150 Jahre Historischer Verein für den Niederrhein (NGZ). Der Historische Verein für den Niederrhein besteht seit 150 Jahren . In der Vergangenheit wählte die Gesellschaft häufiger einmal Neuss als Tagungsort. In den Schriften des Vereins werden zudem lokale Themen aufgegriffen. Der Historische Verein für den Niederrhein war seit seiner Gründung 1854 häufiger in Neuss zu Gast. Auch die jährlich erscheinenden „Annalen“ greifen immer wieder lokale Themen auf - wie zum Beispiel die Mannkammer des Quirinusstifts. NGZ-Archiv: L. Berns -->
Die Begrifflichkeiten „Rheinland“ und „Niederrhein“ sind bis heute schwer zu fassen. Denn wo hört das eine auf, beginnt das andere? Gerade der Kreis Neuss, der sich stolz den Namen des romantikverklärten Flusses vorangestellt hat, dürfte indes genau auf der Schnittmenge liegen. Nennen wir sie „rheinische Niederrheiner“ oder „niederrheinische Rheinländer“, die zwischen Dormagen und Meerbusch, Jüchen und Neuss beheimatet sind.
Sie leben in einer geschichtslastigen Region, die deshalb immer wieder in Aufsätzen und auf Tagungen des renommierten Historischen Vereins für den Niederrhein gewürdigt wurde, der jetzt mit einem kleinen Festakt in der Erzbischöflichen Diözesan- und Dombibliothek im Kölner Maternus-Haus sein 150-jähriges Bestehen feiern konnte.
So wie Rheinland und Niederrhein zwei teils sich überlappende teils in den jeweiligen Mentalitäten der Bevölkerung eifersüchtig auseinander gehaltene Gegenden sind, so sorgte schon bei Entstehen des jubilierenden Vereins dessen Benennung für nicht weniger Grübeln: Erforschung der Niederrheingeschichte mit Zusatz, nämlich insbesondere der alten Erzdiözese Köln. Ein Ding der Unmöglichkeit, weil Niederrhein und Erzbistum nie auch nur annähernd deckungsgleich waren. Wie auch immer.
Der auf Initiative des Wachtendonker Pfarrers Joseph Hubert Mooren entstandene Verein hat den Spagat gemeistert, indem er von Anfang an die Tendenz zeigte, der Landes- und nicht der Kirchengeschichte den Vorrang einzuräumen. An dieses „Dilemma“ erinnerte der Bonner Geschichtsprofessor Wilhelm Janssen jetzt in seinem Festvortrag. Mit Professor Manfred Groten als Geschäftsführender Direktor des Instituts für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande und Vorsitzender der Gesellschaft für rheinische Geschichtskunde Bonn trat sogar ein ehemaliger Kreis-Neusser ans Mikrofon, stammt Groten doch aus Hemmerden.
Auch der erzbischöfliche Generalvikar Dominik Schwaderlapp, der Grüße überbrachte, steht in enger Beziehung zu Neuss, wo er einige Zeit als Kaplan an St. Marien wirkte. Und um das Trio komplett zu machen: Professor Heinz Finger als derzeit stellvertretender Vorsitzender des Vereins wohnt im Kreisgebiet, um genauer zu sein: in Norf. Eine Zugabe gefällig? Die Festversammlung fand - wie gesagt - im Maternus-Haus statt, und das liegt nirgends anders als an der Kardinal-Frings-Straße. Da mag indes Kommissar Zufall seine Hände gewaltig mit im Spiel gehabt haben.
Faktum ist jedoch, dass Neuss an dritter Stelle der Tagungsorte seit 1854 steht, auch wenn es sich diese Position mit Aachen und Kempen teilen muss. Zehn Mal trafen sich interessierte Mitglieder in der Quirinusstadt, das erste Mal bei einer Versammlung 1856, zuletzt im Frühjahr 2000. Doch auch in Kaarst, Grevenbroich und Zons traten die Geschichtsenthusiasten schon zusammen.
Wenn Neuss schon beim 150-Jährigen des Vereins durch die Kulissen geistert, dass es für den Lokalpatrioten eine Freude ist, so tat es das beim 100-Jährigen auch schon - zumindest in gedruckter Form. Ein Aufsatz in der Festschrift beschäftigt sich nämlich mit der Mannkammer des Quirinusstiftes. Kein Zweifel: Bis in 25 oder 50 Jahren die nächsten Jubiläen begangen werden, dürften Neuss und die Kommunen des Kreises noch mehrmals für Gesprächsstoff gesorgt und zu Aufsatzthemen für die jährlich erscheinenden „Annalen“ gereizt haben. Von Simon Hopf
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