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Rhein-Kreis Neuss: Landrat managt Flächenreserve

zuletzt aktualisiert: 17.02.2010 - 21:29

Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Hans-Jürgen Petrauschke, bereitet als Vorsitzender des Regionalrates einen neuen Gebietsentwicklungsplan vor. Der regelt, welche Flächen die Städte für Wohnungsbau und Gewerbe nutzen dürfen.

Landrat Petrauschke im Neusser Hafen. Als neuer Chef des Regionalrates regt er eine Bestandsaufnahme der Industriebrachen an.  Foto:  A. Woitschützke
Landrat Petrauschke im Neusser Hafen. Als neuer Chef des Regionalrates regt er eine Bestandsaufnahme der Industriebrachen an. Foto: A. Woitschützke

Im Grunde ist es ein unverständlicher Widerspruch. In der Öffentlichkeit ist der Regionalrat kaum bekannt, aber der Einfluss des Gremiums ist groß. Bei der Bezirksregierung angesiedelt, konzentriert sich der Regionalrat auf seine Hauptaufgabe: das Aufstellen eines Regionalplanes.

Dabei handelt es sich um ein Instrument der Raumordnung, das Flächen unter anderem für Siedlungen, Gewerbe, Landwirtschaft oder Erholung ausweist. Seit Anfang Februar ist Hans-Jürgen Petrauschke (53) Vorsitzender des Düsseldorfer Regionalrates. Im Interview erklärt der Landrat des Rhein-Kreises, warum er einen neuen Regionalplan vorbereitet.

Info

Sechs Regionalratschefs

Hans-Jürgen Petrauschke ist seit Gründung des Regionalrates (früher Bezirksplanungsrat) 1976 erst der sechste Vorsitzende. Seine Vorgänger waren die Oberbürgermeister Herbert Karrenberg (Neuss), Josef Krings (Duisburg), Dieter Pützhofen (Krefeld), Joachim Erwin (Düsseldorf) sowie Landrat Dieter Patt (Rhein-Kreis).

Herr Petrauschke, sind Sie mit Ihrem Landratsamt nicht ausgelastet, so dass Sie auch noch den Vorsitz im Regionalrat angenommen haben?

Hans-Jürgen Petrauschke Es ist ein Zeichen von Vertrauen, dass mir diese Aufgabe angetragen wurde. Wenn ich mit 36 von 37 möglichen Stimmen gewählt wurde, so ist das für mich Anerkennung und Verpflichtung zugleich. Außerdem schadet es dem Rhein-Kreis nicht, wenn der Landrat den Regionalrat leitet. Ohne andere Städte und Kreise zu benachteiligen, kann ich so doch für uns im Rhein-Kreis wichtige Themen zumindest aufrufen.

Der aktuelle Regionalplan stammt aus dem Jahr 1999. Warum bereiten Sie jetzt eine Neufassung vor?

Petrauschke Die Rahmenbedingungen haben sich geändert. Wir am Niederrhein sind grundsätzlich Wanderungsgewinner, die Einwohnerzahlen steigen. Ferner sind ausgewiesene Flächen für Wohnungsbau oder Gewerbeansiedlung in Anspruch genommen worden.

So geht's? Sind die Flächen verbraucht, werden neue bereit gestellt.

Petrauschke So läuft das eben nicht. Der Regionalrat verfolgt mit dem Regionalplan zwei Ziele: Erstens wollen wir Rahmenbedingungen schaffen, die für eine stabile Bevölkerungszahl sorgen. Zweitens sind wir über die Allianz für die Fläche verpflichtet, so wenig wie möglich an Grund und Boden zu versiegeln.

Das heißt im Klartext?

Petrauschke Im Zweifel wird der neue Regionalplan weniger Siedlungsfläche zur Verfügung stellen als Reserveflächen im noch gültigen Plan ausgewiesen sind. Der Regionalplan sorgt für den Interessensausgleich zwischen den öffentlich-rechtlichen Körperschaften. Fest steht: Das wird kein Wunschkonzert.

Versuchen wir das konkreter zu fassen. Dormagen hat zu wenig Gewerbeflächen. Darf die Stadt hoffen?

Petrauschke Es ist bekannt, dass das Logistikunternehmen Fiege ursprünglich nach Dormagen wollte. Weil dort der richtige Standort nicht vorhanden war, konnte Fiege für Neuss und somit für den Standort Rhein-Kreis gesichert werden. Das darf auf Dauer keine Einbahnstraße bleiben.

Bürgermeister Napp hat für die Stadt Neuss bereits Bedarf an Bauland und Gewerbeflächen angemeldet . . .

Petrauschke Die Wünsche werden wir uns – wie die Wünsche aller anderen auch – anhören und versuchen, sie in Einklang zu bringen.

Welche Rolle spielen dabei die Industriebrachen?

Petrauschke Natürlich müssen zunächst die Brachen verwertet werden. Nebenbei bemerkt: Da lohnt womöglich auch noch einmal eine Bestandsaufnahme im Neusser Hafen. Das Problem bei den Brachen sind die Altlasten. Da scheuen Käufer und Verkäufer die Haftung.

Ludger Baten führte das Gespräch.

Quelle: NGZ


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