Rhein-Kreis Neuss (NGZO). Rhein-Kreis Neuss Mit Selbstbewusstsein startet das rheinische Handwerk in den Herbst. Der Geschäftsklimaindex legte zum Ende des Jahres gegenüber dem Frühjahr deutlich um zehn Punkte auf 72 Prozent (Rhein-Kreis Neuss: 70 Prozent) zu. Das, so das Ergebnis des Konjunktur-Gutachtens der Handwerkskammer Düsseldorf, sei der stärkste Anstieg des Konjunkturbarometers im gesamten Jahrzehnt.
"Bessere Stimmung"
Dementsprechend schwungvoll und mit starker Bildsprache präsentierte Kammerpräsident Professor Wolfgang Schulhoff gestern die Ergebnisse: "Verbessert haben sich nicht nur die Stimmung, sondern auch die harten Zahlen." Der Kammerpräsident führt das auf die Konjunkturpakete I und II sowie auf die Ausweitung der Kurzarbeit zurück.
Schaut man genauer auf die Zahlen, wird die Euphorie indes etwas gedämpft: So gehen immerhin 25 Prozent der befragten Betriebe im Kreisgebiet davon aus, dass die Zahl der Beschäftigten sinken wird; nur sechs Prozent rechnen mit einem Personalzuwachs. Beim Auftragsbestand – die derzeitige Auftragsreichweite liegt bei 6,7 Wochen – immerhin sind die Handwerker in den acht Städten und Gemeinden dezent zuversichtlich gegenüber dem Status quo: Während im Moment 48 Prozent der Betriebe über einen gesunkenen Auftragsbestand klagen, erwarten dies in Zukunft nur noch 38 Prozent.
Regionale Unterschiede
Die früher oft gebeutelte Region Ruhr-West liegt mit 74 Prozent beim Geschäftsklimaindex im Herbst 2009 gut im Rennen. Ganz unten auf der Skala hängt das Bergische Land mit einem Wert von 65 Prozent fest. Die Region Linker Niederrhein (Viersen, Krefeld, Kleve, Mönchengladbach) (73 Prozent) und der Großraum Düsseldorf (71 Prozent) liegen im Mittelfeld. Der Rhein-Kreis Neuss hat sich mit 70 Prozent am unteren Ende eingependelt.
In den verschiedenen Branchen des Handwerks verläuft die Entwicklung allerdings deutlich unterschiedlich: "Die Schrittmacher der konjunkturellen Erholung im Handwerk sind eindeutig das Baugewerbe und der Ausbaubereich", sagt Schulhoff. Laut Handwerkskammer komme das Konjunkturpaket II vor Ort an. Eine Umfrage bei 440 Städten und diversen Kreishandwerkerschaften habe ergeben, dass das Paket etwa seit Juni greife. Auch die Gesundheitshandwerke (Geschäftsklimaindex: 75 Prozent) und die so genannten Branchen für den gehobenen Bedarf (68 Prozent) – darunter fallen Uhrmacher, Goldschmiede und Maßschneider – sind die Treiber.
Am Ende dümpeln die Zulieferer für die Industrie und das Kfz-Handwerk. Aufgrund der Abwrackprämie hätte insbesondere der Reparaturumsatz von Autowerkstätten gelitten. "Ich war nie ein Freund der Abwrackprämie", sagt Schulhoff, der eine Reihe von politischen Forderungen an die neue Bundesregierung richtet, darunter: die Mehrwertsteuer reduzieren und bürokratische Hürden abbauen.
Scharfe Kritik übte der Kammerpräsident an den vergangenen Exzessen auf dem Finanzsektor und fordert für die Zukunft einen Finanz-TÜV. Er, so Schulhoff, sei gespannt, ob die Bundesregierung noch einen Versuch unternehmen wolle, Wetten auf Kursgewinne und andere windige Zertifikate komplett ächten zu lassen – und ist überzeugt: "Die Casinos sind wieder geöffnet."
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