Absolventen sind Trendsetter und haben sehr gute Chancen am Arbeitsmarkt", so Torkel. Ebenfalls im Angebot: Die Lehre ohne Lehrherrn - diese Vollausbildung mit starken Praktika-Anteilen ist eine optimale Voraussetzung für Interessenten mit Fachoberschulreife: "Viele starten direkt durch in ein Studium", weiß der Direktor. Noch Zukunftsmusik, aber bald Realität. Im übernächsten Jahr soll es eine Ausbildung zum Staatlich geprüften Wirtschaftstechniker geben. Eine besonders interessante Perspektive eröffnet das Bildungszentrum allen Schülerinnen und Schülern, die sich schwerpunktmäßig für Technik und Informatik interessieren: "In zwei bis drei Jahren bieten wir eine entsprechende dreijährige Schulausbildung an", so Torkel gegenüber der NGZ.
Wer diese Ausbildung erfolgreich abschließt, hat das Vollabitur in der Tasche und ist für das Hochschulstudium im Bereich Technik/Informatik deutlich besser gerüstet als Gymnasiasten. Worauf beim Tag der offenen Tür ebenfalls hingewiesen wurde: Innovative Firmen kommen in die Schule, die Schüler hören etwas über den Prozess von der Ideenfindung bis zur Vermarktung, Experten vom deutschen Erfinderverband unterstützen die Lehrer. Fachlehrer Jürgen Hoeft führte einige Dutzend Beratungsgespräche mit jungen Leuten. Er weiß, dass sich die Mühen lohnen: Viele Techniker, die er ausgebildet hat, arbeiten heute in leitenden Positionen. Und für den stellvertretenden Schulleiter Reinhard Hoffmann hat der Tag der offenen Tür den Sinn, den Jugendlichen den für sie richtigen Aus- beziehungsweise Weiterbildungsweg aufzuzeigen. Rudolf Barnholt
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