Mit Understatement in den Bundestagswahlkampf (NGZ). „Wir wollen als drittstärkste Kraft in den Bundestag einziehen und die Republik verändern“, Roland Sperling, Die Linkspartei.PDS, steht nicht im Verdacht, mit Understatement in den Bundestagswahlkampf zu starten.
Im „Dreikönigenhof“ in Neuss wurde er am Donnerstag Abend für den Wahlkreis 109 (Neuss, Dormagen, Grevenbroich, Rommerskirchen) zum Bundestagskandidaten gewählt. Im Wahlkreis 111 (Meerbusch, Kaarst, Korschenbroich, Jüchen, Krefeld-Süd), stellte die Linkspartei das WASG-Mitglied Hans-Gerd Bernstein aus Krefeld auf.
Bernstein, 54 Jahre alt, Gebäudetechniker, viele Jahre IG Metall-Mitglied und Betriebsrat bei ABB in Düsseldorf, wurde einstimmig mit den Stimmen aller vier anwesenden Wahlberechtigten für den Wahlkreis 111 gewählt. Sperling schaffte es nicht im ersten Wahlgang: Von fünf Wahlberechtigten votierten drei für den 44 Jahre alten Rechtsanwalt aus Neuss, zwei enthielten sich. In einem zweiten Wahlgang klappte es dann schließlich doch noch, diesmal einstimmig und ohne Enthaltung.
In seiner Vorstellungsrede betonte Sperling, Fraktionschef der Linkspartei.PDS im Neusser Stadtrat und Sprecher des Kreisverbandes Neuss, dass sich die Partei nicht nur umbenannt, sondern auch deutlich gewandelt habe: „Von zwölf Kandidaten, die für NRW-Landesliste gewählt wurden, waren sechs nicht Parteimitglied, davon wiederum kamen vier von der WASG.“ Bernstein wehrte Vorwürfe anderer Parteien, die, die Linkspartei mit Fragen nach ihrer SED-Vergangenheit zu treffen versuchten ab. „Die Frage stellt sich gar nicht mehr. Diejenigen, die früher SED-Mitglied waren, sterben langsam aus. Die Partei ist heute geprägt von der Nach-Wende-Generation.“
Versammlungsleiter Bernhard Pickert-Goldenbogen führte stringent durch die Versammlung, die von insgesamt rund 20 Mitgliedern der Linkspartei, der WASG und mehreren Sympathisanten besucht wurde. Und die hatten einige Fragen an die Kandidaten. Steckt der Kapitalismus in der Krise?, wollte jemand wissen.
Bernstein verneinte. Wie halten wir es mit der Integration weiterer linker Gruppierungen?, fragte ein anderer. Bernstein hat damit keine Probleme, „vorausgesetzt sie stehen zur demokratischen Grundordnung“. Sperling verweist auf bestehende Kooperationen mit der DKP, bei anderen Parteien oder Gruppierungen will er „genau hinschauen“.
Das große Ziel von Linkspartei und WASG ist - neben einem starken Bundestagsergebnis, nach dem sich Sperling sogar eine von der Linkspartei tolerierte SPD-Minderheitsregierung vorstellen kann - die Gründung einer neuen, gemeinsamen Partei. Zurzeit kandidieren die WASG-Kandidaten noch auf der offenen Liste der Linkspartei.PDS. Roland Sperling: „Sitzen wir erst einmal im Bundestag, wird der Prozess eine Eigendynamik bekommen. Dann redet niemand mehr von PDS oder WASG. Dann gibt es nur noch die Linkspartei, die viele heute schon für eben diese neue Partei halten.“
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