Arbeitslosigkeit weiter gestiegen (NGZ). Von Jens Krüger Schön wär’s, würde sich der Arbeitsmarkt am Wirtschaftsklima-Index des ifo-Instituts orientieren. Doch allen Prognosen der Wachstumsforscher zum Trotz: Ein Anstieg der Beschäftigung ist nicht in Sicht.
Das ist das Fazit der Agentur für Arbeit in Mönchengladbach, die am Donnerstag die aktuellen Juli-Zahlen vorstellte. Auch ein möglicher Regierungswechsel scheint keine positiven Effekte auf den Arbeitsmarkt auszuüben. Daran konnte bei der Präsentation der Zahlen auch Horst Köhler nichts ändern, der milde von einem Porträt in den Konferenzraum der Agentur blickte. Und mitansehen musste, dass im Berichtsmonat die Arbeitslosigkeit im Rhein-Kreis Neuss und in Mönchengladbach im Vergleich zum Vormonat um 415 Menschen (plus 1,1 Prozent) gestiegen ist. Immerhin: Der Rhein-Kreis Neuss ist einmal mehr Primus im Bezirk der Agentur. „Mönchengladbach verzeichnete einen stetigen Aufbau der Arbeitslosigkeit“, erläuterte Agenturleiter Johannes Schmitz. Im Rhein-Kreis Neuss sei die Situation zwar ebenfalls schwierig, doch seien hier aufgrund der Nähe zu den Märkten in Düsseldorf und Köln mehr Möglichkeiten gegeben. Einen saisonal bedingten Rückschlag musste insbesondere die Jugend (bis 25 Jahre) hinnehmen.
„Viele junge Leute haben ihre Ausbildung oder Schule abgeschlossen“, sagte Schmitz. Die Zahlen dieser Gruppe schossen als Konsequenz im Rhein-Kreis Neuss von 1 651 Arbeitssuchenden im Juni auf 1 949 im Juli in die Höhe. Immerhin, glaubt Schmitz, seien die Absolventen gut ausgebildet. Zudem stieg die Zahl der noch unbesetzten Lehrstellen von 421 (zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr) auf 492; 491 junge Menschen suchen noch nach einem Ausbildungsplatz. Natürlich könne man die Bewerber aus dem Kreisgebiet nicht 1:1 in die noch offenen Stellen vermitteln, so Schmitz. Ein zusätzliches Plus an Lehrstellen könnte sich weiterhin noch durch „Abspringer“ auftun. Angesichts der moderaten Zahlen im Kreis richtete der Agenturleiter demnach einen Appell an die Mönchengladbacher Jugend: „Schaut nach Neuss, fahrt in den Rhein-Kreis!“ Trotz des neidvollen Blicks aus Mönchengladbach liefert die Studie aber auch den Arbeitssuchenden im Rhein-Kreis keinen Grund für Luftsprünge.
Zwar verminderte sich in der Geschäftsstelle Neuss die Zahl der Erwerbslosen im Vergleich zum Vormonat um 86 auf 12 708 (Quote: 8,9 Prozent), in Grevenbroich (plus 144; Quote: 9,0 Prozent) und Dormagen (plus 62; Quote: 9,8 Prozent) verschlechterte sich indes die Lage. Ein Blick aufs Vorjahr macht die prekäre Entwicklung deutlich: Während die Arbeitslosenquote in Neuss mit einem Anstieg von 0,3 Prozent moderat ausfiel, wuchs der Satz in Grevenbroich um 1,3 Prozent und in Dormagen um 1,5 Prozent. Spitzenreiter ist die Quirinusstadt auch bei den Arbeitsplatz-Angeboten: 1 967 gemeldete Stellen standen 1 866 im Juni gegenüber. Seit Jahresbeginn wurden 7 179 Jobs ausgelobt. Im sonstigen Bezirks herrschte anscheinend oftmals Einstellungsstopp: In Dormagen verringerte sich der Bestand von 779 im Vormonat auf 526; in Grevenbroich rutschte die Zahl der Stellen von 657 im Juni auf 646 im Berichtszeitraum. Auch die Jobsuche scheint in Neuss Erfolg versprechend. 1 909 Menschen beendeten ihre Arbeitslosigkeit; im Juni waren es 1 394. In Dormagen (292) und Grevenbroich (462) lag die Zahl der Abgänge aus der Arbeitslosigkeit über der der Zugänge.
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