Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Stüttgen Manfred Buschmann schüttelt den Kopf. Er kann es kaum glauben. Drei Würfe hatte er und alle gingen daneben - und das obwohl der Korb recht groß war und nur wenige Meter Entfernung zu überbrücken waren. Doch nicht nur ihm erging es an diesem Vormittag so.
Auch andere Mitarbeiter des Unternehmens Alunorf trafen nicht. Das hatte allerdings einen Grund, denn alle mussten vor dem Einsatz eine Brille, ähnlich einer Taucherbrille, aufsetzen, und die simulierte einen 1,5 Promille Wert. Mit ungefähr sieben bis neun Gläsern Bier intus leidet eben die Treffsicherheit enorm. Und die Reaktion ebenso.
Die „Rauschbrille“ war allerdings nur eine Station des Gesundheitsparcours, den seit Montag und noch bis Freitag die 2100 Mitarbeiter des Konzerns in einem eigens aufgebauten Zelt durchlaufen können. „Arbeitssicherheit, Umwelt und Gesundheit sind die Themen, denen wir größte Bedeutung beimessen“, sagt der kaufmännische Geschäftsführer Thomas Geupel. Daher wurde vor knapp zwei Jahren auch der Gesundheitszirkel ins Leben gerufen, dem acht Leute angehören. Unter ihnen Christian Funk, Betriebsratsvorsitzender, und Renate Geyr, mittlerweile Gesundheitsmanagerin, die die Idee zu der „gesunden Woche“ hatten. „Im Oktober haben wir mit den Vorbereitungen begonnen“, berichtet die 44-Jährige.
Dabei fingen sie und ihr Kollege nicht bei null an, denn schließlich wird in Sachen „Gesundheit“ bereits einiges angeboten. „Ernährungsberatung haben wir bereits im Programm, ebenso eine Selbsthilfegruppe für Leute, die Probleme mit Alkohol haben“, erklärt Christian Funk.
„Außerdem haben wir eine Physiotherapeutin, die auch Arbeitsplatzanalysen macht, sowie zwei Betriebsärzte und Sanitäter, die Vorsorgeuntersuchungen anbieten“, fährt Renate Geyr fort. In der Vergangenheit sei es allerdings oft so gewesen - außer bei der Grippeschutzimpfung -, dass die Mitarbeiter erst dann kamen, wenn es ihnen bereits nicht gut ging. „Nun wollen wir erreichen, dass unsere Mitarbeiter vorbeugen, solange sie noch fit sind“, so Funk. „Den Grad der Eigenverantwortung für den eigenen Körper erhöhen“ nennt es Renate Geyr. Schließlich habe das Unternehmen eine niedrige Fluktuationsrate und das bedeutet: „Wir werden hier miteinander alt.“
Von Fitness- über Kardiocheck, von Blutdruck-, über Blutzucker- und Cholestesterinmessung, vom Sehtest zu Beratung über Rauchentwöhnung hatten die Mitarbeiter - bis zu 300 pro Tag - viele Möglichkeiten, sich mit ihrem Körper und ihrer Gesundheit zu beschäftigen. Mit dem Slogan „Fit wie ein Ferrari“ machte auch die Ernährungsberatung auf sich aufmerksam. „In ein Nobelauto würden Sie auch kein altes Öl schütten“, meint Beraterin Gerda van Oost. Also solle man auch seinem Körper nicht wahllos jede Nahrung zumuten.
Auch die Industriemechaniker-Azubis Robin Kottirre (19), Serge Eißenberg (20) und Benjamin Arends (18) bewegen sich mit Zetteln in der Hand durch das Zelt, denn die Ergebnisse der unterschiedlichen Untersuchungen erhalten alle schwarz auf weiß ausgedruckt. „Wir haben noch nie einen kompletten Check machen lassen“, geben sie einstimmig zu, weil sie sich eben auch noch nie richtig krank gefühlt haben. Nun nehmen sie alles wahr, was angeboten wird.
„Nach der Woche werden wir auswerten“, sagt Renate Geyr. Schließlich sei es mit diesem fünftägigen Intensivprogramm, auf das die Geschäftsleitung sowie Geyr und Funk mit Bananen und Flyern morgens um 4.30 Uhr an den Drehkreuzen aufmerksam gemacht hatten, nicht getan. „Je nach Interesse und Zuspruch werden wir Schwerpunktkampagnen folgen lassen“, sind sich Christian Funk und Renate Geyr sicher.
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