Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Neuss Seit sechs Monaten führt Manfred Thivessen (43) als Geschäftsführer die Bürgschaftsbank NRW mit Sitz in Neuss. Beim Neusser Wirtschaftsforum wird der 43-Jährige über „Mittelstandsfinanzierung im Praxistest“ referieren. Die NGZ unterhielt sich mit dem Banker.
Herr Thivessen, die Bankenkrise ist in aller Munde. Wie viel von ihr kommt bei der Bürgschaftsbank an?
Manfred Thivessen Die vermeintliche Bankenkrise betrifft unser Geschäft nicht. Wir konnten im Jahre 2007 ein Plus von rund 20 Prozent bei den Bewilligungen verzeichnen. Das entspricht einem Vergabevolumen von 107 Millionen Euro. Entscheidend sind für uns die persönliche Qualifikation des Existenzgründers oder Unternehmers und die künftigen Erfolgsaussichten. Entsprechend unserem Förderauftrag entscheiden wir uns im Zweifel immer für die Chance.
Haben Sie es also einfacher als eine öffentliche Bank?
Thivessen Natürlich unterliegen auch wir den aufsichtsrechtlichen Vorschriften wie etwa Basel II. Es ist uns aber auch mit Hilfe unseres Gesellschafternetzwerkes gelungen, den Unternehmen und Kreditinstituten die Vorteile der Einbindung unserer Ausfallbürgschaft in eine Finanzierung transparenter zu machen. Hierzu stehen wir mit diesen Partnern täglich in engem Kontakt.
Voraussetzungen wie eine bestimmte Eigenkapitalquote gibt es nicht?
Thivessen Nein, hier gibt es keine formellen Vorschriften. Allerdings müssen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen insgesamt geordnet sein. Entscheidungen werden aber nicht pauschal anhand von Kennziffern, sondern immer unter Beachtung der individuellen Rahmenbedingungen des Antragstellers getroffen. Hier kann es im Einzelfall auch zu einer Ablehnung kommen.
Verfolgen Sie denn den Werdegang der Unternehmen, die die Bürgschaftsbank unterstützt?
Thivessen Es gelingt uns, eine Vielzahl von Antragstellern im Rahmen unserer Vorhabensprüfung persönlich kennenzulernen. Im Nachgang zur Bürgschaftsübernahme gibt es zusätzlich zu den einzureichenden Jahresabschlüssen weitere Kontakte bei Gesprächsbedarf des Unternehmens.
Sie unterstützen kleine und mittlerere Unternehmen ...
Thivessen Ja, richtig. Nur diese dürfen mit einer Bürgschaft begleitet werden. So liegt der durchschnittliche Bürgschaftsbetrag bei 150 000, maximal kann ein Unternehmen eine Bürgschaft von eine Million in Anspruch nehmen.
Wissen denn diese Unternehmen über ihre Möglichkeiten Bescheid?
Thivessen Unverändert besteht ein hoher Aufklärungsbedarf bei Existenzgründern und Unternehmen bei der Inanspruchnahme von Fördermitteln. Durch die heutige Medienlandschaft lassen sich jedoch bereits vielfältige Informationen und Ansprechpartner vorab ermitteln. Wir bieten seit Beginn diesen Jahres jeden Donnerstag einen Beratungstag für Unternehmer und Berater in unserem Haus an.
Mal angenommen, für Schreiner würde heute der Meisterzwang aberkannt - würden es Schreiner ab morgen schwer haben, eine Bürgschaft zu bekommen?
Thivessen Wir verfolgen natürlich aktuelle rechtliche und wirtschaftliche Entwicklungen und passen unsere Entscheidungspraxis den geltenden Rahmenbedingungen an.
Haben Sie als Geschäftsführer sich eine eigene Strategie erdacht?
Thivessen Unsere Geschäftsstrategie ist durch den Förderauftrag vorbestimmt. Mein Bestreben ist es, dieses Angebot noch stärker in der öffentlichen Wahrnehmung zu verankern. Hierzu stehen wir täglich im persönlichen Kontakt mit Antragstellern und Kreditinstituten. In zahlreichen Workshops bei den Kreditinstituten und in unserem Haus stellen wir uns vor, nehmen aber auch Anregungen für unsere Arbeit auf.
Am Mittwoch in der NGZ:
Porträt Manfred Thivessen
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder, Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.