Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Rhein-Kreis Neuss „Grazie“ ist weg, dafür blinkt und blitzt jetzt das Rheingold. Die von Jan Hoet kuratierte Ausstellung mit zeitgenössischer, extra für die Räume auf Schloss Dyck gefertigter Kunst ist passé, die Gesellschafter der Sammlung Rheingold haben die Ausstellungsregie übernommen und für die erste Schau indes einen nicht weniger programmatischen Titel gefunden: „Paradies und zurück“.
Ganz und gar von heute ist die Kunst aber auchnicht; nur kam sie zutage bei einem „ersten Griff in die Schublade“, wie der Kurator Dr. Veit Loers es gestern bei der Vorstellung der Ausstellung bezeichnete. Der ehemalige Chef des Museums Abteiberg Mönchengladbach gehört zu den Beratern des Sammler-Konsortiums, und betont, dass es nicht um Kunst ginge, „die die Räume füllt, sondern um Kunst, die mit den Räumen arbeitet“.
Eine „großartige Sammlung und auch ein großartiges Prinzip“, lobte NRW-Staatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff das Anliegen der Rheingold-Eigner, mit ihrer inzwischen 600 Werke umfassenden Sammlung die finanziell knappen Museen in der Region mit Leihgaben zu unterstützen.
Schloss Dyck hingegen nimmt in der Politik der Sammler eine etwas andere Position ein. Es wird gewissermaßen ein eigenes Museum für Rheingold, denn dort bestimmen die Sammler mit einem von ihnen bestellten Kurator allein, was gezeigt wird. Für Grosse-Brockhoff, Landrat Dieter Patt, Simeon Graf Wolff Metternich (Vorsitzender der Stiftung Schloss Dyck) und auch für den Rheingold-Geschäftsführer Helge Achenbach ist das ein Glücksfall.
Für die drei Erstgenannten, weil sie in der Kooperation eine „viel geschlossenere Einheit bieten können, als wir bisher geschafft haben“ (Graf Metternich), und für Achenbach und seine fünf Mit-Sammler, weil „wir schon in der ersten Sekunde unseres Besuches hier von der Poesie des Ortes begeistert waren“.
Das scheint auch auf die Künstler zuzutreffen, denn auch wenn Loers weitgehend Auswahl und Hängung bestimmt hat - Thomas Struth und Jonathan Meese etwa haben sich ihre Räume angeschaut und abgenickt. Vor allem Meese sei „hin und weg“ von dem Raum für seine Skulpturen gewesen, erzählt Achenbach. Verständlich, aber Anwärter für den ersten Platz im Raum-Kunst-Ranking gibt es genug: „Struth, Meese, Baselitz“ - für diese Reihenfolge hat sich jedenfalls Helge Achenbach entschieden. Es könnte aber genauso gut Meese, (Daniel) Richter, Tal R sein ... wie gut, dass jeder Besucher in Ruhe seine eigenen Favoriten küren kann.
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