Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Rhein-Kreis/Düsseldorf Das Gesicht ruht in einer runden Aussparung der Liege, auf welcher sich niederzulassen Herr Mao gerade freundlich gebeten hat.
Nicht mit Worten, sondern mit Gesten, denn Herr Mao spricht nur Chinesisch - und einige wenige Brocken Englisch. Dann breitet der kräftige junge Mann ein orange-gelbes großes Handtuch über den Rücken und die Beine seines bis auf die Unterhose unbekleideten Kunden aus und legt los.
Der erste Griff in die Nackenpartie schmerzt und lässt Böses erahnen, doch schon bald weicht die bange Anspannung einer wohltuenden Entspannung. Herr Mao lässt derweil die Finger fliegen, knetet und kneift den unter ihm liegenden Körper. Er streicht und klopft, dass es scheint, als folge er dabei einem rasenden Rhythmus.
Investoren beraten und betreuen
Herr Mao ist Masseur und arbeitet seit Kurzem im „Düsseldorf China Center“ (DCC) an der Königsallee 106. Seine Kunst hat auch Thomas Stawicki schon zu schätzen gelernt: „Phantastisch!“
Stawicki ist der Marketing Sales Manager des China Centers und führt das Haus operativ mit. Mit seiner Familie wohnt er in Korschenbroich-Steinhausen.
Seit Anfang April ist der 40-Jährige im DCC tätig, führt ihn der Weg allmorgendlich vom Rhein-Kreis Neuss in dieses kleine Reich der Mitte an der Kö. Er gehört zu einem Team von rund 30 Mitarbeitern. „Ich bin der einzige Europäer.“
Beliebter Standort
Die Zahl der Firmen aus der Volksrepublik China hat sich in den vergangenen drei Jahren vervierfacht. Über 400 Unternehmen haben mittlerweile ihren Sitz in Nordrhein-Westfalen. 2003 waren es erst etwa 100 gewesen. Sie beschäftigen rund 2400 Mitarbeiter. Dabei schätzen die Chinesen besonders die zentrale Lage von NRW und die Nähe zu den Absatzmärkten. Zu diesen Ergebnissen kam im Februar die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Nordrhein-Westfalen mbH (GfW) in einer Befragung der chinesischen Firmen in NRW. Insbesondere Köln und Düsseldorf entwickeln sich demnach zu Zentren für chinesische Investitionen. Rund 70 Prozent der Firmen haben in Düsseldorf ihren Sitz, wobei Köln zuletzt deutlich aufgeholt hat. China entwickelt sich für NRW zu einem der wichtigsten Wirtschaftspartner: 16,2 Milliarden Euro betrug das Handelsvolumen zwischen NRW und der Volksrepublik im Jahr 2005.
Das auf Initiative eines chinesischen Unternehmers hin gegründete und 2005 eröffnete Center versteht sich als Forum für den wirtschaftlichen und kulturellen Austausch. „Von außen kann man nicht sehen, was in dem Gebäude alles drinsteckt“, sagt Stawicki. Und eben diese Vielseitigkeit sei einzigartig, schwärmt er.
Das DCC ist zunächst einmal Anlaufstelle für chinesische und deutsche Unternehmer. „Wir beraten und betreuen Investoren beider Länder und bieten Hilfe beim Markteintritt.“
Darüber hinaus besitzt das Haus großzügige Veranstaltungsräume, beherbergt den China Club und verfügt in der vierten Etage über sechs Büros. „Der Repräsentant von Wuxi sitzt hier bei uns“, sagt Thomas Stawicki.
Mit Wuxi einer 4,5-Millionen-Einwohner-Stadt in der Provinz Jiangsu, der Partnerregion des Landes Nordrhein-Westfalen, ist der Rhein-Kreis Neuss durch Kooperationsvereinbarungen verbunden.
Massagekunst und Kulinarik
Das Center ist beständig dabei, sein Angebot auszubauen. Der Bereich Traditionelle Chinesische Medizin beispielsweise ist solch ein Projekt. Vor etwas mehr als einem Monat eröffnete bereits das Massagezentrum, das von Mao Yuan Zhong geleitet wird.
Angedacht ist zudem, ab Herbst Sprachkurse laufen zu lassen. „Ich bin der erste angemeldete Teilnehmer“, scherzt Stawicki, der selbst (noch) kein Chinesisch spricht.
Ein wichtiger Aspekt im DCC ist die Kulinarik. Im Erdgeschoss befindet sich deshalb ein großes Restaurant mit Teehaus, das man durch den von Pagoden überdachten Eingang betritt. „Authentisch soll es sein“, betont Stawicki.
Serviert wird daher eine Auswahl an originalen Speisen aus einigen der acht regionalen Hauptküchen Chinas.
Und in der Tat: Gebratene Wildhirschsehnen, gesalzener Entenmagen, Quallensalat, gedünstete Lotuswurzeln, Fischkopfterrine und gekochte Hühnerkrallen („lecker“, sagt Stawicki) stehen nicht in jedem Chinarestaurant auf der Karte.
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