Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Rhein-Kreis Neuss Zu dick, suchtgefährdet, sprachlich alles andere als auf der Höhe, unbeweglich und zudem - unter anderem wegen fehlender Impfungen - gegen Krankheiten schlecht geschützt: Kinder im Rhein-Kreis Neuss.
Auch wenn nicht jeder Junge und jedes Mädchen alle im Bericht zur Kindergesundheit festgestellten Defizite in sich vereinigt - es steht nicht zum Besten mit der Gesundheit und der körperlichen Entwicklung des Nachwuchses im Kreisgebiet.
Die Gesundheitskonferenz des Rhein-Kreises will nun mit einem Aktionsprogramm gegensteuern. Auf der jüngsten Sitzung des Gremiums in Grevenbroich wurden jetzt Gesundheitsziele definiert. So soll zum Beispiel die Übergewichtsrate der Schulneulinge bis 2010 von derzeit etwa 15 Prozent zunächst auf 13,1 und dann bis 2015 auf 11,6 Prozent der Kinder gesenkt werden.
Auch das Problem sprachlicher Defizite - aktuelle Untersuchungen machen diese bei knapp 28 Prozent der Kinder aus, die für die Grundschule angemeldet werden - will die Gesundheitskonferenz angehen.
So geht es weiter
Nach der einstimmigen Empfehlung der Gesundheitskonferenz muss das Aktionsprogramm jetzt im Gesundheitsausschuss und anschließend im Kreistag beratenund verabschiedet werden.
Ebenfalls ein wichtiger Punkt für die Gesundheitskonferenz, in der unter anderem Ärzte und Ärzteorganisationen, Apotheker, Wohlfahrtsverbände, Krankenversicherungen, Selbsthilfeverbände, Politik, Verwaltung und Sport vertreten sind, ist auch die gesundheitliche Versorgung von Kindern und Jugendlichen.
Carsten Rumpeltin, Geschäftsführer der Gesundheitskonferenz, konnte zwar darauf verweisen, dass immer mehr Eltern Früherkennungsuntersuchungen für ihre Kinder in Anspruch nehmen, gleichzeitig bleibe es jedoch schwierig, sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen zur gesundheitlichen Vorsorge zu motivieren. Die Kreisgesundheitskonferenz möchte deshalb unter anderem zusätzliche Reihenuntersuchungen im vierten Lebensjahr durch den kinder- und jugendärztlichen Gesundheitsdienst einrichten: bis 2010 in Schwerpunktgebieten mit einem hohen Maß an sozialer Benachteiligung und bis dann im gesamten Kreisgebiet.
Wie genau die jetzt beschlossenen Ziele erreicht werden sollen, wollen die in der Gesundheitskonferenz organisierten Einrichtungen und Organisationen in den kommenden Monaten ausarbeiten. Beispielhafte Maßnahmen gibt es bereits eine ganze Menge, zum Beispiel das Projekt „Hüpfdötzchen - Kindergarten in Bewegung“. Die CDU-Kreistagsabgeordnete Maria Widdekind freute sich angesichts des jetzt gestarteten Aktionsprogramms „nicht mehr länger nur geklagt, sondern auch gehandelt“ werde. Pflegerechtsexperte Werner Schell aus Erfttal lenkte das Augenmerk auch auf die Kinder, die jünger sind als drei Jahre: „Wir müssen uns von Geburt an um die Kinder kümmern, denn die ersten Jahre der Entwicklung sind besonders prägend.“
Dem stimmte auch Kinderarzt Dr. Wolfgang Hannen zu, der zudem noch einen weiteren Schwerpunkt ausmachte: die Sprachförderung. Aus eigener Erfahrung in seiner Praxis berichtete Hannen von Migranten in zweiter und dritten Generation, deren Deutschkenntnisse - und damit auch die Chancen, in der Schule erfolgreich zu sein - schlicht „katastrophal“ seien.
Sein Vorschlag: ortsnahe Sprachförderung vor allem für junge Mütter. Dr. Gerda van Oost, Qualitätszirkel Ernährungstherapie und Ernährungsberatung, mahnte angesichts der hoch gesteckten Ziele kleine Schritte: Wenn Kinder zum Beispiel zu wenig trinken, was offenbar weit verbreitet ist, sei eine Ursache dafür schon allein die Tatsache, dass die Mädchen und Jungen alles täten, nur um nicht die oft maroden und ekeligen Schultoiletten benutzen zu müssen.
Dr. Hans-Ulrich Klose (CDU) warnte seinerseits vor Verallgemeinerungen, riet aber - auch mit Blick auf die Toilettensituation an den Schulen - dazu, Probleme in den zuständigen Gremien und der Politik sofort anzupacken: „Und dann dranbleiben. Nur so haben wir langfristig eine Chance, dass sich etwas ändert.“
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