Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Rhein-Kreis Neuss Entspannt betritt Peter Marzinkowski die Terrasse, setzt sich auf die Bank mit Blick zum Garten, trinkt einen Schluck Wasser. Er trägt Weste und Hemd, ein schlichtes, kleines Holzkreuz, das er an einer Schnur um den Hals befestigt hat. Dieses Kreuz und der breite, goldene Ring an einem seiner Finger haben ihre Bedeutung und weisen auf die hohe Funktion hin, die Peter Marzinkowski innerhalb der katholischen Kirche einnimmt.
Der 68-Jährige ist Bischof der zentralafrikanischen Diözese Alindao. Im vergangenen Jahr rief die NGZ im Rahmen der Aktion „Herzenssache“ ihre Leser dazu auf, für ein Behindertenprojekt in seinem Bistum zu spenden. „Wir haben noch nicht sehr viel von dem Geld ausgegeben“, berichtet Peter Marzinkowski. Doch gebe es schon ganz konkrete Vorstellungen, was mit den mehr als 7800 Euro schrittweise angeschafft und bewegt werden soll, sagt er im Gespräch mit der NGZ, das im Garten der Familie seiner Schwester stattfindet. Sie wohnt im Neusser Norden, im Bereich der Pfarrgemeinde Christ König, die auch Marzinkowskis Heimatpfarre ist; dort feierte der Spiritanerpater 1966 auch seine Primiz. Derzeit hält er sich wieder mal in Deutschland auf, nimmt Termine wahr, besucht Weggefährten, macht Urlaub. Mitte Oktober wird er Alindao zurückerwartet.
Herzenssache
Die Neuß-Grevenbroicher Zeitung sucht für die nächste Aktion „Herzenssache“ wieder regionale und internationale Initiativen und Hilfsprojekte mit Bezug zum Rhein-Kreis Neuss. Ziel ist es, humanitäres und unbürokratisches Engagement zu fördern. Aus der Reihe der Bewerbungen werden zwei bis drei Projekte ausgewählt und vor Weihnachten regelmäßig in der NGZ vorgestellt. Einsendungen an das Pressehaus Neuss, z. Hd. Simon Hopf, Moselstraße 14, 41 464 Neuss. Bei telefonischen Rückfragen: 0 21 31/404 118. E-Mails senden an siho@ngz-online.de.
Peter Marzinkowski ist seit seiner Weihe im Jahr 2005 Oberhirte von 38 000 Katholiken. Viele der weit verstreuten Gemeinden werden von Laien geleitet. „Das Laienamt ist unverzichtbar“, betont er. Denn in Gemeinden, wo ein Priester mitunter nur zwei Mal im Jahr hinkomme, gehe es nicht ohne das Engagement der Basis.
„Es gibt eine ganze Reihe Kinder in entlegenen Dörfern, die betreut werden müssen“, blickt er auf künftige Herausforderungen. Zudem sei geplant, von den Spenden eine Werkstatt für orthopädische Geräte einzurichten, das Rehabilitationszentrum in Alindao zu renovieren und die Ausstattung zu verbessern.
„Ohne das Geld, das wir über die Aktion Herzenssache bekommen haben, wären wir blockiert“, betont Bischof Marzinkowski. Koordiniert wird die Behindertenhilfe von der aus Freiburg stammenden Physiotherapeutin Yvonne Hergert. Ziel sei es, in den einzelnen Pfarreien seiner Diözese Schwestern oder interessierte junge Frauen so zu schulen, dass sie die Therapie der behinderten Kinder am Ort ausführen können, insbesondere solche, die für Operationen vorgesehen sind. Laut Yvonne Hergert kommt im nächsten Frühling ein französischer Chirurg, und wird einige Kinder behandeln, die an den Folgen von Kinderlähmung, Gelenksentzündungen oder Verbrennungen leiden. Hergert selbst will noch bis zum Sommer kommenden Jahres in Alindao bleiben und hofft, bis dahin ihr Team so weit geschult zu haben, dass es auch ihre Aufgaben übernehmen kann.
Die humanitären Projekte, sagt Marzinkowski, seien alle in die diözesane Caritas eingebunden. Es werde mit Augenmaß gehandelt, indem vor Ort das Machbare auslotet werde. „Uns geht es um Konsolidierung, um eine Bewusstseinsbildung innerhalb der Bevölkerung.“ Zurückhaltend äußert er sich deshalb zum Engagement der großen, internationalen Hilfsorganisationen. „Die treten auf, versprechen viel und sind wieder weg.“ Denen gehe es oft nur um Vorzeigeaktionen „entlang der Hauptstraßen“, in die dann sehr viel Geld reingepumpt werde.
Er betont, dass die Hilfsprojekte in seinem Bistum allen Konfessionen gelten. „Wir als Christen bieten vom Evangelium motiviert Möglichkeiten an, um ein menschwürdiges Leben zu führen.“ Denn „ein menschenwürdiges Leben ist der erste Weg zum Frieden“. Und der ist in Zentralafrika immer wieder in Gefahr. „In unserer Gegend sind wir allerdings sicher“, sagt Marzinkowski. Was dramatisch sei, ist die „wahnsinnige Armut“. Die Menschen hätten so gut wie keine Chance, sich weiterzuentwickeln. Hinzu komme ein gewisse Nachlässigkeit in alltäglichen Dingen.
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