Bundestagskandidaten (NGZO). Der Grüne Ingo Kolmorgen aus Dormagen tritt im Wahlkreis 109/Neuss I an.
Rhein-Kreis Neuss Der Mann sieht entspannt aus. Entspannter, als das zwischen zwei Wahlen im Vier-Wochen-Abstand zu erwarten wäre. Das dürfte mehrere Gründe haben – und die guten Umfragewerte der Grünen spielen die geringste Rolle.
Die Assoziationen, die das Stichwort "Jamaika" bei Ingo Kolmorgen auslöst, haben da schon eine andere Wirkung: Der Fraktionschef der Grünen im Dormagener Stadtrat und Bundestagskandidat für Neuss, Grevenbroich, Dormagen und Rommerskirchen hat soeben eine der auch auf kommunaler Ebene noch seltenen schwarz-gelb-grünen Bündnisse geschmiedet und damit erstmals in der Geschichte der Stadt seiner Partei eine "Regierungsbeteiligung"gesichert.
Das sagt über die politische Position des 37 Jahre alten kaufmännischen Angestellten bereits eine Menge aus. "Natürlich gibt es auch Schnittmengen mit der SPD", so Kolmorgen. Anders als mit der Linken. "Da sehe ich persönlich keine Basis", betont er – und lässt keinen Zweifel daran, wo er im grünen Lager zu verorten ist. Schwarz-grün im Bund hält er allerdings für unwahrscheinlich. "Mit Hermann Gröhe und mir ginge das, aber auf breiter Front ist das zurzeit nicht durchsetzbar", sagt Kolmorgen – durchaus bedauernd.
Denn die Gemeinsamkeiten liegen für den "praktizierenden Katholiken", der bei der Aachener Grundvermögen, einer Tochter der katholischen Kirche, Immobilien verwaltet, auf der Hand: "Die Grünen nennen es Natur und Umwelt, die CDU spricht vom Erhalt der Schöpfung, und wir meinen dasselbe", sagt er. Auch in Fragen der Bio-Ethik – Embryonen-Forschung oder Klonen – sei kaum eine politische Position so nah an der der Kirche wie die konservativer Grüner.
Mit der Bezeichnung "konservativ" hat der Ur-Dormagener, der seit 1990 Mitglied der Grünen ist, übrigens keine Probleme. "Konservativ heißt ja nicht, die Asche zu bewahren, sondern das Feuer am Brennen zu halten", definiert er. Dass diese Position für parteiinterne Diskussionen sorgen kann, erfährt Kolmorgen, seit er 1995 den Kreisvorsitz der Grünen übernommen hat. Schwierigkeiten hat er damit keine. "Das gehört zu unserer politischen Kultur," sagt er.
Über das Bündnis in Berlin nach der Wahl muss sich der Gelegenheitsläufer und Lesefanatiker ("notfalls auch das Telefonbuch") auch eher theoretisch Gedanken machen. Denn dass er Bundestagsabgeordneter wird, ist ohne Listenplatz ziemlich unwahrscheinlich. Und vielleicht ist auch das ein Grund dafür, dass er so entspannt wirkt. "Ich trete an, um zu gewinnen, alles andere wäre ja unglaubwürdig", sagt er. "Aber ich bin realistisch." Dazu gehöre die Erkenntnis, dass die Möglichkeit, Wähler durch exzessiven Wahlkampf auf seine Seite zu ziehen, begrenzt ist.
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