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Rhein-Kreis Neuss: Katholiken kämpfen für arme Kinder

VON THILO ZIMMERMANN - zuletzt aktualisiert: 15.06.2007 - 21:43

Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Rhein-Kreis Neuss „Für mich ist es ein Skandal, dass wir überhaupt über Kinderarmut in Nordrhein- Westfalen sprechen müssen“ - mit diesen Worten reagierte Thomas Nickel am Freitag auf den Sozialbericht NRW.

„Kinderarmut ist ein Skandal“: Thomas Nickel, Vorsitzender der Katholiken. Foto: zimmermann
„Kinderarmut ist ein Skandal“: Thomas Nickel, Vorsitzender der Katholiken. Foto: zimmermann

Der Neusser an der Spitze des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum Köln präsentierte einen Forderungskatalog der Gemeinden und Verbände und stellte gleich auch die Aktion „Schultüte“ vor, mit der die Gläubigen Zeichen setzen wollen.

Die Armutsrisiko-Quote von Kindern und Jugendlichen liegt aktuell bei 24,5 Prozent. Fast jedes vierte Kind in Nordrhein-Westfalen ist betroffen. Soziale Not zeigt sich jedoch nicht nur in der Statistik, sondern vor allem im Leben der Betroffenen.

Daher begrüßt der Diözesanrat die Tatsache, dass der Freien Wohlfahrtspflege durch das zuständige Ministerium erstmals die Gelegenheit gegeben wurde, „den Armen eine Stimme zu geben“. Im Sozialbericht NRW schildern Vertreter von Verbänden wie der Caritas exemplarische Lebensschicksale, wie sie zu Tausenden anzutreffen sind.

„Die Beispiele zeigen eindringlich, wie schnell Menschen im Strudel von Arbeitslosigkeit, Krankheit und Schicksalsschlägen in schier aussichtslose Lebenslagen geraten können“, so Norbert Michels, Geschäftsführer des Diözesanrats.

Dessen Arbeitsgruppe „Gesellschafts-, Sozial- und Rechtspolitik“ unter Leitung von Michaela Hoffmann vertritt die Auffassung, dass der Sozialbericht ein differenziertes Bild der Lage liefert und allen Verantwortlichen den Handlungsbedarf vor Augen führt. „Wir vermissen aber konkrete Strategien und Maßnahmen, die zu einer Besserung der Umstände führen“, hieß es. Ideen reichte der Diözesanrat nun nach.

„Wir sind der Meinung, dass dringend dafür Sorge getragen werden muss, dass Familien mit niedrigem Einkommen und insbesondere Kinder bessere Möglichkeiten erhalten, am sozialen und kulturellen Leben teilzuhaben - zum Beispiel durch Mitwirkung in einem Sportverein, durch die Finanzierung eines Schwimmbad- oder Kino-Besuchs und vieles andere“, so Nickel.

Der Diözesanrat fordert daher Pässe, die es armen Menschen ermöglichen, Kultur-, Sport- und Freizeitaktivitäten verbilligt oder kostenfrei wahrzunehmen. Jungen und Mädchen aus armen Familien könnte die Ganztagsschule wichtige Chancen eröffnen, um Bildungsbenachteiligungen auszugleichen. „Oft aber bleiben gerade sie diesem Angebot fern, da die Eltern die Kosten von zwei bis 2,50 Euro für das tägliche Mittagessen nicht aufbringen können“, zürnt Nickel.

Er plädiert deshalb dafür, dass übergangsweise die Wiedereinführung einmaliger Zuschüsse für Schul- und Unterrichtsmaterialien erfolgt, und dass ein gesundes Mittagessen für Kinder aus einkommensschwachen Haushalten bezahlbar ist. Unter anderem setzen sich die Katholiken auch für „eine faire und wirklichkeitsnahe Berechnung des soziokulturellen Existenzminimums und damit der Regelsätze für die Sozialhilfe und das Arbeitslosengeld II“ ein.

Mit der Aktion „Schultüte“ wendet sich der Diözesanrat an 500 arme Kinder. Sie erhalten Müsli-Riegel und ähnliches, aber hauptsächlich gute Bunt-, Schreib- und Wachsmalstifte, einen Zeichenblock, ein Mäppchen, Hefte, ein Lineal und viele weitere Dinge von Kooperationspartnern. Außerdem gibt’s Bücher. Die Schultüten werden nach den Einschulungsgottesdiensten am 7. August in der Pfarrgemeinde St. Theodor, einem sozialen Brennpunkt in Höhenberg-Vingst, verteilt.

Quelle: NGZ


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