Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Zum ersten Mal seit fast neun Jahren wurde die Feuerwehr für einen Katastrophenschutzeinsatz außerhalb des Kreisgebietes angefordert. 90 Helfer rückten aus und erlebten das Bergische Land im Schneechaos.
Nach zehn Stunden im Einsatz waren sie wieder da. Zurück in Neuss und - so kam es ihnen jedenfalls vor - zurück im Frühling. Denn im Bergischen Land hatten die 90 Feuerwehrleute aus dem Rhein-Kreis, die dort am Mittwoch im Rahmen eines überörtlichen Hilfseinsatzes Schnee schaufeln mussten, den Winter von seiner strengsten Seite erlebt.
„Eine halbe Auto-Stunde von hier ist tiefster Winter, die Dolomiten in klein”, fasst Klaus Banaszak zusammen. Bis zur Brust habe den Helfern der Schnee gestanden. „Das glaubt uns hier niemand”. Angefordert wurde die Hilfe vom Rhein aus der Stadt Remscheid. Dort war schon in der Nacht alles aufgeboten, was eine Schneeschaufel tragen kann, und trotzdem wurden die Remscheider der Schneemassen nicht Herr. Helfer wurden gebraucht, viele Helfer. Denn in der Stadt drohten einige Hallen unter der 70 Zentimeter hohen Schneelast zusammenzubrechen.
Fakten zum Einsatz
Helfer 15 Feuerwehrmänner aus Neuss, Grevenbroich, Kaarst und Meerbusch, je sechs aus Dormagen, Korchenbroich und Jüchen, zwölf aus Rommerskirchen.
Ausrüstung 16 Fahrzeuge.
Einsatzzeit Abgerückt um 4.24 Uhr, Rückkehr war um 14.10 Uhr.
Seit gut zehn Jahren gibt es für solche Krisen das Instrument der vorgeplanten überörtlichen Hilfe, erklärt Kreisbrandmeister Reinhard Seebröker. Ziel der Planung: In kürzester Zeit sollen 650 Einsatzkräfte im Regierungsbezirk Düsseldorf mobilisiert werden können.
Angefordert wurde diese überörtliche Hilfe erst ein Mal, nämlich beim Elbehochwasser 2002 als ein Kontingent der Freiwilligen Feuerwehren eine Woche lang auf den Deichen der Stadt Prignitz kämpften. Nicht einmal beim großen BoA-Unglück war diese Verstärkung nötig gewesen. „Das haben wir so gestemmt”,sagt Seebröker stolz.
Als die Alarmmelder der einzelnen Feuerwehrmänner und -frauen in der Nacht losgingen, wussten die nichts von ihrem Ausflug in den Schnee. Erst auf den jeweiligen Wachen wurde das Einsatzziel eröffnet. „Einige mussten sich erst noch mit warmen Klamotten eindecken”, berichtet Seebröker, aber bei diesem Einsatz kam es nicht auf Minuten an. „Wir sind ja kein Alarmzug”, sagt Seebröker.
Die Wehren im Kreis wurden gemeinsam mit denen aus Düsseldorf und dem Kreis Mettmann aufgeboten. Zusammen bilden sie die Bereitschaft 4 im Regierungsbezirk. 24 Stunden auf sich gestellt im Einsatz bestehen zu können, ist der gemeinsame Auftrag. Doch so lange dauerte der Job in Remscheid nicht. Nachdem das Kommando eine Einheit des THW abgelöst und von zwei Firmenhallen á 10.000 Quadratmeter Dachfläche in Handarbeit den erdrückenden Schnee abgeräumt hatte, durfte die abgekämpfte Feuerwehr abrücken. Da stand eine Ablösung auf Abruf.
Aber auch im Lagezentrum der Kreisleitstelle Neuss waren die Planungen schon weiter getrieben worden. „Wir hätten zu jeder Zeit eine gleich starke Mannschaft rüberschicken können”, so der Kreisbrandmeister. Dass der Einsatz nötig war, macht Einsatzleiter Rolf Reinartz aus Dormagen an einer Beobachtung fest: „Die Leute haben sich nur noch auf die Schaufel gestützt. Als hätten sie sich ihrem Schicksal ergeben.”
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